Tagebuch einer Nichtmehrraucher-Reise


Verfasst am: 10.02.2021 16:08
SmoSa
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Tag 17 meiner Nichtmehrraucher-Reise (04.07.2020)

Erster Einkauf im Discounter als Nichtmehrraucher. Beim Einladen der Einkäufe ins Auto plötzlich Zigarettenrauch wahrgenommen. Umgedreht, um Übeltäter auf Einhaltung des Corona-Abstandes hinzuweisen. Keinen Raucher in unmittelbarer Nähe entdeckt. Blicke schweifen lassen. Raucher in ca. 20 m (in Worten: zwanzig Meter) Entfernung gesichtet. Schmacht verspürt und Raucher beneidet ... ALARM-ALARM-ALARM ... ich korrigiere: "Igittigitt" gedacht und den Rauchenmüsser zutiefst bedauert.

Erkenntnisse:
Geruchsinn phänomenal.
Keinerlei Kontrollverlust, d.h. weder Zigarettenkauf-Bedürfnis noch Annäherungsversuch an Raucher.
An der Denkweise muss noch gearbeitet werden.


Mir wurde zugetragen, dass sich mein Quälobert in einem Thread namens "Smokeland" rumtreibt und dort heute folgende Jammer-Posts abgesetzt hat:

Keiner da ... schade. Ich heiße Quälobert und ich habe gehört, dass in "Smokeland" die Welt noch in Ordnung sein soll. Das ist sie nämlich in meinem Zuhause seit gut 2 Wochen nicht mehr. Ich fühle mich plötzlich unerwünscht ... missachtet ... gemobbt ... diskriminiert ... missverstanden ... unterdrückt. 40 Jahre lange wurde ich gehegt und gepflegt ... und dann von einem Tag auf den anderen in die Ecke gestellt, als ob ich etwas ausgefressen hätte. Was ist nur passiert??? icon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gif
Ich dachte, ich könnte mich hier ein bisschen aufheitern und trösten lassen. Mich regenerieren. Energie tanken für die zermürbenden Diskussionen, die ich seit 16 Tagen führen muss. Aber keiner da. Schade. Dann gehe ich halt wieder. Ich lass mal einen Zettel mit meinen Kontaktdaten hier. Falls "Smokeland" doch mal wieder den Betrieb aufnimmt.
Liebe Grüße
Quälobert


Ich wurde übrigens gar nicht abgegeben, sondern ich musste einfach mal raus, weil es bei SmoSa a.k.a. Christine momentan kaum auszuhalten ist. icon_cry.gif
Angefangen hat es vor gut zwei Wochen. Da hat sie mich plötzlich als hässlichen kleinen Gnom mit fieser Stimme bezeichnet, den sie sich am liebsten von der Schulter schnippen würde. Sie hat gegrinst bei der Vorstellung, wie ich an die Küchenfront knalle und an dieser maulend runterrutsche. Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, warum sie sowas sagt. Aber es wurde noch schlimmer. Plötzlich nannte sie mich das "Nikotinmonster", das sie unbedingt loswerden will. Ich dachte echt, sie schmeißt mich raus. Sie hat es sich dann Gott sei Dank anders überlegt und gesagt, dass ich bleiben könne, weil ich nun mal ein Teil von ihr wäre. Ich dachte, dass jetzt alles wieder gut wird ... wurde es aber nicht. Sie hat doch tatsächlich gesagt, dass ein neuer Lebensabschnitt begonnen habe, in dem ich nicht mehr zum Zug kommen würde. icon_eek.gif Ich sage ihr jeden Tag immer wieder, dass sie erstmal eine rauchen soll, weil dann die Welt gleich wieder ganz anders aussieht. Dass sich dann alle Sorgen, Nöte und Ängste in Rauch auflösen würden. Aber sie will's einfach nicht einsehen. Am Anfang war sie total zickig und gereizt. Das war schlimm. Dann hat sie mich ignoriert. Das war auch schlimm. Dann gab es endlose Diskussionen und Vorträge darüber, wie ein gesundes und selbstbestimmtes Leben angeblich auszusehen hat. Das war noch schlimmer. Jetzt ist sie auf einmal wieder ganz freundlich und geduldig, faselt aber ständig irgendwas von "Wir müssen an einem Strang ziehen" und dass mich meine Nörgelei nicht weiter bringt. Und auch das ist schlimm, weil sie so entschlossen wirkt, was mich sehr verunsichert. Einerseits bin ich bockig und will mein altes Leben nicht aufgeben. banghead.gif Andererseits will ich sie aber auch nicht verlieren... icon_rolleyes.gif

Der verzweifelte und ratlose Quälobert verabschiedet sich dann mal und geht wieder nach Hause. Tschüssi!

(Hoffentlich lässt sie mich rein, wenn ich so nach Rauch stinke. Aber vielleicht denkt sie ja gar nicht, dass ich nach Rauch stinke, sondern nach Rauch dufte. icon_biggrin.gif Und dann rauchen wir gemütlich eine miteinander und qualmen glücklich und zufrieden wie in alten Zeiten. icon_biggrin.gif Aber ich befürchte, sie bleibt stur... icon_rolleyes.gif)


Armer Quälobert! Er hat’s echt nicht leicht mir mir… icon_wink.gif Riesengrinser.gif Aber er soll mal froh sein, dass ich ihm wenigstens seinen Namen gelassen habe. Diesen männlichen Namen hat er ja bekommen, als ich ihn noch als das Nikotinmonster betrachtete, das ich unbedingt loswerden wollte. Nachdem mich ein Kommentar von Paul zum Umdenken bewegt hatte und ich Quälobert plötzlich als Teil von mir sah (der Teil von mir, der fast 40 Jahre lang geraucht hat, aber jetzt einsehen muss, dass Schluss mit lustig ist und er - im wahrsten Sinne des Wortes - nicht mehr zum Zug kommen wird), hätte ich ihn eigentlich in Quäloberta umtaufen müssen. Aber er muss ja schon aufs Rauchen verzichten, da wollte ich ihm nicht auch noch seiner Identität berauben. icon_lol.gif
Verfasst am: 11.02.2021 12:27
SmoSa
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Tag 18 meiner Nichtmehrraucher-Reise (05.07.2020)

