Was ist dieses Mal anders?


Verfasst am: 02.09.2021 12:21
bibra65
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Hallo,

ich eröffne mal ein neues Wohnzimmer.

Mir ist aufgefallen, dass mein "Absprung" dieses Mal anders ist. So regristriere ich z.B. derzeit, dass ich selbst in starken Stresssituationen so gar nicht ans Rauchen denke, oder z.B. auch in schönen geselligen Situationen (auch mit Rauchern dabei) so gar kein Verlangen spüre. Das kenne ich von früheren Aufhörversuchen so gar nicht. Also was war bzw. ist anders?

Anders war dieses Mal schon der Anfang. Ich mochte plötzlich nicht mehr rauchen. Die Zigarette hat mir tatsächlich nicht mehr geschmeckt. Irgendwie war da plötzlich so eine Art Ekel. Und gleichzeitig ist mir ganz klar bewusst geworden, wie schlecht es mir mit den Zigaretten geht. Körperlich, psychisch und wahrscheinlich auch seelisch.
Dadurch habe ich mir dieses Mal beim "Schmachten", selbst in den schlimmsten Momenten, immer gesagt: "das ist jetzt echt schwer auszuhalten, aber dir geht es selbst jetzt in diesem schlimmen Moment besser, als wenn ich jetzt ganz normal rauchen würde". Diese Überzeugung hat mich die schlimmsten Momente überstehen lassen.

Anders ist dieses Mal auch, dass mich (vorausgesagte) Hürden und Widerstände dieses Mal nicht hinfallen lassen. So z.B. mit der 3-Monats- oder 6-Monats-Hürde.. Früher war ich auch darauf gefasst, bin aber dann doch rückfällig geworden. Dieses Mal habe ich in den krassen Momenten gedacht: Wie dumm, wenn ich schon wieder in die gleiche Falle tappe. Genau diese Falle kenne ich doch.
Dieses Mal lassen mich Hürden und Widerstände erst Recht nicht rauchen. Warum nicht? Ich habe tatsächlich diesen Fixstern gefunden (von dem hier schon letztens jemand erzählt hat). Für mich steht dieser Stern über allem, er ist sozusagen am Wichtigsten. Er dominiert sozusagen alles andere. Und dieser Stern steht fürs Nichtrauchen.

Anders ist dieses Mal auch, dass ich bei meinen früheren Aufhörversuchen, wie ferngesteuert, irgendwann dann einfach losgegangen oder losgefahren bin, um mir Zigaretten zu kaufen. Mir war's plötzlich egal, ich dachte: "das muss jetzt sein, kann ja dann gleich wieder aufhören"
Dieses Mal bin ich tatsächlich auch zweimal, wie ferngesteuert, auf eine Tankstelle gefahren und gedacht, egal... Aber dieses Mal bin ich einfach nicht ausgestiegen. Ich saß dann da, habe mir mir gerungen und bin dann einfach wieder runtergefahren. Ich weiß gar nicht so recht, was mir durch den Kopf ging, aber ich habs dann halt einfach nicht gemacht. Ich glaube, mein Gefühl hat mich am Ende abgehalten.

Mal schauen, aber mir fallen bestimmt noch mehr Dinge ein. flowers.png

Uns einen schönen rauchfreien Tag!

Liebe Grüße von Biba





[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 02.09.2021 um 12:25.]
Verfasst am: 02.09.2021 13:53
Kirtan
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Hallo Biba,
was du schreibst empfinde ich als sehr spannend, weil ich mich in vielen Situationen wiedererkenne.
Nur meinen "Fixstern", den habe ich so bisher nicht verinnerlichen können. Besonders deine "ferngesteuerten Momenten" kenne ich genauso und den Gedanken, dann höre ich halt nochmal wann anders auf. Dieses Stadium habe ich für mich persönlich aber noch lange nicht überwunden. Danke also für deine Reflexion, sie gibt Mut irgendwann seinen "Fixstern" zu finden (ein tolles Bild übrigens) heart.png
Verfasst am: 02.09.2021 18:28
bibra65
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Dieses Mal ist anders, dass ich nach ca. 6 Monaten einen "Einbruch" hatte, Das Rauchverlangen war verstärkt wieder da und mir ging es nicht gut.
Komisch an der Geschichte war, dass ich dann bemerkte, dass es mir in erster Linie körperlich nicht gut ging. Es war somit gar nicht der psychische Druck, der mir zu schaffen machte, sondern mein Körper spielte "verrückt". Eine chronische Erkrankung von mir, die auch hormonell beeinflusst wird, flammte plötzlich extrem auf, nachdem ich jahrelang weitestgehend Ruhe gehabt hatte und schon dachte, ich wäre sie quasi los. Ich war wirklich sehr irritiert. Aber vielleicht passieren im Körper ja (extreme) Stoffwechselveränderungen, die mitunter erstmal auch negative Auswirkungen haben, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Ich würde zu gerne wissen, ob sich die Erkrankung auch so dermaßen wieder verschlechtert hätte, wenn ich ganz normal weitergeraucht hätte.

