Den Entzugserscheinungen einfach davon laufen?

26.10.2016  - So mancher Rauchstopp bringt Entzugserscheinungen mit sich, vor denen die Betroffenen am liebsten davon laufen würden. Und genau das sollten sie auch tun: laufen, gehen und alles andere, was mehr Bewegung in Ihr Leben bringt.

Denn Bewegung dämpft erwiesenermaßen die unangenehmen Begleiterscheinungen eines Rauchstopps. Dazu können zum Beispiel Konzentrationsstörungen zählen oder Momente, in denen das Verlangen nach der Zigarette sehr stark werden. Für alle, die noch vor ihrem Rauchstopp stehen und Angst vor möglichen Entzugssymptomen haben, gibt es am Ende dieses Textes eine gute – weil optimistische – Nachricht.

Aber es lohnt sich auch den Text dazwischen zu lesen – übrigens für jede/n, ganz unabhängig vom Thema Rauchstopp. Denn inzwischen häufen sich die wissenschaftlichen Studienergebnisse darüber, wie wohltuend Bewegung für den Menschen ist. Sie stärkt zum Beispiel die Abwehrkräfte und kann nach Krankheiten die Genesung beschleunigen. In der Phase der Tabakentwöhnung hilft regelmäßige Bewegung dabei, mögliche Entzugserscheinungen in Schach zu halten und sorgt gleichzeitig für eine wirksame Ablenkung vom Rauchen.

„Zählt“ auch als Bewegung: Gehen und Tanzen

Warum schreiben wir „Bewegung“ und nicht „Sport“? Sicher, sportliche Aktivitäten wie Schwimmen oder Laufen leisten – wenn sie nicht übertrieben werden – einen besonders großen Dienst an der Gesundheit. Aber auch rasches Gehen und Tanzen zählen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den Aktivitäten mit einer positiven Bilanz für die Gesundheit. Schon 15 Minuten moderater Bewegung dieser Art pro Tag (95 Minuten pro Woche) haben eine – im statistischen Sinne – lebensverlängernde Wirkung (im Vergleich zu einem inaktiven Lebensstil). Empfohlen werden von der WHO allerdings 150 Minuten Bewegung pro Woche, solange es sich um Bewegungsarten mit geringer Intensität handelt. Bei stärker fordernden Sportarten wie Schwimmen, Laufen oder Radfahren lautet die Empfehlung: 75 Minuten in der Woche. Wer länger keinen Sport gemacht hat, stark übergewichtig ist oder eine Vorerkrankung hat, sollte das Training mit seiner Ärztin oder seinem Arzt absprechen.

Beim Thema ‚Sport und Bewegung‘ zeigen sich also schon frühzeitig positive Effekte – auf die Gesundheit allgemein und den Rauchstopp im Besonderen.

Bewährte Tipps aus der Praxis:

  • Jede zusätzliche Bewegung im Alltag zählt: Nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug. Steigen Sie zwei Haltestellen früher aus und gehen Sie den Rest der Strecke zu Fuß. Planen Sie mit Freundinnen und Freunden eine längere Wanderung. Es gibt viele Möglichkeiten, das tägliche Bewegungspensum zu erhöhen. Ihnen fallen bestimmt selber viele ein, wenn Sie erst einmal darüber nachdenken. Schreiben Sie Ihre Ideen auf einen Zettel und hängen Sie diesen zum Beispiel in den Flur oder an die Innenseite der Wohnungstür. So fällt Ihr Blick regelmäßig auf Ihre Bewegungsideen und sie gehen ihnen nicht „verloren“.
  • Sport-Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger sollten langsam anfangen, zum Beispiel indem sie immer abwechselnd eine Minute lang Gehen und Laufen. Später können die Zeiten dann immer mehr gesteigert werden.

Entzugserscheinungen – erstens häufig gar nicht so schlimm ...

Und jetzt kommt noch die zu Beginn angekündigte gute Nachricht für alle, die ihren Rauchstopp noch vor sich haben und die sich vor Entzugserscheinungen fürchten: Etwa die Hälfte derjenigen, die mit dem Rauchen aufhören, haben keine Entzugserscheinungen. Die andere Hälfte berichtet zwar über unangenehme Begleiterscheinungen der Tabakentwöhnung, die aber zum Teil nicht sehr ausgeprägt sind.

… und zweitens lässt sich was dagegen unternehmen

Und für den Teil der Rauch-Aussteigerinnen und Aussteiger, die mit heftigeren Symptomen zu kämpfen haben, gilt: Es gibt Möglichkeiten, diese Entzugserscheinungen positiv zu beeinflussen, unter anderem durch Bewegung, aber auch durch andere Maßnahmen. Mehr dazu unter Aufhören

Siehe auch: Adrian H. Taylor, Michael H. Ussher, Guy Faulkner (2007); The acute effects of exercise on cigarette cravings, withdrawal symptoms, affect and smoking behaviour: a systematic review; Addiction 102 (4), 534–543.
http://www.aerzteblatt.de/archiv/122699/Praevention-Schon-15-Minuten-Bewegung-taeglich-senken-Mortalitaet

http://www.lzg.gc.nrw.de/themen/Gesundheit_schuetzen/praevention/zentrum_bewegungsfoerd/empfehlungen/