Tagebuch einer Nichtmehrraucher-Reise


Verfasst am: 07.02.2021 12:43
SmoSa
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LG Christine
Verfasst am: 07.02.2021 15:30
SmoSa
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Ich möchte hier nach und nach mein Tagebuch, welches ich in meinem früheren Wohnzimmer "Der richtige Zeitpunkt zum Aufhören ist JETZT" geführt hatte, rekonstruieren.

Nach meiner Abmeldung im Dezember 2020 wurden meine Kommentare gelöscht und somit ist natürlich auch mein Tagebuch verschwunden. Eigentlich schade, denn es könnte vielleicht für den/die eine/n oder andere/n Nichtmehrraucher/in hilfreich sein. Da ich meine Tagebuch-Einträge (und auch weitere Kommentare, z.B. meine Posts im Junizug) vor meiner Abmeldung auf meinem PC abgespeichert hatte, kann ich meine Nichtmehrraucher-Reise wiederaufleben lassen. Sie soll mich immer daran erinnern, wie schwer mir das Aufhören lange Zeit gefallen ist … dass ich das nicht nochmal durchmachen möchte … dass ich deshalb immer wachsam bleiben muss und nicht leichtsinnig werden darf. Nie wieder einen einzigen Zug!

Zum einen ist es also eine Erinnerung für mich selbst, zum anderen aber hoffentlich auch eine Hilfestellung für andere. Meine Message an alle, die genauso leiden/hadern/zweifeln wie ich zu Beginn meiner Reise:

Manchen fällt es schnell leicht(er), nicht mehr zu rauchen … andere brauchen einfach länger. Aber wer es wirklich schaffen WILL, der KANN es auch schaffen! Also A....backen zusammenkneifen … Ohren steif halten … stur bleiben … Augen zu und durch - es lohnt sich!

Dieses Tagebuch ist in erster Linie zum Schmökern gedacht. Zum Plaudern kommt doch bitte in mein Wohnzimmer "Rauchen ist keine Option mehr!" :
http://www.rauchfrei-info.de/community/forum/?tx_mmforum_pi1%5Baction%5D=list_post&tx_mmforum_pi1%5Btid%5D=9417&tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=18

Liebe Grüße
Christine
Verfasst am: 07.02.2021 16:26
Bordeauxlover
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Liebe Christine,

das machst Du ganz super und großartig! Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Sonntag. Hier ist alles grau. Gefühlt deutschlandweit die einzige völlig schneelose Gegend.

Liebe Grüße
Armin rose.gifheart.png
Verfasst am: 07.02.2021 22:06
SmoSa
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Tag 0 meiner Nichtmehrraucher-Reise (17.06.2020)

Ich heiße Christine, bin Jahrgang 1963 und habe fast 40 Jahre meines Lebens geraucht. Mal mehr, mal weniger. In den letzten Jahren (seit ich nur noch draußen rauchte) durchschnittlich ca. 10 Zigaretten täglich - im Sommer mehr, im Winter weniger. Tendenz jedoch steigend.

Mit 15 auf einer Klassenfahrt das erste Mal geraucht und dann gelegentlich auf Partys. War halt "cool" damals. Mit 16 dann "richtig" angefangen. d.h. täglich und nicht mehr nur geschnorrte Zigaretten.
Mit 29 das Leben ziemlich umgekrempelt und dabei gleich auch mal mit dem Rauchen aufgehört. Fiel mir damals eigentlich leicht. Ein paar Wochen später in einen Raucher verliebt. Der Versuchung, mit ihm mitzurauchen, viele Monate widerstanden. Zunächst problemlos, aber dann wurde es anstrengend. Irgendwann der Versuchung erlegen. Wollte dann Gelegenheits-/Genussraucherin werden. Kaputtlachsmile.gif Dachte echt, das wäre problemlos möglich. icon_razz.gif Ziemlich naiv. icon_rolleyes.gif Kläglich gescheitert, würde ich sagen. icon_redface.gif Sehr schnell ist man wieder bei einer Schachtel täglich. banghead.gif

In den letzten Jahren immer wieder mal daran gedacht, endlich aufzuhören. Aber irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt.

In den letzten Monaten festgestellt, dass Raucherhusten und Kurzatmigkeit zunehmen und dass es jetzt wirklich höchste Zeit wäre, endlich aufzuhören. Verstärktes Nachdenken über den richtigen Zeitpunkt. "Vielleicht im Winter? Da rauche ich sowieso weniger und da fällt es mir dann bestimmt leichter. Also gut, dann höre ich in ein paar Monaten auf!" Typisch für jemanden, der an chronischer Aufschieberitis leidet. icon_rolleyes.gif Ich bin gut darin, Gründe zu (er)finden, warum ich etwas besser aufschieben sollte. icon_redface.gif

Letzte Woche dann mal der Gedanke, dass ich es doch einfach mal mit dem Aufhören versuchen könnte, sobald mein aktueller Zigaretten-Vorrat aufgebraucht ist. Aber sofort wieder Zweifel, ob der Zeitpunkt der richtige ist. Wo doch die Psyche schon ein bisschen gelitten hat durch die Corona-Einschränkungen.

Heute dann die plötzliche Eingebung, dass es nur einen "richtigen Zeitpunkt" zum Aufhören gibt, nämlich JETZT! Und wenn ein Aufschieberitisler "jetzt" denkt, dann sollte er sofort handeln, bevor wieder das übliche "morgen" daraus wird. Und so habe ich um 19.58 Uhr meine letzte Zigarette ausgedrückt.
Verfasst am: 07.02.2021 22:16
SmoSa
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Tag 1 meiner Nichtmehrraucher-Reise (18.06.2020)

Rauchfrei seit gestern Abend um 19.59 Uhr. Start in den ersten rauchfreien Morgen kann als gelungen bezeichnet werden. Kaffee wollte zwar nicht so recht schmecken ohne Zigarette, aber es fiel mir trotzdem gar nicht mal so schwer, nicht zu rauchen. Deshalb ziemlich euphorische Stimmung, was sich aber leider recht schnell änderte. Bereits im Laufe des Vormittags fingen Engelchen und Teufelchen an, auf mich einzureden bzw. miteinander zu diskutieren. Habe den ganzen Tag versucht, mich mit diversen Aktivitäten abzulenken, was aber nur bedingt klappte - die Diskussion der beiden flammte immer wieder auf.
Abends endlich Ruhe in meinem Kopf. Liegt wohl daran, dass mein Gehirn - frei nach Giovanni Trapattoni - "schwach wie eine Flasche leer" ist. Konzentrationsfähigkeit tendiert gegen Null. Ich bin einfach nur müde…
Verfasst am: 07.02.2021 22:24
SmoSa
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Tag 2 meiner Nichtmehrraucher-Reise (19.06.2020)

Ich bin jetzt seit gut 47 Stunden rauchfrei und mir geht es im Moment relativ gut. Zwar kämpfe ich auch heute mit ziemlichen Stimmungsschwankungen (mal hibbelig, mal müde/schlapp/antriebslos) und Konzentrationsproblemen, aber nicht mehr so extrem wie gestern. Die Kopfschmerzen haben sich im Laufe des Tages verflüchtigt und die Kreislaufprobleme sind nicht mehr so schlimm. (Ich muss definitiv mehr trinken!!!) Die Schmachter sind häufig und nervig, aber kontrollierbar.