Jetzt ist wieder alles im Lot, aber mit diesem "Werdegang" hatte ich so gar nicht gerechnet. Mein Freund meinte, dass er das gar nicht komisch findet, denn ich hätte ja auch viele Jahre regelmäßig Gifte zu mir genommen, und somit wäre es nicht verwunderlich, wenn mein Körper dann mitunter so extrem reagiert. Auch noch plötzlich nach 6 Monaten.

Das muss ja auch nicht bei Jedem so sein, und wenn man vorbereitet ist, ist es alles gut icon_smile.gif

Grüße Biba
Verfasst am: 03.09.2021 12:12
bibra65
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Moin allerseits!

Dieses Mal ist anders, dass ich viel vorsichtiger geworden bin im Laufe der letzten Monate. Ich habe früher immer gedacht, ich wäre nach ein paar Wochen weitestgehend über'm Berg. Dieses Mal glaube ich tatsächlich an diese "mindestens 1 Jahr"-Dauer. Vorher konnte ich mir das immer gar nicht so recht vorstellen, dass man erst nach ca. 1 Jahr wirklich (weitestgehend) angekommen ist.

Ich bin aber auch der Meinung, dass es nicht nur darum geht, alles einmal ohne Zigarette zu erleben. Ich bin mittlerweile der Meinung (nach dem was ich erlebt habe), dass auch der Körper so lange braucht, um sich umzustellen, wieder seinen "Normalstatus" ohne Gifte zu erlangen. Und wenn es einem dann zwischendurch nicht gut geht, hat es nicht immer unbedingt nur was mit der inneren Einstellung etc. zu tun. Wahrscheinlich ist ein Zusammenspiel, so wie man z.B. in der Medizin ja auch grundsätzlich ganzheitlich therapieren sollte.

Grüße... icon_smile.gif icon_smile.gif

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 03.09.2021 um 12:15.]
Verfasst am: 03.09.2021 13:24
bibra65
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Dieses Mal ist auch anders, dass ich zwar "Schmacht" hatte und auch jetzt immer mal wieder habe, aber ich habe mir angewöhnt, wenn das Verlangen hartnäckiger ist, mir bildlich! vorzustellen, wie ich eine Zigarette anzünde und inhaliere. Einige Sekunden lang ganz bewusst dieses Bild sich anschauen und nachspüren: Wie würde die Zigarette schmecken? Wie würde ich mich dabei fühlen? Also auf keinen Fall völlig kopflos zur Zigarette greifen, sondern die paar Sekunden müssen sein!
Ich habe dann gefühlt immer einen schlechten Rauchgeschmack im Mund, einen unangenehmen Reiz in der Lunge, mir wird schwindelig, ein bisschen übel und es stinkt. Und das Verlangen ist in der Regel wieder weg.

Ablenkung ist ganz wunderbar und unabdingbar beim Rauchen aufhören, aber es gibt auch immer wieder mal
Momente, wo es auch sinnvoll ist, sich mit dem Verlangen, dem Drang ganz bewusst auseinanderzusetzen.

Bis danni flower.png
Verfasst am: 08.09.2021 12:03
bibra65
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Guten Morgen!

