Dem Rauchstopp einen „freundlichen Stups“ geben

23.08.2017  - Stellen Sie sich folgende Szenerie vor: eine Treppe mit ca. 25 Stufen und daneben eine Rolltreppe, die Sie mühelos eine Etage höher gleiten lässt. Für welche Option entscheiden Sie sich?

Die Antworten auf diese Frage werden ganz unterschiedlich ausfallen. Manche werden aus Bequemlichkeit die Rolltreppe wählen oder weil sie es meist eilig haben. Andere nehmen vielleicht aus Gewohnheit immer die Treppe. Wie verändert sich nun Ihre Entscheidung, wenn Sie sich vorstellen, dass das Tempo der Rolltreppe gedrosselt wird – so dass sie Sie deutlich langsamer nach oben transportiert?

Leckerer Salat: zum Greifen nahe

Und schon sind wir mittendrin in einem Thema, das Sie für Ihren Rauchstopp nutzen können. Fachleute sprechen von „Nudging“, was auf Deutsch soviel wie „Anstoßen“ oder „Anstupsen“ bedeutet. Eine kleine Veränderung in der Umgebung („die Rolltreppe bewegt sich langsamer“) gibt einen Anstoß für eine (eventuelle) Verhaltensänderung: die Treppe nehmen. Diskutiert wird dieser Ansatz zum Beispiel, wenn es darum geht, Menschen bei für sie nützlichen (zum Beispiel gesunden) Entscheidungen zu unterstützen – eben einen Stups zu geben. Lecker angerichteter Salat in der Kantine wäre noch so ein Beispiel für einen freundlichen Stupser. Freundlich ist der übrigens vor allem deshalb, weil wir uns ja auch immer für die – zum Beispiel weniger gesunde – Alternative (zum Beispiel das Fleisch in der Kantine) entscheiden können.

Wenn die Augenhöhe das Verhalten steuert

Es passiert häufiger als wir denken, dass unsere Umgebung unser Verhalten beeinflusst. Bei Kindern ist es offensichtlich: Platziert man Süßigkeiten auf Augenhöhe, ist schnell ein „Greifreflex“ zu beobachten.

Wenn die Zigaretten neben dem Telefon liegen, reagieren Raucherinnen und Raucher häufig in ganz ähnlicher Art und Weise. Noch ein Beispiel: Die gemütliche Raucherecke auf dem Balkon, neben der schönen Pflanze und abgeschirmt von den Blicken der Familie: Klar, dass nach einem Rauchstopp dort wieder der Gedanke an eine Zigarette aufkommt – wenn man nichts verändert, als nur den Aschenbecher wegzuräumen. Gestalten Sie dagegen den Balkon um, verliert die Ecke schnell ihren „Signalcharakter“.

Die Umgebung kann den Rauchstopp erleichtern

Sie können also eine Umgebung schaffen, die Ihren Rauchstopp erleichtert. Gesunde und leckere Lebensmittel, gut platziert (auf Augenhöhe) im Kühlschrank, lassen eher danach greifen als zur (eventuell im Keller deponierten oder gar nicht erst gekauften) Chipstüte – ein gutes Mittel gegen unerwünschte Gewichtszunahme nach einem Rauchstopp. Oder stellen Sie Ihre Laufschuhe doch einmal direkt an die Eingangstür. Dadurch steigen die Chancen, dass Sie sie tatsächlich anziehen und eventuellen Entzugserscheinungen davonlaufen (mehr zum Stichwort Bewegung). Ein selbst gemachter, wenig gesüßter Eistee erfüllt die Funktion eines gesunden Durstlöschers und ist eine leckere Alternative zur gekauften Limonade. Und so weiter: Schaffen Sie auf diese Weise gesunde Anstupser und reduzieren Sie die Reize, die mit dem Rauchen verknüpft sind.

Fragen Sie auch im rauchfrei-Forum nach Tipps zur Gestaltung einer „rauchstopp-freundlichen“ Umgebung.

Quellen:
Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness (by Richard H. Thaler, Cass R. Sunstein)