Die Stimmung ist aktuell relativ gelassen und positiv. Das sah heute Morgen allerdings noch ganz anders aus, da war mir so richtig zum Heulen zumute. Ich war traurig und fühlte mich leer/frustriert/hilflos ohne "Ziggi" - ich hatte das Gefühl, eine Freundin verloren zu haben. Eine Freundin, die immer für mich da war. Die mich zuverlässig bei bestimmten Anlässen und Ritualen begleitete. Die mich in Stress-Situationen beruhigte. Die mir half, mich besser zu konzentrieren. Die mich motivierte, eine Aufgabe anzugehen und sich mit mir freute, wenn ich sie erledigt hatte. Wie sollte ich jetzt ohne diese Freundin klar kommen???
Natürlich ist meinem Verstand klar, dass das nicht wirklich eine Freundin war und dass sie es auch nicht gut mit mir meinte. Dass ich mich von ihr blenden und täuschen ließ. Dass es die richtige Entscheidung war, mich von ihr zu trennen. Weil man langfristig viel besser fährt ohne schlechte Freunde. Aber was hilft's, wenn dieses theoretische Wissen des Verstandes praktisch nicht im Gemüt ankommt??? icon_cry.gif

Mittlerweile konnte ich diese Traurigkeit abschütteln. Das Gassigehen mit meinem Hund und das Lesen etlicher Kommentare und Erfolgsgeschichten hier im Forum haben mir dabei geholfen, v.a. auch dieser Tipp von Lydia:

"rauchfrei-lotsin-lydia" schrieb:
(...) Nehmt diesen miesen Gangster, der Euch da überfallt, mal an. Sagt, ach Du schon wieder, na ja war ja klar. Und dann habt Ihr verschiedene Möglichkeiten. Ich hab diesen für mich sehr gern visualisiert: habe mir da einen häßlichen kleinen Gnom vorgstellt, der da auf meiner Schulter sitzt und mir mit so einer fiesen kleinen Stimme einreden will, daß es doch viel einfacher wäre, zu rauchen, daß ich es doch auch will und so weiter. Und dann stellte ich mir vor, wie ich diesen kleinen fiesen Troll wie einen Fussel von meiner Schulter schnippe und er mit lautem Gebrüll gegen die Küchenfront knallt und an dieser maulend runterrutscht. Das hat mich in dem Moment oft amüsiert, ich mußte grinsen, und allein der Vorgang des Lächelns löst ja schon eine Gefühlsberuhigung aus, wie man weiß. (...)

Vielen Dank dafür, liebe Lydia, dieser Tipp hat mich so richtig zum Lachen gebracht. icon_lol.gif Und er hilft mir sowohl bei Stimmungstiefs als auch bei Schmacht-Attacken. Was bei mir außerdem erstaunlich gut gegen die Schmachter hilft, ist der Strohhalm. Ich hätte nicht gedacht, dass sich mein Gehirn durch tiefes Inhalieren von Luft durch einen Strohhalm überlisten lässt. Riesengrinser.gif
Verfasst am: 07.02.2021 22:33
SmoSa
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Tag 3 meiner Nichtmehrraucher-Reise (20.06.2020)

Mir geht es auch heute relativ gut. Die körperlichen Entzugserscheinungen scheinen bereits nachzulassen und sind deshalb gut auszuhalten. Die psychischen Entzugserscheinungen sind da schon eine ganz andere Hausnummer. Irgendwie kreisen meine Gedanken fast ständig ums Rauchen - oft sehr massiv und aufdringlich, meistens eher unterbewusst. Gefühlt mindestens 1000 Mal habe ich heute "So, jetzt rauche ich noch eine und dann … ach nee, ich rauche ja nicht mehr" gedacht. banghead.gif
Ich versuche, mich so gut es geht abzulenken. Am besten funktioniert das mit Bewegung an der frischen Luft und mit Schmökern/Schreiben hier im Forum. Außerdem habe ich mir ein paar Spiele-Apps heruntergeladen - da sind Hände UND Geist beschäftigt. Bei ganz schlimmen Schmacht-Attacken gibt’s eine Strohhalm-Zigarette.

Leider vermisse ich "Ziggi" wirklich sehr. Und das ist nicht gut. Ich habe Angst, dass ich es nicht auf Dauer schaffe, wenn ich dieses "Nachtrauern" nicht abstelle. Ich muss mir alle Nachteile des Rauchens und alle Vorteile des Nichtmehrrauchens vor Augen halten, aber das ist gar nicht so einfach. icon_rolleyes.gif Mir fällt es einfach schwer, das Positive zu sehen, weil diese Leere ... das Gefühl, etwas verloren zu haben ... dieses wehmütige "Ach, wie gerne würde ich jetzt eine rauchen"-Gefühl sehr dominant sind. Aber ich denke bzw. hoffe, dass die positiven Aspekte automatisch in den Vordergrund rücken, sobald ich entsprechende Besserungen wahrnehmen kann.