Die Samtpfote hat sich heute Nachmittag mal wieder ein lebendiges Spielzeug von draußen ins Wohnzimmer geholt. Schätzungsweise das 10. Mal in 2020. icon_eek.gif

Ablauf bisher (stark gekürzt): "Oh nein, nicht schon wieder!" Schnell die Tür zur Küche zumachen. Auf die Terrasse setzen und erstmal eine rauchen in der Hoffnung, dass die Katze freiwillig rauskommt, weil sie draußen weiterspielen möchte. Möchte sie aber nicht. Mehrere Versuche, Katze unter dem Esstisch hervor und in Richtung Terrassentür zu scheuchen. Lauter Fehlversuche. Hund mittlerweile total aufgeregt durch die ganze Action. Will mitspielen. Das will aber Katze nicht und flüchtet nebst Maus hinter die Couch. Frust. Erst mal noch eine rauchen. Im Keller einen kleinen Karton holen. Zahlreiche Versuche, der Katze die Maus abzujagen und mit dem Karton einzufangen. Lauter Fehlversuche. Hund dreht mittlerweile total durch und jagt Katze nebst Maus quer durch Wohn- und Esszimmer. Stühle fallen um. Chaos pur. Noch mehr Frust. Erst mal noch eine rauchen. Fortführung der wilden Jagd, bis Katze endlich die Schnauze voll hat und nebst Maus auf die Terrasse flüchtet und im Garten verschwindet. Erleichterung. Erfolg feiern mit einer wohlverdienten Zigarette ... oder auch zwei.

Ablauf heute (ungekürzt): "Oh nein, nicht schon wieder!" Schnell die Tür zur Küche zumachen. Auf die Terrasse setzen und im Hier-gibt's-Leckerchen-Tonfall "Na komm" rufen. Katze kommt nebst Maus raus auf die Terrasse. Schnell die Terrassentür zumachen. Problem gelöst.

Erkenntnis: Probleme lassen sich ohne Zigaretten wesentlich schneller und effektiver lösen als mit Zigaretten. Hund liegt immer noch auf der Wiese und döst. Katze ist zunächst irritiert und ein bisschen eingeschnappt, weil es kein Leckerchen gab (Gott sei Dank ist sie nicht nachtragend), und verschwindet dann mit der Maus im Garten. Frauchen macht es sich - völlig relaxed und hocherfreut ob des schnellen Erfolges - auf dem Terrassenstuhl bequem. Nur die Maus hat leider in beiden Versionen die A....karte gezogen...


Mir wurde zugetragen, dass Quälobert heute schon wieder im "Smokeland" war und dort einen auf dicke Hose gemacht hat:
Schön ist es hier! Diese entzückenden Rauchwölkchen ... und diese wunderbar stickige Luft! Ich glaube, ich könnte mich hier wohl fühlen. Aber eigentlich würde ich mir lieber mein altes Zuhause zurückerobern. Die Alte zickt ein bisschen rum ... sagt, dass ich - im wahrsten Sinne des Wortes - bei ihr nicht mehr zum Zug komme ... und denkt, dass ich mich so leicht unterbuttern lasse? Nee, nee ... nicht mit mir, Fräulein ... ich habe mein Pulver noch lange nicht verschossen. Ich muss mir einfach eine neue Strategie überlegen. Jetzt erst einmal eine rauchen ... oder zwei ... oder drei. Je höher der Nikotinspiegel, desto besser die Ideen! icon_cool.gif

Lieber Quälobert, denk ruhig über neue Strategien nach. Hilft dir alles nix… icon_wink.gif


Im Rauchfrei-Kalender gelesen:
"Begehen Sie nicht den typischen Anfängerfehler die Droge Nikotin durch eine andere zu ersetzen."
Ich bin mal alle potenziellen Ersatzdrogen durchgegangen ... Alkohol, Zucker, Koffein, Spiele - alles kein Problem.
Aber dieses Forum hier ... über 130 Beiträge in nicht einmal 3 Wochen icon_rolleyes.gif ... ich glaube, ich bin jetzt forensüchtig! icon_eek.gif

ZU HÜLFEEEEEEEEEEEEE!!!!!!
Verfasst am: 11.02.2021 17:35
SmoSa
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Tag 19 meiner Nichtmehrraucher-Reise (06.07.2020)

Schlecht geschlafen. In depressiver Stimmung und mit Kopfschmerzen aufgewacht. Vormittags Dauer-Schmacht ... ständig RAUCHEN-RAUCHEN-RAUCHEN im Hinterkopf ... Watte im Kopf ... Antriebslosigkeit ... keine Ablenkung funktioniert - Quälobert in Höchstform. Im Junizug dann moralische Unterstützung erhalten ... geplaudert ... Spaß gehabt ... Ablenkung ... Schmacht vergessen - vielen Dank, Mädels! icon_biggrin.gif
Nachmittags noch ein paar kleinere bis mittelgroße Auseinandersetzungen mit Quälobert. Abends Aussöhnung mit ihm. Hat mir Eis mitgebracht und irgendwas von "Moralpredigt im Smokeland" gefaselt. Ist jetzt ins Bett gegangen und ich höre ihn nur noch ganz leise nörgeln. Ein harter Tag geht zu Ende. Zermürbend. Kräftezehrend. Aber rauchfrei!