Anders ist dieses Mal, dass mein Gefühl von Anfang an "mitgespielt" hat. Klar hatte ich auch heftigste Schmachtattacken, ausgelöst durch Gedanken und Gefühle, aber es ist dieses Mal anders, es gibt so etwas wie einen Stopppunkt. Und dieser Punkt wird nicht allein durch meinen Kopf ausgelöst, sondern (in bestimmten Situationen) vorrangig durch mein Gefühl.

Ich finde es auch einleuchtend, denn in sehr emotionalen Momenten (Wut, Ärger, Frust, Angst, aber auch starkes Belohnungsverlangen, oder starke Glücksgefühle) wird man meist von diesen Gefühlen erst einmal kurzfristig überschwemmt. Der Verstand tritt etwas in den Hintergrund und die Gefühle haben "Oberwasser". Und wenn das Gefühl, dir nach wie vor sagt: Rauchen ist gut, beruhigt, hilft, belohnt, steigert sogar noch doch deine Glücksgefühle und Zufriedenheit, dann ist doch ganz logisch, dass man genau in diesen Situationen zur Zigarette greift.
Ich verstehe Alan Carr jetzt, wenn er immer gesagt hat, dass nur die reine Willenskraft nicht zum Erfolg führt (ich habe nie wirklich verstanden, was er damit meint).

Wie ich zu diesem Gefühl gekommen bin, kann ich gar nicht so recht sagen. Es ist quasi plötzlich von ganz alleine entstanden, war mir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht so bewusst wie jetzt. Ich glaube, am Ende haben mich meine vielen Aufhörversuche (die alle vorrangig kopfgesteuert waren) dahin geführt. Deshalb glaube ich, dass es unabdingbar ist. am Ball zu bleiben. Egal wie oft man hinfällt, immer wieder aufstehen und nochmal anfangen. Irgendwann klappt es ganz bestimmt!

Ich rauche nicht mehr weil:

mein Gefühl mir sagt, dass ich es nicht will und

mein Kopf mir sagt, dass ich es so fühle


Verfasst am: 08.09.2021 12:20
Morgenlicht
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Hallo Biba,

Habe mich mit großem Interesse durch Dein Wohnzimmer gelesen und wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Freude beim Nichtrauchen.

Du schreibst von einer drei Monatshürde und einer sechs Monatshürde ohne zu sagen worum sie besteht.ich wäre ganz arg dankbar, wenn du mir mitteilen könntest was da auf den ex Raucher / in zu kommt, denn ich begabt darin in jedes Loch zu fallen und möchte mich daher vorbereiten in der Hoffnung diese Hürden zu nehmen.

Ganz ganz herzlichen Dank und alles Liebe und Gute
Morgenlicht
Verfasst am: 08.09.2021 12:26
bibra65
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zu letztem Text wollte ich zum Schluss noch anfügen:

Irgendwann zieht auch das Gefühl nach!

Liebe Grüße an Alle
Verfasst am: 08.09.2021 17:29
Morgenlicht
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Liebe Bibra,

Ganz herzlichen Dank für deine Worte in meinem Zelt.

Jetzt ist mir schon viel wohler, da ich doch nun mehr weiß, was auf mich zukommen kann.

Ja ich bin vorher ein paar Mal hingefallen und bevor ich mich versah war ich dann in der rauchfrei Phase, in der mich jetzt noch befinde. Es wackelt alles ein bisschen im Moment.

Was es mir diesmal sehr schwer gemacht hat, war das ich mit den fünften Tag fast schlagartig in eine schwere Depression gerutscht bin. Ich habe dann erfahren, dass sowas durchaus beim Rauchstopp passieren kann, nur leider traff es mich völlig unvorbereitet.

Da ich jetzt von den magischen drei und sechs Monaten weiß, werde ich wenn es mich trifft, hoffentlich nicht so sehr den Boden unter den Füßen verlieren, wie es mir in dieser Depression passiert ist.

Die Sache die du schreibst, mit dem Gefühl, das noch hinterher kommt hört sich auch faszinierend an. Ich glaube bin etwas zu schnell gelaufen für mein Gefühl. Ich will Mal ein wenig warten und hoffen dass es mich einholt.