Eines Tages werde ich meine rauchenden Freunde bedauern, wenn sie draußen in der Kälte stehen um ihre Sucht zu befriedigen ... oder im Kino krampfhaft versuchen, einen Hustenanfall zu unterdrücken ... oder schimpfen, weil die Zigaretten schon wieder teurer geworden sind. Dann werde ich denken: "Wie schön, dass ich nicht mehr rauchen muss!" icon_biggrin.gif

Aber bis dahin ist wohl noch ein weiter Weg. Im Vergleich zu meinem ersten Aufhör-Versuch (mit 29) fällt es mir diesmal deutlich schwerer - auch wenn man das eigentlich nach 3 Tagen noch nicht wirklich beurteilen kann. Leider bin ich psychisch nicht mehr so stabil wie damals. Dafür bin ich aber nicht mehr so blauäugig wie damals - jetzt weiß ich, dass das mit dem Gelegenheits-/Genuss-Rauchen nicht funktioniert und dass ich wirklich konsequent sein muss. Und ich habe keinen Mitbewohner mehr, der mir was vorraucht. Und auch im Umfeld rauchen nicht mehr viele. Und eigentlich habe ich mich doch in den letzten Jahren oft richtiggehend geschämt, immer noch zu rauchen. Wenn ich noch länger nachdenke, fällt mir bestimmt noch mehr ein, was das Aufhören leichter machen sollte als damals. Also ganz klar: Ich schaffe das!!! icon_biggrin.gif icon_cool.gif gefuehle_smilie_0236.gif

Auch wenn mir ein bisschen mulmig ist, bin ich insgesamt doch recht positiv gestimmt. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich dieses Forum gefunden habe. Die mentale Unterstützung, die man sich hier holen kann, halte ich für extrem wichtig.
Verfasst am: 08.02.2021 09:28
SmoSa
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Tag 4 meiner Nichtmehrraucher-Reise (21.06.2020)

Auch heute geht es mir relativ gut. Oder auch relativ schlecht. Relativ ist ja ziemlich relativ und es kommt darauf an, wozu man etwas in Relation setzt. Ganz nüchtern betrachtet geht es mir nicht gut: ich habe seit Tagen kaum Antrieb, bekomme meinen Kreislauf nicht richtig in Schwung, ich habe schlecht geschlafen, die Kopfschmerzen sind zurück, ich kann mich nach wie vor sehr schlecht konzentrieren und ich bin ziemlich genervt, weil meine Gedanken so oft und so intensiv ums Rauchen bzw. Nichtmehrrauchen kreisen und ich mir jeden Tag gefühlt mindestens 1000x wünsche, jetzt eine zu rauchen. banghead.gif
Ich betrachte das aber nicht als "Kampf" sondern eher als "Aussitzenmüssen" und ich sehe im Moment keine konkrete Rückfall- oder Ausrutscher-Gefährdung. Außerdem gab es in den letzten Jahren etliche Tage, an denen ich z.B. noch viel weniger Antrieb hatte oder von Migräne gequält wurde. So gesehen geht es mir relativ gut. Wenn ich meinen jetzigen Zustand aber damit vergleiche, wie ich mich in der Woche vor meinem Rauchausstieg gefühlt habe, dann geht es mir jetzt relativ schlecht.

So ... alle Klarheiten beseitigt? icon_wink.gif Ehrlich gesagt weiß ich jetzt gerade selbst nicht mehr so recht, wie es mir geht... icon_lol.gif

Keine Ahnung, warum ich heute so ungeduldig und quengelig bin. Das mit dem fehlenden Antrieb kenne ich - aus Gründen, die nichts mit dem Rauchausstieg zu tun haben - in wesentlich schlimmerer Form; sollte kein Problem für mich sein, das auszusitzen. Mein Kreislauf würde sicherlich runder im Kreis laufen, wenn ich mehr trinken würde. (Da schenke ich mir doch gleich mal ein Glas Wasser ein - PROST!) Schlecht geschlafen habe ich schon sehr oft in den letzten Jahren, das ist jetzt echt nichts, was ich auf den Entzug schieben kann. Wenn ich die Kopfschmerzen mit meinen früheren Migräneanfällen vergleiche, dann sind die doch echt ein Klacks! Die Konzentrationsprobleme sind zwar lästig, aber richtig schlimm wären sie nur, wenn ich arbeiten müsste; kann höchstens sein, dass ich hier im Forum unverständlichen Quatsch schreibe. icon_wink.gif Also unterm Strich doch eigentlich alles nicht so schlimm, oder? Bleiben nur noch die Schmacht-Attacken, die mich halt trotz Ablenkung und Gegensteuern leider sehr häufig treffen. Ich kann jede einzelne gut aushalten, aber in der Masse zermürbt das halt schon irgendwie. Aber auch die Schmachter sehe ich jetzt einfach mal positiv, schließlich haben sie mich bis jetzt nicht einmal in die Nähe eines Ausrutschers/Rückfalls gebracht. Das könnte allerdings anders aussehen, wenn ich Zigaretten zuhause hätte... icon_rolleyes.gificon_redface.gif

Wie ihr seht, geht es mir gerade nicht so gut ... bin echt ziemlich frustriert … aber ich lasse mich nicht unterkriegen!!! Morgen sieht die Welt bestimmt schon ganz anders aus! icon_smile.gif Und bis dahin ... rauche ich einfach nicht. icon_lol.gif
Verfasst am: 08.02.2021 09:37
SmoSa
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Tag 5 meiner Nichtmehrraucher-Reise (22.06.2020)

Kaffee trinken verursacht nach wie vor Schmacht. Aber eigentlich gar nicht mal so schlimm wie befürchtet und echt gut auszuhalten … so lange ich ihn in der Wohnung trinke und nicht - wie bis vor ein paar Tagen üblich - auf der Terrasse. Kaffee auf der Terrasse trinken verursacht Schmacht vom Allerfeinsten und das ist nur schwer auszuhalten. Gleiches gilt allerdings auch, wenn ich mich ohne Kaffee auf die Terrasse setze. Der Kaffee ist also nicht wirklich ein Problem, wohl aber die Terrasse. Weil die Terrasse halt extrem mit dem Rauchen verknüpft ist. Wenn ich mich auf die Terrasse setze, greift meine Hand seit vielen Jahren ganz automatisch zur Zigarettenschachtel. Und dieser Automatismus sitzt tief. Sehr tief. Extrem tief. Jedes Mal, wenn ich mich hinsetze, will meine Hand nach der - nicht mehr vorhandenen - Schachtel greifen. JEDES MAL. Und sofort ist der Schmachter da. Ich habe alle Tipps ausprobiert, wie man diese Verknüpfung lösen kann. Bereich umgestalten … hilft nix. Auf einen anderen Platz setzen … hilft nix. Mich mit dem Tablet oder einem Buch ablenken …. hilft nix. Momentan meide ich die Terrasse weitgehend, aber das ist natürlich keine Dauerlösung. Ich hoffe einfach mal, dass sich diese Verknüpfung irgendwann mal von alleine auflöst.