Erkenntnisse:
Dieses Forum ist Gold wert! Mit der Unterstützung durch liebe Mit-Nichtmehrraucherinnen wieder einen fiesen Durchhänger ohne Rauchen überstanden.
Was uns nicht tötet, macht uns stärker.
Ich bin stärker als Quälobert.
Verfasst am: 11.02.2021 17:43
SmoSa
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Tag 20 meiner Nichtmehrraucher-Reise (07.07.2020)

Jetzt weiß ich auch, wofür Quälobert gestern im "Smokeland" die Moralpredigt kassiert hat:

Ich mache mir echt Hoffnungen, dass alles wieder gut wird. Ich war letzte Nacht sehr fleißig. Ich habe Christine schlecht schlafen und im Traum rauchen lassen. Ich habe ihr Kopfschmerzen eingepflanzt und jetzt pochen ihre Schläfen schon seit dem Aufwachen in hypnotisch-gleichmäßigem Takt: RAU-CHEN-RAU-CHEN-RAU-CHEN-RAU-CHEN... Außerdem habe ich in ihrer Mediathek ein bisschen "ausgemistet". Sie wollte eben Musik hören und war ganz verzweifelt, weil sie keinen einzigen Gute-Laune-Song finden konnte.
Die Alte ist echt zäh und wehrt sich heftig, aber sie wankt. Also nur schnell eine rauchen hier und dann schnell wieder nach Hause und sie weiter bearbeiten. Ich kriege sie noch rum heute! icon_evil.gificon_lol.gificon_evil.gificon_lol.gificon_evil.gificon_lol.gificon_evil.gif

Nach der Moralpredigt (durch Paulchen) soll er ganz zerknirscht gewesen sein:

icon_eek.gificon_eek.gificon_eek.gificon_eek.gificon_eek.gificon_eek.gificon_eek.gificon_eek.gificon_eek.gif icon_redface.gificon_redface.gificon_redface.gificon_redface.gificon_redface.gificon_redface.gificon_redface.gificon_redface.gificon_redface.gif icon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gificon_cry.gif
Ich sollte froh sein, dass ich bei ihr bleiben darf. Und vielleicht ist Nichtmehrrauchen ja wirklich gar nicht so schlimm. icon_cool.gif
Na dann gehe ich mal wieder nach Hause. Ich könnte ihr ein Eis mitbringen, da freut sie sich bestimmt. Also dann ... äh ... also ... naja ... vielleicht noch eine allerletzte Zigarette? icon_confused.gif
Gitarre.gif Gute Nacht, Freunde, es wird Zeit für mich zu geh‘n.
Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh‘n. Gitarre.gif


Braver Quälobert! Riesengrinser.gif


Der gestrige Durchhänger (einer der schlimmsten Tage meiner Nichtmehrraucher-Reise) hat wohl Kraft gekostet. Fühlte mich heute irgendwie verkatert, als hätte ich gestern gesoffen. Stand irgendwie neben mir ... müde ... schlapp ... leichte Kopfschmerzen. Aber dafür wenig Schmacht. Außerdem stolz wie Oskar (wer ist eigentlich Oskar? icon_lol.gif) und gefreut wie Bolle (wer ist eigentlich Bolle? icon_lol.gif), dass ich den Tag rauchfrei überstanden habe. Lieben Dank nochmal an alle, die mir dabei geholfen haben.


Heute Rasen gemäht. Gras war ziemlich hoch und leicht feucht. Deshalb immer wieder Auswurfkanal und Mähdeck verstopft. Immer wieder sauber machen. Fangkorb viel öfter ausleeren als sonst. Voll nervig! Schmacht! Außerdem Abdeckung der Mulchöffnung (oder wie das heißt) locker. Bei jeder Verstopfung aufgedrückt und Grasklumpen auf dem Rasen verteilt. Lässt sich nicht festziehen. Na toll. Nach dem Mähen auch noch Gras zusammenrechen. Voll nervig. SCHMACHT! Beim Anziehen der Handschuhe mit leicht eingerissenem Daumennagel hängen geblieben und weiter eingerissen. Bis ins Nagelbett. Aua. Frust. ICH WILL JETZT RAUCHEN!!!!!!!! icon_evil.gif Habe ich natürlich nicht gemacht. Was hätte es mir gebracht? Genau ... NIX! Das liegengebliebene Gras wäre nicht wie von Zauberhand verschwunden gewesen und der Nagel immer noch eingerissen. Wie sagte Rauchfrei-Lotse Meikel (nein, liebe Autokorrektur, ich meine nicht "Merkel" ) im Julizug so schön:
Was ist eine schlimme Situation nach einer Erleichterungs-Zigarette?
Immer noch eine schlimme Situation.

Mittlerweile habe ich mich längst wieder abgeregt und es geht mir wieder gut. Und das, obwohl ich keine geraucht habe. Und vielleicht ein bisschen auch deshalb, WEIL ich keine geraucht habe... icon_wink.gif

Erkenntnisse:
Rauchen macht ärgerliche Situationen nicht weniger ärgerlich.
Der Ärger verfliegt auch ohne Rauchen.
Ich muss meinen Rasen öfter mähen.
Verfasst am: 12.02.2021 14:57
SmoSa
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Tag 21 meiner Nichtmehrraucher-Reise (08.07.2020)

Schock am frühen Morgen: das rauchfrei-Ausstiegsprogramm verabschiedet sich. icon_eek.gif Aber die Community bleibt mir ja. icon_biggrin.gif

Aber dafür hatte ich auf der anschließenden Gassirunde sehr gute Gedankengänge.
Mein größtes Problem war ja am Anfang das Gefühl, etwas verloren zu haben. Der Gedanke, für den Rest meines Lebens auf etwas verzichten zu müssen, das mich ca. 40 Jahre lang begleitet hat, hat mir Angst gemacht. Weil ich dachte, dass mich jetzt ein Leben lang ein gewisser Schmacht begleiten wird. Dass ich mein Leben lang achtsam sein muss, um nicht rückfällig zu werden, und ich deshalb nie wieder so richtig unbeschwert sein kann.
Ganz weg sind diese Ängste und diese Wehmut noch nicht, aber - durch viele motivierende Kommentare - längst nicht mehr so schlimm. Und seit heute Morgen noch ein bisschen weniger schlimm. Das war passiert:

Auf der morgendlichen Gassirunde durch den Wald habe ich zwei Rehe gesehen - eine Ricke und ihr Kitz. Weil wir (mein Hund und ich) noch ziemlich weit weg waren und der Wind günstig stand, haben sie uns nicht sofort bemerkt. Deshalb blieb ich stehen, gab meinem Hund die Handzeichen "Sitz" und "Bleib" und erfreute mich an dem Anblick der Rehe. Aber nicht, ohne dabei meinen Hund so ein bisschen im Auge zu behalten. Früher wäre so eine Situation aufgrund seines Jagdtriebes unmöglich gewesen. Aber da ich Waldspaziergänge liebe und es mir und meinem Hund ersparen wollte, ihn im Wald anleinen zu müssen, haben wir intensiv an seinem Jagdtrieb gearbeitet. Mit Erfolg. Eine Zeit lang setzte er gelegentlich noch zum Spurt an, ließ sich aber durch ein lautes Kommando stoppen. Meistens konnte ich seine Ambitionen jedoch schon im Keim ersticken. Aber seit ein paar Jahren muss ich nicht einmal das mehr machen. Er interessiert sich zwar nach wie vor für Wildtiere aller Art, aber er macht keinerlei Anstalten mehr, sie zu jagen. Darauf verlasse ich mich aber nicht, denn der Jagdtrieb ist ja immer noch da - der Hund hat lediglich gelernt, ihn zu kontrollieren. Aber es gibt keine Garantie, dass es immer und jederzeit funktioniert. Ich muss also bis zum Ende seiner Tage achtsam sein, dass er die Kontrolle nicht verliert. So auch heute Morgen. Als wir kurz darauf weitergingen (die Rehe hatten uns dann doch relativ schnell gewittert und sind geflüchtet), machte es bei mir plötzlich "Klick": Hund-Jagdtrieb-Achtsamkeit ... Ich-Nikotinsucht-Achtsamkeit.
Idee.gif
Ich habe mir dann viele Fragen gestellt und beantwortet:
Leidet mein Hund darunter, dass er keine Wildtiere jagen darf? Nein! (Bällen nachjagen macht doch auch Spaß.)
Kann mein Hund das Gassigehen unbeschwert genießen, obwohl er keine Wildtiere jagen darf? Ja!
Leide ich darunter, dass ich bezüglich seines Jagdtriebs sein Leben lang achtsam sein muss? Nein!
Habe ich ständig Angst, der Hund könnte mal die Kontrolle verlieren und losspurten? Nein!
Kann ich trotz permanenter Achtsamkeit die Waldspaziergänge unbeschwert genießen? Ja!
Fühle ich mich durch die Achtsamkeit eingeschränkt bzw. muss ich auf Genuss verzichten? Nein! (Die Achtsamkeit beansprucht ja nur einen Bruchteil meiner Sinne. Ich konnte deshalb den Anblick der Rehe genießen.)

Warum also sollte ich darunter leiden, keine Zigarette mehr zu rauchen?
Warum sollte ich mein Leben nicht mehr unbeschwert genießen können, nur weil ich nicht mehr rauche und weil ich eine gewisse Achtsamkeit an den Tag legen muss?
Warum sollte ich ständig Angst haben, mal die Kontrolle zu verlieren und eine zu rauchen?

Das war jetzt wohl ziemlich wirr und ich kann nur hoffen, dass ihr versteht, was ich damit sagen wollte. Und dass ich es selbst noch verstehe, wenn ich mir das mal wieder durchlese, um mich zu motivieren. icon_lol.gif
Für alle, die meinen wirren Gedankengängen nicht folgen können, fasse ich das Ganze mal zusammen:
Alles wird gut! icon_cool.gif icon_wink.gif icon_biggrin.gif

Abschließend möchte ich noch Rauchfrei-Lotse Meikel zitieren. Von ihm habe ich schon viel gelesen, was mich inspiriert und motiviert. Und eben hat er im Julizug etwas geschrieben, was gerade sehr gut passt:

Und obwohl ich gerade für die Wachsamkeit plädiert habe, möchte ich ein Sprichwort zitieren:
"Wer die Sonnenseiten des Lebens genießen will, sollte den Himmel nicht ständig nach Wolken absuchen."

PS: Bester Tag seit meinem Rauchausstieg! So wenig Schmacht wie noch nie. So könnte es gerne bleiben.
Verfasst am: 13.02.2021 13:13
SmoSa
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Tag 22 meiner Nichtmehrraucher-Reise (09.07.2020)

3 Wochen rauchfrei - das macht mich stolz! Und ich bin dankbar! Dankbar für die Ablenkung, die Unterstützung und die Motivation, die ich hier im Forum jeden Tag erhalte. Vielen Dank vor allem den Mädels im Junizug - das hat heute viel Spaß gemacht mit euch und das sollten wir unbedingt öfter machen. Und vielen Dank auch den Gratulanten, die den Weg in mein Wohnzimmer gefunden haben.

