Ich habe aufgehört und das ist auch gut so.


Verfasst am: 06.07.2018 02:14
OnlyAnotherUser
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Hallo liebe Gemeinde.
Ich habe jetzt länger überlegt, ob ich mir hier mein Zimmer einrichte und ich hoffe, dass ich jetzt auch den richtigen Bereich erwischt habe.
Was hat mich die ersten Tage davon abgehalten? Nun, mit der Bekanntgabe hier wird das ganze nochmal ein Stück realer. Ich habe aufgehört zu rauchen! Ein gutes Gefühl, aber irgendwie auch beängstigend.

Jetzt aber mal von Anfang an...
Ich bin 30 Jahre alt und rauche seit etwa 10 oder 11 Jahren. Zumindest regelmäßig. "Natürlich" wurde in der Jugend auf Partys etc auch schon mal mitgeraucht, aber nie so, dass ich gesagt hätte ich rauche.
Die ersten Jahre habe ich noch Schachteln gekauft und etwa 25 bis 30 Zigaretten pro Tag vernichtet. Ab und an auch schon mal mehr. Irgendwann wurde mir das zu teuer und ich begann zu stopfen. Die letzten Jahre pendelte mein Konsum zwischen 15 und 20 Zigaretten am Tag.
Dies hier ist selbstverständlich auch nicht mein erster Rauchstopp (aber hoffentlich der letzte). Ich habe in den Jahren zweimal für etwa 9 Monate aufgehört. Beim ersten Mal durch "die Eine" wieder angefangen, beim zweiten Mal hatte ich wieder mit einer langjährigen Krankheit zu tun und wusste den Stress nicht anders zu bewältigen. Die restlichen Versuche sind kaum erwähnenswert und betrugen nur Stunden bis 6 Tage. Da mich jeder dieser gescheiterten Versuche jedoch enorm stresste und es mir dadurch immer schlechter ging, entschloss ich mich vorerst weiter zu rauchen und mich auf meine hauptsächliche Genesung zu konzentrieren.
Inzwischen ist dieser Punkt erreicht und ich lenke mein Leben wieder in geordnete Bahnen. Und dann fühlte es sich plötzlich wie der passende Zeitpunkt für den erneuten Rauchstopp an.
Dieses Mal wollte ich es aber nochmal "besser" machen. So fand ich zu dieser Seite, las mich durch die Infos und meldete mich schließlich für das Programm an. Ich wählte 7 Tage zur Vorbereitung, sodass ich am 01.07. meinen ersten rauchfreien Tag haben sollte.
Ich suchte mir Ersatzhandlungen raus, kaufte Kaugummi etc. Sport hatte ich schon zuvor wieder angefangen, aber natürlich sollte das eins der stärksten Mittel gegen den Entzug werden. Dann kam es leider anders...3 Tage vorm Rauchstopp zog ich mir einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zu. Schöner Mist. Aber ein zurück gab es für mich nicht. Ich will das durchziehen! Also muss es halt so funktionieren. Ersatzstoffe holte ich mir zunächst mal nicht, ließ mir aber die Option für später offen. Hauptsache keine Zigaretten mehr. Dann lieber Pflaster, Kaugummis, EZigarette oder Mundspray...alles zumindest weniger schädlich.
Der 01.07. kam und wie erwartet war der Tag der absolute Horror. Schlechte Laune, gereizt, müde, rastlos, weinerlich...das volle Programm. Tag 2 war dann schon viel besser. Zumindest waren die Attacken besser auszuhalten. Am 3. Tag ging es eigentlich auch ganz gut. Ich konnte schon ein bisschen was in der Wohnung machen und mich so ganz gut ablenken. Dazwischen mussten Gummibärchen gekauft werden und die Kaugummis erwiesen sich als Anker im wilden Wasser des Entzugs. Leider stürzte ich mit Tag 4 dann ziemlich ab. In der Nacht fing es schon an und ich konnte dem Drang zu rauchen kaum noch wiederstehen. Meine Hände wanderten schon langsam Richtung Tabak und Hülsen meiner Verlobten. Nein, nein, nein! Dann halt vielleicht einen Ersatz zur Linderung. Ich überlegte was mir wohl am meisten helfen würde und machte mich kurz darauf auf den Weg zum Dampferladen. Ich hatte das Gefühl, dass es vor allem die Handlung war die mir fehlte und nicht das Nikotin. Im Laden wurde ich dann auch super beraten und zu meiner Überraschung wollte die Verkäuferin mir erstmal gar nichts verkaufen. Sie meinte wenn ich schon vier Tage ohne Hilfsmittel geschafft hätte, dann geht es vielleicht auch so weiter. Also verließ ich den Laden ohne etwas gekauft zu haben. Doch schon am Abend fing ich an diese Entscheidung zu bereuen und in der Nacht konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Nichts half gegen meinen Zustand. Ich trank Wasser, Tee, aß was, kaute Kaugummi, versuchte meine Hände zu beschäftigen. Dann Musik hören, wieder essen, ein Kakao hatte vorher doch auch schon mal geholfen. Dieses Mal nicht. Irgendwie schleppte ich mich so durch die Nacht, auch mit dem Gedanken mir am nächsten Tag dann doch die E-Zigarette zu kaufen. Das war dann heute. Ich also zum Laden und ganz in Ruhe geguckt was ich denn wirklich möchte. Am Ende entschloss ich mich gegen das zigarettenähnliche Dampfen und für das "Shisha"-Einatmen. Beim Liquid griff ich zu einem nikotinfreien Produkt.
Was soll ich sagen, es war eine sehr gute Entscheidung für mich. Ich weiß, dass ich ansonsten jetzt hier von meinem Rückfall berichten müsste. So änder ich vielleicht noch nicht direkt alle Gewohnheiten, aber ich schade mir bei weitem nicht so sehr wie mit Zigaretten. Und so kann ich mir jetzt die Zeit nehmen zunächst einen Teil der Sucht zu bekämpfen und später dann einen weiteren.
Ich weiß das diese Methode hier recht umstritten ist und ich verstehe auch warum. Ich würde auch sagen, dass die E-Zigarette nicht für jeden geeignet ist. Für mich persönlich fühlt es sich nach genau dem richtigen Weg an, dafür hätten Pflaster bei mir wahrscheinlich nichts gebracht. So ist halt jeder anders.
Auf jeden Fall freue ich mich jetzt meinen 6. Tag anzugehen und dann ist die erste Woche auch schon in Sicht.