Wie gesagt triggert mich Kaffee gar nicht so stark wie angenommen. Aber er schmeckt mir immer noch nicht ohne Zigarette. Jetzt könnte ich natürlich auf Tee umsteigen, möchte ich aber nicht. Also trinke ich meinen Kaffee ganz bewusst und versuche herauszuschmecken, was mich eigentlich daran stört. Und jeden Tag verändere ich jetzt irgendwas an den Einstellungen meiner Kaffeemaschine und trinke meinen Kaffee dann wieder ganz bewusst - so lange, bis er mir wieder schmeckt. Damit werde ich noch einige Zeit gut beschäftigt sein. Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, dass ich entweder Milchkaffee trinke oder doch auf Tee umsteige. icon_lol.gif

Habe mir heute darüber Gedanken gemacht, wie man seine Hände bei Schmacht-Attacken sinnvoll icon_wink.gif Kaputtlachsmile.gif beschäftigen kann: Lametta bügeln. Und nach dem Bügeln dann prüfen, ob alle Fäden exakt die gleiche Größe haben. Also ran an Lineal, Stift und Schere. Sobald alle Fäden die gleiche Länge haben, wird der Schwierigkeitsgrad gesteigert und man macht das Gleiche mit der Breite. Zum Schluss kommt die Königsklasse: Sind alle Fäden gleich dick? Wenn das alles geschafft ist, sind die Fäden natürlich wieder verknittert und man muss sie wieder bügeln. Leider verzieht sich Lametta gerne beim Bügeln, deshalb muss man danach natürlich wieder messen und zuschneiden...
Eine echte Sisyphusarbeit, an der man sehr lange seine Freude hat! Riesengrinser.gif

Sorry, bin ein bisschen albern heute. icon_redface.gif icon_lol.gif

Und jetzt Schluss mit meinem wirren bzw. verwirrten Gequassel. Meine Konzentrationsfähigkeit lässt leider immer noch zu wünschen übrig. Aber sonst geht es mir besser als gestern. Gut geschlafen … Kopfschmerzen weg … Kreislauf besser … und endlich wieder Antrieb! Außerdem hat sich die Zahl der Schmacht-Attacken im Vergleich zu gestern halbiert, d.h. ich hatte statt 1000x nur noch 500x den Wunsch, eine zu rauchen. (Habe ich "nur" gesagt??? icon_rolleyes.gif ... icon_lol.gif) Und es kam mir sogar mal der Gedanke, dass es doch echt schön ist, nicht mehr rauchen zu müssen.

Heute war definitiv der beste Tag seit meinem Rauch-Ausstieg!
Verfasst am: 08.02.2021 09:42
SmoSa
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Tag 6 meiner Nichtmehrraucher-Reise (23.06.2020)

Gestern war so ein guter Tag … und heute bin ich wieder total frustriert. Ich bekomme mein Belohnungssystem einfach nicht umgestellt. Mit konkreten Triggern (z.B. zum Kaffee oder nach dem Essen) kann ich gut umgehen und ich kann auch ohne Zigarette entspannen, aber hinsichtlich Motivation ("Jetzt rauche ich noch eine und dann..." ) und Belohnung ("Diese Zigarette habe ich mir jetzt echt verdient" ) komme ich einfach nicht weiter. "Jetzt lutsche ich noch einen dieser leckeren Bonbons und dann..." oder "Dieses Eis habe ich mir jetzt echt verdient" ... irgendwie funktioniert das alles nicht. icon_cry.gif

Vielleicht bin ich einfach zu ungeduldig, ist ja erst Tag 6. Das Ausstiegsprogramm hat mich heute mit "Sie können stolz auf sich sein!" begrüßt und das sollte ich wohl sein. Schließlich habe ich schon volle 5 Tage nicht geraucht und das ist ja wohl eine Leistung, auf die man tatsächlich stolz sein kann. Aber statt stolz bin ich eher ängstlich. Ängstlich, dass irgendwann eine Situation kommt, in der ich nicht widerstehen kann. Ich hatte seit meinem Ausstieg noch keinen Kontakt mit Rauchern und ich war auch noch nicht einkaufen. Kann ich der Versuchung widerstehen, wenn neben mir einer raucht bzw. wenn ich an der Supermarkt-Kasse direkt neben den Zigaretten stehe? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht... icon_rolleyes.gif icon_redface.gif Andererseits: Bei uns in der Siedlung hängt ein Zigarettenautomat ... nur etwa 100 m von meinem Haus entfernt ... da könnte ich mir problemlos eine Schachtel ziehen. Aber ich habe es trotz unzähliger Schmacht-Attacken nicht getan. Also bin ich jetzt einfach mal stolz auf mich! icon_biggrin.gif Und auch heute werde ich nicht rauchen!!! icon_biggrin.gif

Ich habe den Tipp gelesen, den Rauchausstieg nicht langfristig anzulegen, sondern den Weg in sehr kleinen Schritten zu gehen: "HEUTE rauche ich nicht!" Vielleicht kann mir diese Denkweise den Druck und die Angst vor einem Rückfall nehmen. Versuch macht klug.

Ich hoffe, dass sich das mit den Konzentrationsproblemen bald bessert, denn das macht mir echt ziemlich zu schaffen. Heute im Chat ratterten die Kommentare nur so durch und ich fühlte mich so überfordert, dass ich schon nach ein paar Minuten wieder raus bin. Hier im Forum brauche ich für einen kurzen Kommentar mehrere Minuten und für einen langen Kommentar ... fragt lieber nicht. icon_rolleyes.gif Außerdem fällt es mir mit wachsender Besucherzahl zunehmend schwer, in meinem Wohnzimmer Ordnung zu halten. Ich habe bisher immer hier auf die Kommentare geantwortet, weil ich die Zusammenhänge erhalten wollte. Damit der Besucher (m/w/d - political correctness icon_lol.gif) meine Antwort nicht verpasst, habe ich zusätzlich im dortigen Wohnzimmer einen Kommentar abgesetzt. Nach dem Motto: Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht? Damit habe ich die Lebenszeit, die ich mir durch das Nichtrauchen schwer erkämpft habe, doppelt und dreifach wieder verprasst.icon_wink.gif Also nieder mit dem Perfektionismus! Keine Macht dem Ordnungs- und Kontrollzwang! Schluss mit doppelt gemoppelt. Künftig verzichte ich auf Zusammenhang und mache lieber fremde Wohnzimmer unsicher. Wer mich hier besucht, kann anschließend also gleich mal in seinem eigenen Wohnzimmer seinen bequemsten Sessel, kühle Getränke und Knabberzeugs für mich bereitstellen, weil mit baldigem und quasselreichem Gegenbesuch meinerseits zu rechnen ist. icon_biggrin.gif