Diese 3 Wochen kamen mir sehr lange vor - so langsam ist die Zeit schon lange nicht mehr vergangen. Aber abgesehen von einem üblen Durchhänger vor ein paar Tagen lief die 3. Woche schon deutlich besser als die ersten beiden. Die Gedanken kreisen nicht mehr so intensiv ums Rauchen und die Schmachter werden weniger. In manchen Alltagssituationen habe ich mich schon daran gewöhnt, dass sie ohne Zigarette stattfinden, bei anderen klappt das noch nicht so gut. Meine größte "Baustelle" ist die Terrasse. Da ist die Verknüpfung mit der Zigarette extrem stark, die bekomme ich einfach durch nichts aufgelöst. Möbel umstellen ... umdekorieren ... auf einen anderen Platz setzen - hat alles nichts geholfen. Auch der Versuch, den Schmacht auf der Terrasse bewusst auszuhalten und das Problem praktisch "auszusitzen", hat nichts gebracht. Momentan meide ich die Terrasse einfach, was im Sommer natürlich sehr schade ist. Ich hoffe mal, dass sich diese Verknüpfung irgendwann von alleine auflöst. icon_rolleyes.gif

Aber im Großen und Ganzen bin ich, was die psychischen Aspekte anbelangt, recht zufrieden. Mit der moralischen Unterstützung durch das Forum (im RL sieht es damit leider nach wie vor schlecht aus) konnte ich bisher jeden Durchhänger meistern und ich bin zuversichtlich, dass das auch bei künftigen Durchhängern klappt. Im Junizug hat sich in den letzten Tagen eine schöne Dynamik entwickelt und da hat sich ein Grüppchen gebildet, das sich gegenseitig unterstützt und viel Spaß miteinander hat.
Über eine psychische Veränderung bin ich besonders froh. Ich hatte ja anfangs das Gefühl, etwas verloren zu haben ... und die Angst, der Zigarette mein Leben lang nachzutrauern. Das hat sich deutlich gebessert. Ich bin jetzt doch recht zuversichtlich, dass ich auch ohne Zigarette ein erfülltes und unbeschwertes Leben führen kann. icon_wink.gif

Hinsichtlich körperlicher Verbesserungen bin ich etwas unsicher. Die Entzugserscheinungen sind zwar weg, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sich in Sachen Fitness und Kurzatmigkeit schon was getan hat. Ist vielleicht auch einfach noch zu früh nach 3 Wochen.
Der Blutdruck ist gesunken, das ist schon mal gut, weil der mit ungefähr 135/90 ein bisschen hoch war. Jetzt liegt er allerdings mit ungefähr 105/65 so niedrig, dass ich mit Müdigkeit und gelegentlichem Schwindel zu kämpfen habe.
Der morgendliche Raucherhusten ist weg. Hier frage ich mich aber, wie jetzt der ganze Dreck aus der Lunge raustransportiert werden soll. Müsste ich dafür nicht husten? Aber vielleicht haben sich ja die Flimmerhärchen schon so gut regeneriert, dass der Abtransport ohne Husten vonstatten geht.

Wahrscheinlich muss ich mich in vielen Dingen einfach noch gedulden. icon_wink.gif Ich wollte mich ja in Sachen Ungeduld unbedingt bessern, aber so ganz klappt das wohl noch nicht. Der liebe Paul hat mir mit diesem Kommentar wieder mal einen Spiegel vorgehalten und mich darauf hingewiesen, dass ich meine Ressourcen nicht optimal nutze:
Wer mal einen jagdtriebigen Hund erzogen hat, hat als Erziehende(r) eine Menge gelernt.
Man lernt von einer Sekunde auf die andere mit Strenge und Konsequenz dem Hund etwas zu verbieten
um dann in der nächsten Sekunde wieder mit freundlich säuselnder Stimme zu signalisieren
`hast Du prima gemacht`
Das ist ein unschätzbarer Vorteil im Umgang mit den Schmachtanfällen, weil man sich nicht reinsteigern
muss, wenn´s vorbei ist kann man auch wieder nett zu Quälobert sein.

.... und ein Schweinehund ist auch nur ein Hund.

Tatsächlich kann ich mit mir selbst nicht so geduldig und konsequent umgehen wie mit meinem Hund. Vermutlich halte ich mich selbst für weitgehend erziehungsresistent. Ich hatte zu Beginn der Hunde-Erziehung allerdings auch ein Hilfsmittel, das mir für mich selbst nicht zur Verfügung steht, nämlich die Schleppleine. Meinen Rauchtrieb muss ich ohne Netz und doppelten Boden unter Kontrolle bringen. Ein falscher Schritt (ein Zug) ... und platsch! icon_rolleyes.gif
Aber einen netteren Umgang mit Quälobert kriege ich ja schon mal ganz gut hin - insoweit mache ich ja Fortschritte. icon_wink.gif

So, jetzt aber ab in die Heia. Gute Nacht Forum. Gute Nacht Quälobert - vielen Dank, dass du auch heute kaum genörgelt und gequengelt hast.
Verfasst am: 13.02.2021 13:16
SmoSa
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Tag 23 meiner Nichtmehrraucher-Reise (10.07.2020)

Draii Taage Ffeiermarratong ... Dopl-Sehner, Draiiwöchiggs, Schnabbszaal ... suvill fr michh! ImJunizuuch stehd n ganzs Appteil vollll mid Schammbus! icon_eek.gif Leutde, wehrsollndes alls sauffn??? icon_rolleyes.gif Abb inni Heiia, du oide Quasssslstrippn! icon_lol.gif Üwrigens: Nix graucht heit!!! gefuehle_smilie_0236.gif
Verfasst am: 13.02.2021 15:39
SmoSa
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Tag 24 meiner Nichtmehrraucher-Reise (11.07.2020)

Quälobert war sehr ruhig in den letzten Tagen. Manchmal so ruhig, dass ich nachgeschaut habe, ob er noch atmet. Heute musste ich das nicht. Hat sich schon beim Aufstehen aufgeführt wie ein verzogenes, bockiges kleines Kind: "Ich will heute zum Kaffee eine rauchen! Ich will, ich will, ich will!" Und er hat den ganzen Vormittag genörgelt. Ich habe versucht, geduldig und freundlich zu sein, aber machmal hätte ich ihm echt eine reinhauen können. Nachmittags war es etwas besser. Er hat zwar fast ununterbrochen gequengelt, aber wenigstens leise. Abends hatte er nochmal einen kleinen Wutanfall. Auf den habe ich einfach nicht reagiert und da ist er schmollend ins Bett gegangen. Ist recht schnell eingeschlafen.
Im Junizug kam es letzte Nacht zu einem unschönen Vorfall: Eine liebe Mitreisende ist rausgepurzelt. Wir haben die Notbremse gezogen und erste Hilfe geleistet. Sie erholt sich jetzt erstmal zuhause von diesem Schreck, aber wir hoffen, dass sie bald wieder einsteigt.