Ganz herzlichen Dank für all deine Erfahrungen und Worte und herzliche Grüße
Morgenlicht
Verfasst am: 09.09.2021 12:36
bibra65
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Hallo,

Anders ist dieses Mal auch, dass meine Erwartungshaltung bezüglich des Nichtrauchens nicht so hoch war, wie bei den vorausgegangen Versuchen. Natürlich habe ich und verspreche ich mir nach wie vor viel davon, aber ich glaube sie waren von Anfang an, will mal sagen, gemäßigter.

Somit konnte und kann ich mit Tiefpunkten, die ich natürlich auch jetzt noch habe, und die vor allem während der schweren Entzugsphasen besonders hochkamen, viel besser umgehen. Mir war klar, das gehört zum Aufhören (in der Regel) einfach dazu und auch als Nichtmehrraucher wird nicht immer alles nur eitel Sonnenschein sein.

Und das Schönste daran ist, dass diese neue innere Gelassenheit zunimmt mit den Tagen des Nichtrauchens. Vieles was vorher so überirdisch wichtig erschien, ist jetzt auch noch super wichtig, aber immer mit einer ruhigeren Gelassenheit im Hintergrund.

Uns einen weiteren schönen Sommertag!
Verfasst am: 09.09.2021 15:48
bibra65
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Dieses Mal ist anders, dass ich der Zigarette von Anfang an nicht wirklich hinterhergetrauert habe. Natürlich kam ein Gefühl von Leere auf, der Wunsch nach Belohung war mitunter sehr stark, einmal sogar eine kleiner Anflug von Wehmut, es fehlte einfach plötzlich etwas ganz vehement in meinem Leben. Aber ich spürte irgendwie von Anfang an, dass die Zigarette diese "Bedürfnisse" nicht wirklich ausfüllen kann.

Dieses Mal habe ich zwar in den Momenten auch ans Rauchen gedacht, aber es war mehr so eine Art Automatismus, unemotional, eine Art Gier, ohne jegliche Verklärtheit oder Romantik . Ich habe die Zigarette einfach nicht mehr als etwas gesehen, das zu mir gehört und mir in irgendeiner Weise guttut.

butterflyflower.png

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 09.09.2021 um 15:49.]
Verfasst am: 13.09.2021 22:39
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Guten Abend!

Dieses Mal ist anders, dass ich nicht so sehr auf die Zunkunft gehofft habe, sondern mich vorwiegend um das Jetzt "gekümmert" habe.

Die ersten 2, 3 Wochen habe ich mich tatsächlich an das Später geklammert, also daran, dass es mir ja wohl nach dieser Zeit besser gehen sollte. Als dieser Zeitraum vorüber war und ich entspannter wurde, habe ich mich wieder vermehrt auf das Jetzt konzentriert. Natürlich habe ich auch weiterhin gehofft, dass die Zeit für mich läuft und es immer leichter werden wird, aber diese Gedanken liefen dieses Mal eher im Hintergrund.

Ich habe dieses Mal viel mehr geschaut, was hilft mir Jetzt? Was kann ich mir Jetzt Gutes tun? Wie gehe ich Jetzt mit dieser Situation um? Das Morgen oder Übermorgen war zweitrangig, weil ich gemerkt habe, dass die vorrangige Hoffnung darauf mir nicht wirklich hilft. Immer nur auf eine bessere Zukunft warten, abwarten... war und ist für mich dieses Mal weder zielführend noch hilfreich.

Uns eine Gute Nacht!
Verfasst am: 16.09.2021 21:06
bibra65
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Dieses Mal ist anders, dass ich von Anfang das Gefühl hatte, ich gehe dieses Mal wirklich MEINEN Weg. Dieser Weg war anfangs wirklich anstrengend, er war mitunter steinig und auch sehr neblig. Aber ich bin quasi einer roten Linie auf dem Boden gefolgt, unbeirrt vom Wetter, Hindernissen oder anderen Widrigkeiten. Deshalb fühlt es sich so sehr nach meinem ganz persönlichen Weg an.

Ich bin mittlerweile auch viel toleranter geworden, was das "falsch" und "richtig" für diese Reise anbelangt. Wenn hier manchmal Dinge geschrieben werden, mit denen ich eigentlich gar nicht konform gehe, habe ich "früher" sofort gedacht: "Ach nein, das ist jetzt falsch bei dem Anderen, so kommt er nicht ans Ziel". Ich habe gedacht, es gibt letztlich nur den einen einzigen Weg, der für alle gültig ist.
Das sehe ich jetzt ganz anders, denn ich denke jeder Weg, und erscheint er noch so aussichtslos für einen Ausstehenden, ist für denjenigen, der ihn gerade geht, wohl genau der richtige bzw. halt eben sein ganz persönlicher Weg.