So, genug für heute! Konzentration befindet sich nämlich mittlerweile im 3. UG und bevor meine Gedankengänge noch wirrer werden, gehe ich lieber ins Bett. icon_wink.gif

PS: Ich bin stolz auf mich, weil ich auch heute nicht geraucht habe! icon_biggrin.gif
Verfasst am: 08.02.2021 17:22
SmoSa
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Tag 7 meiner Nichtmehrraucher-Reise (24.06.2020)

Der körperliche Entzug ist noch nicht durch. Mein größtes Problem ist immer noch die mangelnde Konzentration, mein Kreislauf ist noch nicht stabil und ich habe immer wieder mal Kopfschmerzen. Vielleicht trinke ich aber auch einfach zu wenig.
Aber ansonsten geht es mir eigentlich recht gut. Ich habe ja endlich wieder Antrieb und deshalb nicht mehr so viel Zeit, ans Rauchen zu denken. icon_wink.gif Die Schmacht-Attacken kommen trotzdem noch sehr oft, sind aber gut auszuhalten.

Leider tue ich mich schwer, die Vorteile des Nichtmehrrauchens zu sehen. Was hat sich denn schon verbessert, seit ich nicht mehr rauche? Nix! icon_cry.gif Von anderen lese ich, dass sie schon nach wenigen Tagen besser Luft bekommen oder besser riechen und schmecken. Bei mir nichts dergleichen. Aber ich sage mir jetzt einfach, dass ich mich auf die Verbesserungen freue, auch wenn ich sie noch nicht sehe/spüre. Aber ich weiß einfach, dass sie kommen werden und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. icon_wink.gif
Verfasst am: 08.02.2021 17:30
SmoSa
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Tag 8 meiner Nichtmehrraucher-Reise (25.06.2020)

Die erste rauchfreie Woche ist geschafft. Das war eine lange Woche. Eine seeeeeehr lange Woche. Eigentlich vergeht die Zeit ja immer schneller, je älter man wird. Aber diese Woche war wohl die gefühlt längste seit vielen Jahren. icon_lol.gif

Mein Start in den Tag war leider sehr schlecht. Ich wachte total gerädert auf (obwohl ich gut und ausreichend geschlafen hatte) und hatte Null Antrieb. Ich hatte den ganzen Vormittag Watte im Kopf und das einzige, was ich klar (und leider fast ununterbrochen) denken konnte: "Ich will rauchen!" banghead.gif Ich schaffte es einfach nicht, mich abzulenken oder zu motivieren und auch frische Luft half nicht.
Ich habe dann einen Jammer-Post im Junizug abgesetzt und glücklicherweise sind mir die liebe Claudi und RFLin Heike schnell zu Hilfe geeilt. Mit dieser moralischen Unterstützung ging es mir gleich ein bisschen besser und das hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig dieses Forum (für mich) ist. Kurz darauf kam die Sonne raus (nachdem es vorher den ganzen Tag bedeckt und regnerisch gewesen war) und es ging mir gleich noch ein bisschen besser. Als ich dann mit dem Hund raus bin, hat mich seine Freude (die immer zu sehen ist, wenn wir Gassi gehen) zum Lächeln gebracht und ich habe mich gefreut, dass er sich freut - und wieder ging es mir ein bisschen besser. Wir haben dann im Wald einen Hundekumpel getroffen: Ein junger Doggen-Rüde, über den ich mich immer sehr amüsiere, weil er sich gerne als "halbstarker" Rowdy gibt, aber im Grunde seines Herzens ein gutmütiges Schaf ist. Auf dem Nachhauseweg habe ich tief eingeatmet und die Sonnenstrahlen aufgesaugt ... und gemerkt, dass ich mich wieder richtig gut fühle. icon_biggrin.gif

Ich hatte also einen Jubiläumstag, der zunächst sehr unangenehm war, dann aber doch ein versöhnliches Ende fand. Eigentlich wollte ich mich mit Eis und Blumen für eine Woche Rauchfreiheit belohnen, konnte mich aber nicht zum Einkaufen aufraffen. Ersatzweise bekam dann meine Fellnase eine Belohnung. Einen extra-großen Kauartikel, den es nur alle paar Wochen mal gibt. Weil er eine Woche lang so tapfer und klaglos meine Launen ertragen hat. Riesengrinser.gif Er hat sich natürlich gefreut über diesen Snack. Und wenn er sich freut, freue ich mich automatisch mit. icon_biggrin.gif
Verfasst am: 09.02.2021 08:20
SmoSa
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Tag 9 meiner Nichtmehrraucher-Reise (26.06.2020)

Der gestrige Tag hängt mir emotional immer noch nach, weil mir der Schmacht über mehrere Stunden wirklich massiv zugesetzt hat. Wenn ich in dieser Phase in irgendeiner Jacken- oder Handtasche Zigaretten gefunden hätte ... oder wenn meine rauchende Freundin auf der Matte gestanden hätte ... ich bin mir nicht sicher, ob ich der Versuchung hätte widerstehen können… icon_eek.gif
Glücklicherweise ist ja alles gut ausgegangen und ich möchte mich nochmal bei Claudi und Heike für die moralische Unterstützung bedanken. Ich wollte gestern Abend im Junizug noch "Entwarnung" posten und habe einen ellenlangen Kommentar geschrieben. Leider ist beim Senden meine Internetverbindung abgeschmiert und weil ich nicht zwischengespeichert hatte, war der Kommentar weg. Das hat mich natürlich geärgert/frustriert und normalerweise wäre ich da gleich mal eine rauchen gegangen. Aber was hätte mir das gebracht? Nichts! Kommentar und Internet wären immer noch weg gewesen und mein Frust wäre immer noch da gewesen. Der Frust hat sich nach ein paar Minuten gelegt ... heute habe ich wieder Internet ... und ich kann wieder Freud und Leid mit dem Forum teilen - und das alles ohne Glimmstängel! icon_biggrin.gif

Wieder eine Erfahrung gesammelt mit dem gestrigen Tag: Frust kommt ... Frust geht ... auch wenn er sehr massiv ist. Ich weiß, dass dieser Frust noch öfter kommen wird ... aber ich weiß auch, dass er wieder gehen wird ... ohne dass ich dafür eine rauchen muss. Ich habe gestern nicht geraucht und ich werde auch heute nicht rauchen! icon_biggrin.gif