Erkenntnisse:
Quälobert tut mir irgendwie leid. Muss ganz schön anstrengend sein, dieses vergebliche Quengeln und Nörgeln.
Wir müssen im Zug noch besser aufeinander aufpassen. Einer für alle, alle für einen!
Verfasst am: 13.02.2021 15:44
SmoSa
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Tag 25 meiner Nichtmehrraucher-Reise (12.07.2020)

Habe beschlossen, meine Terrasse zurück zu erobern. Schon morgens damit begonnen und mich wild entschlossen und frohgemut mit meiner Kaffeetasse rausgesetzt. Meine Blicke über den Garten schweifen lassen. Dem Gezwitscher der Vögel gelauscht. Tief durchgeatmet. Und schwups ... schon saß Quälobert neben mir und fing sofort an, mich zu belabern.

Q: Kaffee schmeckt nicht ohne Zigarette, oder?
Ich: Doch!
Q: Aber mit Ziggi würde er noch viel besser schmecken!
Ich: Nö!
Q: Schön hier auf der Terrasse.
Ich: Ja.
Q: Was würde diesen schönen Moment perfekt machen?
Ich: Wenn du deine Klappe halten würdest!

Derartige Diskussionen gab's heute jedes Mal, wenn ich mich auf die Terrasse gesetzt habe. Echt nervig. Aber für Quälobert bestimmt mindestens genauso nervig. icon_razz.gif icon_wink.gif Irgendwann wird er einsehen, dass er nicht mehr zum Zug kommt. Ich muss nur dranbleiben. Üben, üben, üben. Ganz konsequent. Bringt mir zahlreiche Schmacht-Attacken ein, aber die sind auszuhalten. Hauptsache, die Terrasse gehört bald wieder mir ganz alleine. icon_biggrin.gif

Ich mache weiter. Heute rauche ich nicht. Warum sollte ich auch?
Verfasst am: 17.02.2021 13:43
SmoSa
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Tag 26 meiner Nichtmehrraucher-Reise (13.07.2020)

Habe letzte Nacht geträumt, dass da plötzlich eine Schachtel Zigaretten auf dem Tisch lag. Habe mir ganz selbstverständlich eine angezündet. Beim ersten Zug ist mir dann siedend heiß eingefallen, dass ich doch gar nicht mehr rauche. icon_eek.gif Zigarette sofort wieder ausgedrückt. Natürlich habe ich mich geschämt für diesen Ausrutscher, aber mein größtes Problem war: Muss ich jetzt meinen Rauchfrei-Tage-Zähler auf Null setzen? icon_rolleyes.gif icon_lol.gif

Auch heute wieder an der Zurückeroberung der Terrasse gearbeitet. Quälobert ist stur. Ich auch. Möge die Macht mit mir sein!

Habe das Gefühl, dass sich die Tage nicht mehr ziehen wie Pizza-Käse, wie das in den ersten 3 Wochen der Fall war. Definitiv ein gutes Zeichen!

Der Junizug ist wieder komplett! gefuehle_smilie_0236.gif icon_biggrin.gif
Verfasst am: 17.02.2021 13:47
SmoSa
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Tag 27 meiner Nichtmehrraucher-Reise (14.07.2020)

Hatte heute ein interessantes Gespräch mit Quälobert. Er ist beleidigt. Weil ich ihm für alles die Schuld in die Schuhe schiebe. Auch wenn er gar nichts dafür kann. Und er hat recht! icon_redface.gif Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit hatte ich auch als Raucher immer wieder mal. Und auch meine momentanen Verdauungsbeschwerden haben in Woche 4 wohl kaum etwas mit dem Rauchstopp zu tun. War in den letzten Tagen einfach zu faul, einkaufen zu fahren und mir Obst, Salat und Gemüse zu holen. Stattdessen sehr ungesund gegessen. Also nichts für ungut, lieber Quälobert - ich gelobe Besserung!

Heute Morgen beim Gassigehen hatte ich richtig Lust, immer wieder mal ein Stück zu laufen. (Nicht joggen, das geht nicht so gut mit Wanderschuhen über Stock und Stein ... und außerdem hasse ich Joggen!) In der praktischen Umsetzung haperte es noch, hat meistens nur etwa 100 m geklappt. Aber immerhin. Alleine schon die Lust darauf ist ein Erfolg!

War eben zum zweiten Mal im Chat. Mein erster Versuch war an Tag 6. Da war meine Konzentrationsfähigkeit im Keller, der Chatverlauf überrollte mich förmlich und ich fühlte mich komplett überfordert. Heute ging es viel besser und es hat Spaß gemacht.

Habe mich heute mehrfach beim Lächeln "ertappt".

Erkenntnisse:
Es ist schon vieles besser geworden. Viel mehr als bisher gedacht. Man muss sich einfach die positiven Veränderung ganz bewusst vor Augen halten, statt sich ständig nur von dem runterziehen zu lassen, was noch nicht klappt.
Das Leben ist wie ein Spiegel: Lächle hinein und es lächelt zurück. icon_biggrin.gif
Ich muss wieder mehr Grünzeug essen.
Verfasst am: 19.02.2021 14:38
SmoSa
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Tag 28 meiner Nichtmehrraucher-Reise (15.07.2020)

Die wilde Fahrt in der Achterbahn der Gefühle geht weiter. Gestern war ich ganz oben … und heute bin ich ganz unten … richtiggehend abgestürzt. icon_eek.gif Warum? icon_rolleyes.gif Keine Ahnung. Hat wohl nichts mit dem Rauchausstieg zu tun, weil ich kaum Schmacht habe. Fühle mich einfach ätsch… icon_cry.gif
Verfasst am: 19.02.2021 14:42
SmoSa
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Tag 29 meiner Nichtmehrraucher-Reise (16.07.2020)