Schönen Abend noch!
Verfasst am: 17.09.2021 22:17
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Dieses Mal ist anders, dass ich mittlerweile überzeugt bin, dass es kein absolutes Ende dieser "Reise" geben wird bzw. keinen richtigen Schlusspunkt. Den Schlusspunkt habe ich mit der letzten gerauchten Zigarette gesetzt und dann habe ich einen ganz neuen Weg eingeschlagen, eine Reise in ein anderes (Da)Sein begonnen.

Natürlich werde ich irgendwo ankommen (oder bin auch schon da..) aber dennoch wird ein Teil, die Erinnerung des Rauchens immer bleiben und somit werde ich nie sagen können: So das war's, Thema Rauchen ist ein für allemal abgehakt und spielt zu 100% keine Rolle mehr in meinem Leben. (früher dachte ich immer, dass dieser Punkt irgendwann mal kommt).
Aber ist letztlich auch logisch, dass es nicht möglich ist, schließlich war das Rauchen sehr lange ein gewichtiger Teil von mir. Hat mich sozusagen ständig überallhin begleitet, war ständig präsent. Und diese Erinnerung kann ich niemals auslöschen, wie denn auch?...

Aber es ist auch gar nicht sinnvoll, sie auszulöschen, bewahrt sie mich doch vor Wiederholung. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Erinnerung ans Rauchen keineswegs positiv besetzt sein darf, sonst bleibt das Nichtrauchen ein ewiger Kraftakt, der auf lange Sicht nur sehr schwer durchzuhalten ist

In diesem Sinne eine Gute Nacht!

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 17.09.2021 um 22:19.]
Verfasst am: 18.09.2021 17:33
bibra65
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Hallöle,

So ich schreibe nun auch mal auf, was sich denn bisher verändert hat..

Also zuallererst die Veränderungen der Sinne:
Ganz vorne der Geruchssinn, ich rieche halt viel mehr und auch intensiver. Was dabei interessant ist, dass mir das nicht ständig auffällt, sondern eher so plötzlich. Hat natürlich nicht nur Vorteile, letztens Autoabgase stark wahrgenommen, war ziemlich unangenehm icon_frown.gif Aber dann auch wieder den Duft von Blumen, Wald und Wiesen icon_smile.gif
Geschmackssinn habe ich dieses Mal keine große Veränderung bemerkt.
Ich habe den Eindruck, dass ich auch einen Tick besser sehe, aber vllt. ist das nur Einbildung.

Dann natürlich mehr Energie, was nicht heisst, dass ich ständig was machen muss, aber ich bin grundsätzlich viel aktiver als vorher. Als Raucher war ich irgendwie immer etwas schlapp und lustlos. Ich laufe jetzt z.B. viel mehr. Kurze Wege, die ich als Raucher oft aus Faulheit mit dem Auto gemacht habe, mache ich jetzt zu Fuß. Ich zwinge mich nicht dazu, es macht mir absolut nichts aus zu laufen, im Gegenteil. Überhaupt gehe ich täglich mindestens 1 Stunde spazieren (wenn ich arbeiten muss etwas weniger..) und es geht mir gut dabei icon_smile.gif Überhaupt ist körperliche Betätigung viel weniger anstrengend geworden. Als Raucher hing ich oft mit den Zigaretten irgendwie rum, habe mich nicht gut damit gefühlt, und war irgendwie vernebelt. Jetzt bin ich viel klarer, wacher, kann mich besser konzentrieren und bin gleichzeitig aber grundsätzlich innerlich ruhiger.