Wie es aussieht, schmollt Quälobert (vollständiger Name: Quälobert von und zu Schreckenstein, Beruf: Nikotinmonster) heute. Er hat nur ein paar Mal ganz kurz reingeschaut und ist jedesmal ganz schnell wieder verschwunden. Hat ihn scheinbar tief in seiner Ehre gekränkt, dass er mich gestern nicht zum Rauchen gebracht hat. Ich weiß, dass er es wieder (und noch sehr oft) versuchen wird, mich zu verführen. Wahrscheinlich wird er sich dann noch mehr ins Zeug legen. Vielleicht schon morgen. Aber heute gibt er Ruhe und da will mich wohl das Leben (oder der Schutzpatron der Nichtmehrrauchenden ... oder wer oder was auch immer) dafür belohnen, dass ich gestern durchgehalten habe. icon_biggrin.gif

Ich habe heute doch tatsächlich - zum allerersten Mal seit meinem Ausstieg - nicht "So, jetzt rauche ich noch eine und dann..." gedacht, sondern "So, jetzt trinke ich noch einen Kaffee und dann...". Cool, oder? icon_cool.gif icon_lol.gif Ganz sicher noch nicht der Durchbruch, aber wieder ein sehr schönes Mosaiksteinchen. icon_biggrin.gif

PS: Heute rauche ich nicht! icon_biggrin.gif
PPS: Pssst ... Quälobert ... falls du heimlich mitliest: Schönen Feierabend! icon_cool.gif
Verfasst am: 09.02.2021 08:24
SmoSa
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Tag 10 meiner Nichtmehrraucher-Reise (27.06.2020)

Quälobert is back! Nicht mit dem Holzhammer ... nein ... er hat sich eine neue Strategie ausgedacht ... sehr subtil ... sehr perfide. Er hat sich vergangene Nacht in meine Träume geschlichen, mich einer Art Gehirnwäsche unterzogen und sich in meinem Unterbewusstsein festgekrallt. Ich kann ihn nicht sehen und ihn auch nicht wirklich spüren, aber ich fühle, dass er hier ist. Mir geht es oberflächlich betrachtet gut - körperliche Beschwerden sind kaum noch vorhanden und ich habe auch kaum nennenswerte Schmacht-Attacken. Aber unterschwellig habe ich Angst. Nicht davor, heute oder morgen zur Zigarette zu greifen. Ich habe Angst, nie wieder unbeschwert sein zu können.

Mein größtes Problem ist vermutlich, dass ich das Gefühl habe, etwas verloren zu haben. (Ich habe das ganz am Anfang bereits angesprochen.) Dass ich eine gewisse Leere empfinde. Dem Rauchen nachtrauere. Ich weiß, dass ich das abstellen muss. Dass ich mir klar machen muss, was ich alles gewonnen habe bzw. gewinnen werde durch das Nichtmehrrauchen. Dass ich die Leere mit vielen Dingen füllen kann. Dass ich froh sein kann, nicht mehr rauchen zu müssen. Aber ich tue mich schwer damit. Und das nutzt Quälobert schamlos aus. Er hat Zweifel gesät und diese Zweifel beschäftigen mich heute schon den ganzen Tag. Ich weiß, dass ich es schaffen kann, nicht mehr zu rauchen ... für einen längeren Zeitraum, wahrscheinlich sogar für sehr lange Zeit und vielleicht sogar für immer. Aber ich zweifle, ob mich das glücklich machen wird. Werde ich jemals aufhören können, dem Rauchen nachzutrauern? Werde ich es immer irgendwie vermissen und eine gewisse Leere und Wehmut empfinden? Werde ich mein Leben lang daran denken, wie schön es wäre, jetzt eine Zigarette zu rauchen?
Diese Gedankengänge verunsichern mich total! Ich frage mich jetzt sogar schon, ob ich wirklich aufhören WILL oder ob ich nur das Gefühl habe, aus gesundheitlichen Gründen aufhören zu MÜSSEN.

Ich habe heute schon zahlreiche Erfolgsgeschichten und Wohnzimmer durchstöbert, weil ich wissen wollte, ob andere auch von ähnlichen Ängsten und Zweifeln geplagt werden oder wurden. Dabei bin ich auf einen Kommentar gestoßen, der mir wieder ein bisschen Mut gemacht hat:

"rauchfrei-lotsin-lydia" schrieb:

Kannst Du Dir wohl grad nicht vorstellen, daß das Leben ohne Fluppe sich mal normal anfühlen könnte? Daß aus dem "Ausnahmezustand" des Aufhörens mal ein Normalzustand des Nichtmehrrauchens wird? Hast Du Befürchtungen, daß Dir die Sucht jeden Tag, jede Stunde präsent sein wird und Du Dich ewig dagegen anstemmen mußt? Ewig damit auseinandersetzen?

Mußt Du nicht.

In den elf Jahren, die ich es geschafft habe, nicht zu rauchen, hab ich auch nicht permanent gekämpft, ans Rauchen gedacht, den Stengel verteufelt und ständig einen präsenten Gegner bekämpft. Was ich heute weiß ist, daß wir immer aufpassen müssen, daß uns nicht einer dieser schwachen Momente (Momente! es sind nur Momente!) erwischt und daß wir uns niemals einbilden dürfen, eine ginge schon.

Aber (...) es bleibt kein Kampf, es bleibt nicht dauerpräsent.


Das gibt mir wieder ein bisschen Zuversicht. Aber ich könnte gut noch mehr davon vertragen. Vielleicht findet ja jemand den Weg in mein Wohnzimmer, der ähnliche Gedankengänge/Ängste/Zweifel hatte und berichten kann, wie sich das entwickelt hat.
Verfasst am: 09.02.2021 08:27
SmoSa
Themenersteller
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Tag 11 meiner Nichtmehrraucher-Reise (28.06.2020)

Ich habe nach meinem gestrigen Eintrag sehr liebe, aufmunternde und motivierende Kommentare und Tipps erhalten - vielen Dank dafür!

Erkenntnis: Ich bin zu ungeduldig! icon_redface.gif Ich muss mich echt bemühen, geduldiger mit mir und meinem Quälobert zu sein.