Befinde mich immer noch in meinem tiefen Depri-Loch und weiß im Moment nicht so recht, wie ich da wieder rauskommen soll. Ich sitze das einfach aus. Kommt Zeit, kommt Rat. Abwarten und Tee trinken. Und natürlich nicht rauchen! icon_cool.gif
Verfasst am: 19.02.2021 14:45
SmoSa
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Tag 30 meiner Nichtmehrraucher-Reise (17.07.2020)

Fühle mich immer noch ziemlich ätsch. Sehe aber Licht am Ende des Tunnels und hoffe, dass das kein entgegenkommender Zug ist… icon_eek.gif

Ich mache weiter. Heute rauche ich nicht. Warum sollte ich auch?
Verfasst am: 19.02.2021 14:49
SmoSa
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Tag 31 meiner Nichtmehrraucher-Reise (18.07.2020)

Konnte endlich aus meinem Depri-Loch rauskrabbeln. Habe nach wie vor keine Ahnung, warum ich da reingepurzelt bin. Vielleicht lag's am Wetter. Oder an der Sternenkonstellation. Oder an den Wechseljahren. Hatte bestimmt nichts mit dem Rauchstopp zu tun. Habe doch Quälobert versprochen, ihm nicht für alles die Schuld in die Schuhe zu schieben. Zum Dank hat er meine Depri-Schwäche nicht ausgenutzt, sondern sich drei Tage lang zurückgehalten. Also kein nennenswerter Schmacht. Rechne ich ihm hoch an. Dachte nicht, dass er so nett und fair sein kann. Vielleicht hatte er aber auch ganz einfach keine Lust, sich zu mir ins Depri-Loch zu setzen und ist lieber irgendwo feiern gegangen. Vielleicht war er ja wieder in diesem Smokeland.

Heute war also stimmungsmäßig wieder ein guter Tag. Für mich. Quälobert war übellaunig. Hat den ganzen Tag immer wieder mal leise gequengelt. Und 3x hatte er einen Heulkrampf. Hat mir die Ohren vollgejammert, wie gerne er jetzt eine rauchen würde - zweimal auf der Terrasse und einmal nach dem stressigen Großeinkauf im Supermarkt. Ich kaufe nicht gerne ein und Großeinkauf bedeutet für mich Stress. Und bei Stress will ich (immer noch) rauchen. Der Schmacht kam schon im Auto auf dem Nachhauseweg. Obwohl ich in diesem Auto nie geraucht habe. Aber der Gedanke, jetzt dann zuhause nicht rauchen zu können, hat mich noch zusätzlich gestresst. Dann ist mir aber auch etwas Positives ein- bzw. aufgefallen, nämlich dass der Gedanke ans Rauchen erst im Auto kam. Soll heißen: Im Supermarkt habe ich kein einziges Mal ans Zigaretten kaufen gedacht. Auch nicht an der Kasse. Irgendwie habe ich sie da überhaupt nicht wahrgenommen. icon_biggrin.gif Was allerdings auch daran liegen kann, dass ich meine Zigaretten immer woanders gekauft habe...icon_rolleyes.gif
Verfasst am: 19.02.2021 14:56
SmoSa
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Tag 32 meiner Nichtmehrraucher-Reise (19.07.2020)

Habe heute Abend im RTL die herrlich verpeilte Bridget Jones getroffen ... meine Schwester im Geiste ... die mich zu meinen Tagebuch-Einträgen inspiriert hat. Sie hat auch mit dem Rauchen aufgehört. Und ist nach eintausendachthundertundnochwas rauchfreien Tagen schwanger geworden. Das mit den eintausendachthundertundnochwas rauchfreien Tagen will und kann und werde ich auch hinbekommen. Das mit der Schwangerschaft nicht. Riesengrinser.gif

Abschließend noch zwei Sätze, die ich hier im Forum aufgeschnappt habe und die ich als besonders hilfreich empfinde:

Was ist eine schlimme Situation nach einer Erleichterungs-Zigarette?
Immer noch eine schlimme Situation.


Wer die Sonnenseiten des Lebens genießen möchte, darf den Himmel nicht ständig nach Wolken absuchen. (Sarah Razak)
Verfasst am: 19.02.2021 17:12
SmoSa
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Tag 33 meiner Nichtmehrraucher-Reise (20.07.2020)

War irgendwie alles "ohne" heute. Ein Tag ohne Höhen und Tiefen, ohne besondere Vorkommnisse, ohne tiefschürfende Erkenntnisse, ohne nennenswerte Schmachter und natürlich ohne Zigaretten.

Sollte das Nichtmehrrauchen eine gewisse Normalität erlangt haben? Wäre schön! icon_biggrin.gif
Verfasst am: 19.02.2021 17:18
SmoSa
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Tag 34 meiner Nichtmehrraucher-Reise (21.07.2020)

Hatte den ganzen Tag heftige Kopfschmerzen. Wollte mich davon nicht runterziehen lassen und habe versucht, das auf der Nichtmehrraucher-Reise Erlernte auch auf Schmerz-Attacken anzuwenden. Den Motivationsspruch "Was ist eine schlimme Situation nach einer Erleichterungs-Zigarette? Immer noch eine schlimme Situation." umformuliert in "Was sind schlimme Kopfschmerzen bei Übellaunigkeit? Immer noch schlimme Kopfschmerzen." Hat leider nicht geholfen. Wurde trotzdem übellaunig. Ausgiebig in Selbstmitleid gebadet. Trotzdem erstaunlicherweise keine nennenswerten Schmacht-Attacken. Danke, Quälobert.