Ich glaube sowieso, dass sich Grundsätzliches verändert hat. So habe ich z.B. auch noch schlechte Stimmungen, auch nach wie vor depressive Gedanken und Gefühle, aber sie sind insgesamt "kürzer" geworden. Das heisst, sie gehen schneller wieder weg und vor allem gehe ich (unbewusst) aktiv dagegen an. So z.B. mit einem Spaziergang oder etwas anderem Schönen, was mir gut tut. Als Raucher habe ich mich diesen schlechten Stimmungen ergeben, sie einfach hingenommen und abgewartet.. Ich war dem Ganzen regelrecht ausgeliefert. Ich fühlte mich ausgeliefert. Jetzt fühle ich mich grundsätzlich Situationen nicht mehr so ausgeliefert, ich weiß und fühle jetzt, dass ich was tun kann. Und ich habe die Energie und einen stärkeren Willen, es auch wirklich zu tun.

Liebe Grüße an Alle!



Verfasst am: 20.09.2021 22:21
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Guten Abend!

Anders ist dieses Mal, dass ich mir (mittlerweile!) gar keine Gedanken mehr darüber mache, was mich rückfällig werden lassen könnte. Ich habe vorhin in einem WoZi gelesen, dass im Alltag das Nichtrauchen leicht fällt, man sich aber fragt, ob eine Ausnahmesituation, wie starker Alkoholrausch, eine schlimme Erkrankung oder sonst etwas Schlimmes Einen wieder rückfällig werden lassen könnte. Genau diese Gedanken hatte ich bisher auch immer während meiner Aufhörversuche. Dieses Gefühl: Jaaaa, so lange alles im ruhigen Fahrwasser verläuft, ist ja gut, aber was mache ich wenn...

Dieses Mal mache ich mir darüber so gar keine Gedanken..... Warum nicht?? Ich glaube auf keinen Fall, dass ich mir zu 100% sicher bin, dass ich nicht zur Zigarette greifen würde.., aber ich bin mir dieses Mal zu 100% sicher, dass ich sehr sehr zeitnah wieder aufhören würde und das auch schaffen würde. Diese Angst vor der Einen, Zwei oder Drei ist (inzwischen) nicht mehr wirklich da. Ich habe keine Angst mehr, der Sucht wieder vollends zu verfallen. Diese Angst belastet mich nicht mehr, und deshalb denke ich auch nicht mehr sorgenvoll darüber nach, was wäre wenn..

(Was natürlich keineswegs heisst, dass ich es einfach mal ausprobieren würde. Ich rede hier von Extremsituationen, wo ich früher immer Angst hatte, dass ich dann rückfällig werden könnte)

Schon interessant wie sich Dinge ändern icon_smile.gif

Liebe Grüße flowerorange.png

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 20.09.2021 um 22:27.]
Verfasst am: 21.09.2021 22:04
bibra65
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Guten Abend,

das ist ja schön, wenn der eine oder andere ein bisschen was mitnehmen kann. Mir geht es beim Lesen in anderen WoZi auch öfters so.. Ich habe eben selber nochmal gelesen bei mir, und mir ist aufgefallen, dass ich mich auch jetzt noch immer mal wieder "verändere", es findet nach wie vor eine Art Entwicklung statt.

JulieWolke schrieb:

Nur die Frage, warum ich mal nach 5 Monate wieder anfing mit dem Rauchen, verunsicherte mich schon etwas.

Genau diese Situation kennen sicherlich ausnahmslos alle hier. Muss ja nicht 5 Monate sein, kann auch 3
Wochen oder 2 Jahre sein, aber eben rückfällig werden. Am Ende ist es gar schwieriger Nichtmehrraucher zu bleiben, als einer zu werden.

Aber vielleicht sollte man das Ganze mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten, nämlich nicht immer nur die Niederlage sehen, dass man nach z.B. 5 Monaten rauchfrei wieder rückfällig geworden ist, sondern auch den Sieg sehen, dass man es geschafft hat, 5 Monate rauchfrei zu sein. Aufstehen, sich den Staub von der Hose klopfen und sagen: "Okay, blöd dass ich wieder rauche und sich gleichzeitig aber auch sagen: "Aber immerhin, 5 Monate habe ich durchgehalten, richtig super, darauf kann ich stolz sein und das schaffe ich auch wieder".