Wer bis hier hin durchgehalten hat: Respekt. icon_wink.gif Aber es hat gut getan, dass alles mal runter zu schreiben.

Also dann erstmal gute Nacht und liebe Grüße,
Tom
Verfasst am: 06.07.2018 05:16
Rauchfrei-Lotse
rauchfrei-lotse-andreas
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Hallo Tom, herzlich Willkommen und Glückwunsch zum erfolgreichen Start, mit 5 Tagen hast Du ja bereits eine gute Grundlage geschaffen.

Das man mehrere Versuche braucht, ist eigentlich normal - da bist Du nicht alleine. Tausche die Gummibären gegen zuckerfreie Bonbons oder Obst aus, der Körper ist zum Glück recht Anspruchslos, was die Ersatzbefriedigung angeht. Gibt es etwas, womit Du dich ablenken kannst?

Du wirst sehen, das der Entzug in Wellen verläuft, wo nach einige einfachen Tagen auch mal richtige "Schei... Tage" kommen werden, wo man kämpfen muss. Die Regel von Allan Carr lautet ja "3 Tage, 3 Wochen, 3 Monate"

Die E-Zigarette wird schon recht kontrovers diskutiert, es fehlen einfach die langjährigen Ergebnisse über die Wirkung im Körper usw. Aber wenn es Dir hilft, ist es genau das Richtige und nur darum geht es.