Mir wurde zugetragen, dass Quälobert heute nochmal im "Smokeland" war und sich wohl endgültig verabschiedet hat:

Ich wollte nur noch mal kurz reinschauen und Danke sagen für die freundliche Aufnahme. Mir gefällt es hier wirklich gut. Ich liebe den wabernden Qualm, durch den die Welt so herrlich weichgezeichnet erscheint ... und die stickige Luft, die "ich will dich mit Haut und Haaren" säuselt und mein Sucht-Zentrum in Wallung versetzt. *schmacht* Aber ... so schön ich es hier finde ... ich habe beschlossen, bei meiner Christine zu bleiben. Sie hat so viele Jahre mit mir zusammen geraucht, jetzt möchte ich mich revanchieren und mit ihr zusammen nichtmehrrauchen. Klingt komisch, ich weiß. Scheinbar hat sie mich in den letzten Wochen einer Art Gehirnwäsche unterzogen. Irgendwie habe ich nicht mehr so arg das Gefühl, dass ich rauchen MUSS. Langsam aber sicher glaube ich, dass ich gar nicht mehr rauchen WILL. Komische Denkweise, an die ich mich echt noch gewöhnen muss. Momentan quengle ich noch jeden Tag ein bisschen rum und manchmal mache ich auch noch so richtig Terror, v.a. wenn sie auf der Terrasse sitzt. Aber sie bleibt stur. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so willensstark ist, meine Christine. Irgendwie bin ich stolz auf sie...
Macht's gut, Freunde, habt viel Spaß! Aber ... äh ... ihr könntet hier echt mal durchlüften! icon_razz.gif
LG Quälobert

Ach Berti, ich bin ganz gerührt… icon_wink.gif
Verfasst am: 20.02.2021 11:14
SmoSa
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Tag 35 meiner Nichtmehrraucher-Reise (22.07.2020)

Musste heute Morgen wegen frühem Arzttermin mit allem ein bisschen schneller machen als sonst. Geduscht und angezogen ... auf die Uhr geschaut ... erfreut festgestellt, dass noch locker Zeit ist, um eine zu rauchen. icon_eek.gif Wieder so eine dämliche Automatik... icon_rolleyes.gif

Geruchssinn hat sich definitiv verbessert. Merke das deutlich beim Katzenklo, beim Mülleimer, bei Abflüssen und wenn der Hund pupst. icon_eek.gif Leider konnte ich bei Wohlgerüchen bisher keine Verbesserung feststellen. icon_rolleyes.gif

Habe vermutlich unseren Junizug-Bachelor vergrault. icon_eek.gif Habe ihn als "Weiberer" bezeichnet. "Womanizer" hätte ihm vermutlich besser gefallen. Ist zwar im Prinzip das Gleiche, klingt aber besser. icon_cool.gif icon_lol.gif icon_wink.gif


Erkenntnisse:
Künftig 5 Minuten länger duschen, um nicht zu früh fertig zu sein.
Öfter Blumen kaufen, um den verbesserten Geruchssinn positiv zu triggern.
Sparsamer mit bayerischen Kraftausdrücken umgehen.
Verfasst am: 20.02.2021 14:10
SmoSa
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Tag 36 meiner Nichtmehrraucher-Reise (23.07.2020)

Habe darüber nachgedacht, warum sich mein verbesserter Geruchssinn auf unangenehme Gerüche beschränkt. Hatte gestern befürchtet, dass es wieder mal damit zu tun hat, dass ich mich so schwer damit tue, die positiven Veränderungen wahrzunehmen. Heute dann der Geistesblitz: Es liegt an meiner krummen Nasenscheidewand und die dadurch eingeschränkte Nasenatmung. Zumindest ist sie der Grund, warum ich draußen in der Natur nicht besser rieche als vorher. Weil ich schon bei geringer Anstrengung durch die Nase nicht genügend Luft bekomme und deshalb durch den Mund atmen muss. Und das Riechsystem sitzt nun mal in der Nase und nicht im Mund. Kaputtlachsmile.gif
Bin deshalb heute beim Gassigehen immer wieder mal ein Stück sehr langsam gegangen oder bin sogar stehen geblieben und habe ganz bewusst tief durch die Nase eingeatmet. Und siehe da ... äh ... und rieche da: Ich konnte ganz deutlich sehr viele unterschiedliche angenehme Gerüche wahrnehmen. Geht doch! Riesengrinser.gif

Erkenntnisse:
Die Lösung eines Problems findet sich nicht immer dort, wo man sie zunächst vermutet.
Über Nasen-OP nachdenken!


Mit den 35 Tagen auf meinem Zähler geht es mir eigentlich recht gut. Vor allem, weil die vierte und fünfte Woche deutlich schneller vergangen sind als die erste, zweite und dritte Woche. Dass die Zeit nicht mehr so quälend langsam vergeht, sondern langsam aber sicher wieder in "normaler" Geschwindigkeit, sehe ich als deutliches Zeichen, dass es in vielen Alltagssituationen inzwischen schon "normal" ist, nicht zu rauchen.
In Sachen Terrasse bin ich von dieser Normalität allerdings leider noch weit weg. Mittlerweile meide ich sie nicht mehr, sondern übe das Nichtmehrrauchen, aber wohl fühle ich mich noch nicht dabei. Ablenken funktioniert da nicht, weil ich halt auf der Terrasse bei sehr vielen verschiedenen Gelegenheiten geraucht habe ... beim Päuschen machen … beim Seele baumeln lassen ... beim Lesen ... beim Musik hören ... beim Telefonieren ... beim Kaffee trinken ... beim Feierabendbierchen trinken ... wenn ich den Laptop auf dem Schoss oder das Tablet in der Hand hatte. Ständig Bonbons lutschen oder was knabbern mag ich nicht ... und es hilft auch nicht wirklich. Was mir momentan noch am ehesten hilft ist die berühmte Strohhalm-Zigarette zu "rauchen" oder auf einem Holzstäbchen (z.B. von einem Eis am Stil) herum zu kauen.

Ich muss Quälobert unbedingt klar machen, dass die Terrasse mir gehört. MIR GANZ ALLEINE!!! icon_mad.gif