Und sich natürlich fragen, wie es dazu gekommen ist. Und auch in sich hineinhorchen, was die Zigaretten einem noch bedeuten. Wirklich versuchen ehrlich zu sein. Auch das Gefühl zu hinterfragen. Was bedeuten mir Zigaretten, was verbinde ich damit, habe ich irgendwo noch positive Gedanken oder Gefühle? Ich glaube, dass es wichtig ist, da zu schauen, denn ich bin bei mir mittlerweile der Meinung, dass ich bei meinen vorherigen Aufhöraktionen, nie wirklich endgültig das Rauchen sein lassen wollte. Irgendwo war da immer noch ein kleiner Teil, der mir sagte; "ach ja, war doch auch ganz nett, oder half mir oder oder..." Somit hatte ich von Anfang an nicht wirklich vor, endgültig für immer aufzuhören. Im Kopf vielleicht schon, aber im Gefühl eher nicht...

Na ja, eine gute Nacht!


[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 21.09.2021 um 22:06.]
Verfasst am: 27.09.2021 00:45
bibra65
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Hallo zu später Stunde...

Ich lese hier öfters von den ausbleibenden Glücks- und Befreiungsgefühlen... Und die Enttäuschung darüber, dass sie sich nicht so recht zeigen..

Also (irgendwie) befreit fühle ich mich schon. Jetzt nicht soooo stark, dass ich es direkt als Erlösung empfinde, aber schon angenehm, diesen ständigen Druck rauchen zu müssen, nicht mehr zu haben. Das ist mir aber nicht permament bewusst, sondern jetzt, wo ich darüber nachdenke.

Regelrechte Glücksgefühle über das Nichtmehrrauchen sind und waren bisher nicht sonderlich ausgeprägt und ich glaube auch nicht, dass sie jetzt nach dieser Zeit plötzlich stark auftreten werden.
Ich komme eigentlich immer mehr dahinter, dass das Nichtmehrrauchen einerseits vieles bei mir tatsächlich verändert, weil ich z.B. anders reagiere bzw. meine Gefühle einfach aushalte (bzw. aushalten muss und es geht tatsächlich auch ohne Rauchen icon_smile.gif ), und andererseits aber auch nicht soooo große Veränderungen stattfinden, wie ich evtl. anfangs geglaubt habe. Das Nichtmehrrauchen wird halt zur Normalität, es wird weniger aufregend, es wird alltäglich, es wird zur Routine...
Aber dennoch: ich kann mich nach wie vor immer wieder darüber freuen, nicht mehr zu rauchen, wenn ich es mir bewusst mache. Das ist wohl wichtig, mir das zwischendurch immer mal wieder klar zu machen, welchen unglaublichen Gewinn ich damit erzielt habe.

Schlaft schön!
Verfasst am: 27.09.2021 05:18
daufi
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ich denke das ist immer die eigene Einstellung dazu über das "Glücksgefühl"zuempfinden... der andere mehr /weniger oder größer /kleiner

im Endeffekt zählt doch Gott sei dank / Dank sei Gott wir müssen nicht mehr
banghead.gifbanghead.gifbanghead.gif


liebe Grüße die daufiRiesengrinser.gif
Verfasst am: 27.09.2021 21:06
bibra65
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Guten Abend,

hier wird immer mal wieder thematisiert, warum Zigaretten nicht so wie andere Drogen behandelt werden. Alkohol- oder Tabelettensüchtige können sich ja z.B. stationär behandeln lassen auf Kosten der Krankenkasse. Alkoholsucht wird als Krankheit anerkannt, wobei die Zigarettensucht nicht "gleichwertig" behandelt wird.

Man fragt sich, warum das eigentlich so ist. Ist es tatsächlich wegen der Steuereinnahmen, die der Staat von den Rauchern erhält? Sicherlich...
Mir ist aber letztens der Gedanke gekommen, dass es wahrscheinlich auch zum großen Teil daran liegt, dass man als Raucher trotz seinem täglichen (oft auch hohen Konsum) dennoch arbeitsfähig ist. Vielleicht sind die Leistungen beim Raucher unterm Strich geringfügig schlechter als beim Nichtraucher... aber dennoch sind wohl die meisten Raucher in der Regel viele Jahre (oft bis zum Renteneintritt) noch voll einsatzfähig. Das trifft auf den Alkoholiker eher nicht zu.

Ganz nach dem Motto: "Hauptsache der Laden läuft" icon_confused.gif