Ich habe damals zu Pflastern gegriffen, weil ich nicht weiterhin etwas zum Mund führen und inhalieren wollte (Änderung der täglichen Gewohnheiten), und zum anderen eben die Wirkung dieser Chemie im Körper.

Ich wünsche Dir ein schönes, rauchfreies Wochenende

Viele Grüße

Andreas
Verfasst am: 06.07.2018 18:00
PrinzRalf
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Tom,

Willkommen in unserer Gemeinschaft icon_smile.gif

Für mich wäre die E-Zigarette nichts, irgendwie ist es für mich so, als wenn ein Alkoholiker entzieht und den Schnaps weglässt und jetzt nur noch Bier trinkt. Aber wie Andreas schon schrieb, jeder muss für sich der richtige Weg in die Rauchfreiheit finden, und wenn es für dich der richtige ist, dann ist doch alles gut. Der Weg ist das Ziel.

Du hast in einem anderen Beitrag gefragt, wann der Moment kommt, wo man ein richtig glücklicher NR ist. Ich war bereits mal 4,5 Jahre rauchfrei, und damals sowie auch jetzt kam bei mir dieser Moment nach ca. 5-6 Monaten. Das wird aber auch bei jedem anders sein. Aber der Moment kommt, und das ist einfach klasse.

Weiterhin guten Erfolg und einen schönen Freitagabend

LG Ralf

Verfasst am: 06.07.2018 21:56
OnlyAnotherUser
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Vielen Dank für eure lieben Worte und euren Besuch in meinem Wohnzimmer.

Ich will da bestimmt keine Grundsatzdiskussion zur E-Zigarette auslösen. Selber würde ich es auch nicht als Startmittel oder sogar als eigenständige Methode empfehlen. Ohne ist es klar noch besser. Für mich passt es so, mehr wollte ich auch gar nicht sagen. Ich habe auch vom psychischen Verlauf her bestimmt andere Vorraussetzungen als die meisten anderen. Warum möchte ich gerade nicht näher ausführen.

Heute fühle ich mich wirklich gut. War zu Fuß einkaufen und habe dann tanzend in der Küche gestanden und gespült. Am Ende schmerzte zwar der Muskelfaserriss, aber das war definitiv nicht das schwerste auszuhalten in den letzten Tagen. icon_lol.gif

Morgen schon kommt mein Tag Nummer 7. Ich bin total gespannt und in freudiger Erwartung. Es ist mehr noch wie eine Herrausforderung "rauchfreie Tage zu sammeln" als ich bin Nichtraucher, aber egal. Solange die Glimmstängel fern bleiben ist es mir erstmal egal wonach es sich genau anfühlt.

Schönen Abend zusammen. icon_smile.gif
Verfasst am: 08.07.2018 15:39
Asbachgirl
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Hallo Tom!
Auch von mir ein herzliches Willkommen in unserer Gemeinschaft! Toll, dass du dich dafür entschieden hast, mit dem Rauchen aufzuhören! Und jetzt bist du schon eine ganze Woche rauchfrei! Das ist echt super! Dazu meine herzlichsten Glückwünsche! Und mit Uli hast du ja sogar einen Zwilling. Ich habe auch einen. icon_smile.gif

champballoongift.png

Wünsche dir noch einen schönen rauchfreien Sonntag!
Viele Grüße Stefanie icon_smile.gif

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Verfasst am: 09.07.2018 05:07
Rauchfrei-Lotse
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Hallo Tom, herzlichen Glückwunsch nachträglich zur ersten rauchfreien Woche. Wie lief da Wochenende bei Dir? Hoffentlich gab es keine größeren Herausforderungen und es klappte alles nach Wunsch.

Für die neue Woche wünsche ich Dir viel Erfolg.

Viele Grüße

Andreas