Eigentlich bin ich ja ein geduldiger Mensch - keine Ahnung, warum ich beim Nichtmehrrauchen so ungeduldig bin. Es ist doch völlig logisch, dass man nicht innerhalb von ein paar Tagen neutralisieren kann, was man sich 40 Jahre lang eingetrichtert hat.
Ich habe hier schon so viele Informationen und Tipps erhalten, dass ich eigentlich wissen müsste, was alles auf mich zukommen kann und wie ich damit umgehen muss. Aber diese extremen Stimmungsschwankungen und die Watte im Kopf verhindern bei mir einfach immer wieder, dass mein theoretisches Wissen zu meinen wirren Gedankengängen durchdringen kann. Aber es wird besser mit Stimmung und Watte. Das merke ich ja schon - zumindest an manchen Tagen... icon_wink.gif icon_lol.gif

Ich bin echt froh, dass ich dieses Forum gefunden habe. Mit meinem Willen und der Unterstützung durch andere Nichtmehrraucher*innen kann ich es schaffen! Und ich werde es auch schaffen! Jawoll!!! icon_biggrin.gif
Verfasst am: 09.02.2021 09:52
SmoSa
Themenersteller
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Tag 12 meiner Nichtmehrraucher-Reise (29.06.2020)

Die extremen Stimmungsschwankungen, die ich zuletzt hatte, haben mir ordentlich zu schaffen gemacht. Gestern ging es mir allerdings gut und auch heute geht es mir gut. Sich endlich mal wieder zwei Tage am Stück wohl zu fühlen, das tut echt gut und macht den Kopf frei. Also ein guter Tag für ein Zwischenfazit.

Wenn ich gefragt werde, was sich verbessert hat, seit ich nicht mehr rauche, dann kann ich eigentlich nur sagen: NICHTS! icon_frown.gif Zwar lassen die Entzugserscheinungen jetzt langsam nach, aber im Vergleich zu der Zeit, als ich noch Raucherin war, geht es mir heute - sowohl physisch als auch psychisch - schlechter. Das ist jetzt kein Ausdruck von Frust o.ä. und ich spiele auch nicht mit dem Gedanken, deshalb hinzuwerfen. Es ist einfach nur Fakt, dass ich mich vor 2 Wochen besser gefühlt habe als heute. Aber mein Verstand sagt mir, dass die ganzen Verbesserungen, von denen hier täglich von vielen Nichtmehrrauchern berichtet wird, auch bei mir noch kommen werden. Ich habe ja schon gesagt, dass ich nicht mehr so ungeduldig sein will mit mir und meinem Quälobert. Deshalb warte ich jetzt einfach mal geduldig und frohgemut ab und freue mich auf die ganzen Vorteile, mit denen im Laufe der nächsten Tage oder Wochen oder Monate zu rechnen ist. icon_biggrin.gif

Wenn man seine Rauchgewohnheiten analysiert, lernt man sich selbst wieder besser kennen und man erkennt mehrere Verhaltens- und Gedankenmuster, die nicht nur für den Rauchausstieg hinderlich sind, sondern mit denen man sich auch ganz allgemein das Leben selbst schwer macht. Ich habe z.B. eine relativ pessimistische Grundeinstellung - ich sehe das Glas eher halbleer als halbvoll. Außerdem tendiere ich dazu, meine Ziele zu hoch zu stecken. Damit setze ich mich nicht nur unter Druck, sondern ich sorge sogar dafür, dass ich oft von vornherein keine Chance habe, mein Ziel zu erreichen. Das frustriert und demotiviert. Außerdem nehme ich mir oft zu viel auf einmal vor und verzettle mich dann heillos. Beim Nichtmehrrauchen achte ich darauf, diese Stolpersteine zu umgehen, indem ich mir z.B. jeden Tag "HEUTE rauche ich nicht" vornehme (und das jeden Tag aufs Neue) oder indem ich mir immer wieder sage, dass ich SCHON soundsoviele Tage geschafft habe (statt ERST soundsoviele Tage). Das hilft. Und wenn es beim Nichtmehrrauchen hilft, dann kann es doch auch in anderen Bereichen sinnvoll und hilfreich sein, ein bisschen an seinem eigenen Verhalten, seiner Einstellung und seiner Sichtweise zu schrauben. Und dann hört man vielleicht nicht nur mit dem Rauchen auf, sondern macht sich insgesamt das Leben schöner und leichter. Klingt pathetisch, ist aber doch so, oder? icon_cool.gif icon_wink.gif

Ich lese hier jeden Tag viele Sachen, die mich inspirieren und motivieren und mir oft auch einen anderen Blickwinkel aufzeigen. Immer wieder lese ich Kommentare oder Sätze, bei denen es richtiggehend "Klick" macht. So habe ich z.B. Quälobert als das Nikotinmonster gesehen, das sich vor langer Zeit bei mir eingenistet hat und das ich jetzt wieder loswerden möchte. Dann kam Paul um die Ecke mit der These, dass Quälobert ein Teil von mir ist, den ich nicht rausschmeißen kann, sondern dem ich klar machen muss, dass seine Zeit vorbei ist. Darüber habe ich sehr lange nachgedacht und bin zu dem Ergebnis gekommen: Da ist was dran! Vor allem den Satz "Quälobert (...) hat selber nur Angst vor Veränderungen" fand ich klasse! Mit dieser Sichtweise fällt es mir irgendwie leichter, dem Rauchen nicht mehr so nachzutrauern, weil ich jetzt nicht mehr so das Gefühl habe, etwas verloren zu haben. Menschen verändern sich ... ich verändere mich ... Rauchen passt einfach nicht mehr zu meinem Leben ... und Quälobert wird irgendwann aufhören mit der Motzerei und sich damit abfinden, dass er nicht mehr zum Zug kommt.
Schwer begeistert hat mich auch, was Lesirma heute - mitten in der Nacht - geschrieben hat: "Wir machen weiter. Heute rauchen wir nicht. Warum sollten wir auch?" Diese ganzen Gründe, warum wir rauchen (wollen), verpuffen ja beim genauen Hinsehen und wir erkennen, dass es eigentlich keinen einzigen plausiblen Grund fürs Rauchen gibt, sondern nur sehr viele Gründe, endlich damit aufzuhören. Also warum sollten wir rauchen? Ich habe diese Satzfolge jetzt - mit Lesirmas Erlaubnis - zu meinem neuen Mantra erklärt. icon_biggrin.gif
Das waren jetzt nur zwei Beispiele, es gab noch viele weitere Kommentare, die mir sehr geholfen haben. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle mal ganz herzlich bedanken bei allen, die mich hier Tag für Tag unterstützen und motivieren.
Verfasst am: 09.02.2021 09:55
SmoSa
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Tag 13 meiner Nichtmehrraucher-Reise (30.06.2020)

Erster Kontakt mit einem Raucher und es hat mir so gut wie nichts ausgemacht. Was aber vermutlich (oder höchstwahrscheinlich) daran lag, dass das beim Gassigehen passierte. Da habe ich auch früher nie Zigaretten mitgenommen, sondern einfach nur die Natur und die frische Luft genossen. Es gibt also keine Verknüpfung zwischen Gassigehen und Rauchen und vermutlich hat es mir deshalb so wenig ausgemacht. Gesellige Runden sind da vermutlich eine ganz andere Hausnummer. Aber wegen dieser doofen "Corinna" gibt es die ja momentan nicht.

Noch nicht mal 2 Wochen hier angemeldet und schon über 80 Beiträge - voll die Quasselstrippe! icon_redface.gif Man wird mir vermutlich den Titel "Quasselstrippe des Monats" verleihen. icon_lol.gif Aber es ist halt so, dass mir das Forum sehr hilft und dass ich deshalb momentan viel Zeit hier verbringe ... viel lese ... und auch viel schreibe. Jeder muss einfach für sich herausfinden, was ihm persönlich am besten dabei hilft, nicht an diese blöden Glimmstängel zu denken.
Verfasst am: 09.02.2021 14:23
SmoSa
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Tag 14 meiner Nichtmehrraucher-Reise (01.07.2020)

Bei meinem ersten Rauchstopp im Jahr 1992 hatte ich schon im Vorfeld jedem, der es hören wollte (oder auch nicht icon_lol.gif), erzählt dass ich mit dem Rauchen aufhören werde. Das war für mich eine zusätzliche Motivation (bzw. ein Druckmittel), weil ich mir keinesfalls die Blöße geben wollte, es nicht geschafft zu haben. Diesmal habe ich so kurzentschlossen aufgehört, dass ich den Rauchstopp nicht ankündigen konnte. Aber mittlerweile habe ich schon ein paar Leuten erzählt, dass ich nicht mehr rauche und auch, dass ich ordentlich zu kämpfen habe. Die zwei Gespräche mit flüchtigen Bekannten, die ich beim Gassigehen getroffen habe (ein Raucher und ein ehemaliger Raucher), haben zwar gut getan, aber die Gespräche im Freundeskreis und mit Nachbarn waren eher ernüchternd. Ein kurzes "Super!" und "Du schaffst das schon!" ... und dann Themenwechsel. Umso mehr freue ich mich, hier im Forum so viel Unterstützung zu erhalten.

Ein Gespräch mit einem rauchenden Nachbarn hat mich allerdings eher amüsiert als ernüchtert. Seine Antwort auf meine Schmacht-Schilderung war nämlich "Selber schuld!" und da musste ich innerlich echt grinsen: Auch so einer, der sich in die eigene Tasche lügt... icon_lol.gif
Verfasst am: 09.02.2021 14:40
SmoSa
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Tag 15 meiner Nichtmehrraucher-Reise (02.07.2020)

Zwei rauchfreie Wochen sind geschafft. Es waren zwei harte Wochen, die mir wesentlich länger vorgekommen sind als 2 Wochen … eher so wie 2 Monate. So langsam wie in diesen 2 Wochen ist die Zeit schon lange nicht mehr vergangen. Ich bin froh und auch stolz, sie rauchfrei überstanden zu haben. Ich weiß, dass ich noch lange nicht über den Berg bin, aber ich hoffe einfach mal, dass mit diesen harten 2 Wochen das Schlimmste überstanden ist. Ich werde diese erste, besonders harte Zeit in meinem Gedächtnis unter "wichtige Erfahrungen" abspeichern, denn das möchte ich definitiv nicht nochmal durchmachen müssen.

Körperliche Verbesserungen kann ich zwar nach wie vor kaum wahrnehmen (lediglich der Raucherhusten ist so gut wie weg), aber psychisch mache ich Fortschritte. Meine Gedanken drehen sich nicht mehr ständig ums Rauchen und die Schmacht-Attacken werden weniger und sind gut zu kontrollieren. Trotzdem denke ich noch viel zu oft, wie gerne ich jetzt eine rauchen würde. banghead.gif Wenn Engelchen und Teufelchen in meinem Kopf diskutieren, fühle ich mich manchmal wie ein kleines Kind, dem an der Supermarkt-Kasse von der Mutter gesagt wird, dass es keine Süßigkeiten bekommt. Ich fühle, wie das Teufelchen in meinem Kopf bockig mit dem Fuß aufstampft und "ich will aber jetzt" plärrt. Das Engelchen erklärt geduldig, warum es nichts gibt und das macht das Teufelchen in meinem Kopf noch bockiger und es wirft sich auf den Boden, strampelt wild mit den Beinen und schreit hysterisch "ich will, ich will, ich will aber".
Wenn ich mir solche Situationen bildlich vorstelle, muss ich lachen ... und dann vergesse ich doch manchmal glatt, dass ich gerade noch eine rauchen wollte. Riesengrinser.gif
Verfasst am: 10.02.2021 16:02
SmoSa
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Tag 16 meiner Nichtmehrraucher-Reise (03.07.2020)

Nach wie vor lese ich sehr gerne quer durch das Forum, weil ich immer wieder etwas finde, das mich inspiriert und motiviert und womit ich meine Strategie erweitere oder auch umbaue. Schon erstaunlich, wie viele unterschiedliche Wege es in die Rauchfreiheit gibt. Die einen starten ganz locker und stehen dann nach zwei oder drei oder vier Wochen plötzlich vor einer steilen Felswand ... andere tun sich am Anfang schwer, finden aber dann ihren Rhythmus und kommen in der zweiten oder dritten oder vierten Woche plötzlich viel besser voran ... und wieder andere sitzen in den ersten Wochen in einer Berg- und Talbahn, in der es ständig auf und ab geht. Aber egal, zu welcher Kategorie man gehört, man findet hier im Forum sehr viele hilfreiche Informationen, Anregungen und Tipps. Und man unterstützt und motiviert sich gegenseitig und geht auch immer wieder ein Stück gemeinsam. Ich bin wirklich froh, dieses Forum gefunden zu haben. Und mein Mantra "Ich mache weiter. Heute rauche ich nicht. Warum sollte ich auch?" ist mir ein guter Begleiter. Auch wenn der Weg wieder mal extrem steil wird, gebe ich nicht auf, sondern gehe langsam weiter. Ich überfordere mich nicht und setze mich nicht unter Druck, sondern gehe jeden Tag nur eine kleine Etappe. Jeden Morgen sage ich mir: HEUTE rauche ich nicht. Weil es keinen vernünftigen Grund gibt, eine zu rauchen.