„Dritthandrauch“: Tabakrauch hinterlässt giftige Rückstände

06.04.2016  - Dass das Rauchen von Zigaretten und anderen Tabakprodukten gesundheitsschädlich ist und das Leben verkürzen kann, wissen inzwischen die meisten Menschen. Auch das Gesundheitsrisiko durch das unfreiwillige Einatmen des Tabakrauchs anderer Menschen, gemeinhin als „Passivrauchen“ bezeichnet, hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Weitaus weniger bekannt – und auch weniger erforscht – sind die Risiken, die vom sogenannten „Dritthandrauch“ ausgehen. Das Wort ist die Übersetzung des englischen Begriffs „Third Hand Smoke“. Passivrauchen wird im Englischen als „Second Hand Smoking“, der „Third Hand Smoke“ (oder eben „Dritthandrauch“) ist die logische Fortführung des Begriffs. Mit Dritthandrauch sind nämlich für das menschliche Auge unsichtbare Rückstände des Rauchs, zum Beispiel auf Oberflächen von Möbeln, in Kleidungsstücken, Teppichen oder Vorhängen gemeint. Diese Partikel können wieder in die Raumluft abgegeben werden und über die Atemwege in den Organismus von Kindern und Erwachsenen gelangen. Auch über die Haut können die Substanzen aufgenommen werden. Ein Artikel, der jetzt in der Fachzeitschrift 'Umwelt Medizin Gesellschaft' veröffentlicht wurde, widmet sich dem Thema Dritthandrauch und hat interessante Forschungsbefunde zusammengetragen.

Genauer betrachtet werden in dem Fachartikel vor allem die sogenannten „tabakspezifischen Nitrosamine“, die sich zum einen bereits im Tabak befinden, bevor er verbrannt wird. Aus früheren Untersuchungen weiß man, dass zusätzlich auch beim Rauchen selbst, also beim Verbrennen des Tabaks, aus dem darin enthaltenen Nikotin tabakspezifische Nitrosamine gebildet werden. Dieser Prozess vollzieht sich vor allem im sogenannten Nebenstromrauch, also dem Rauch, der beim Verglimmen der Zigarette entsteht. Es gibt verschiedene tabakspezifische Nitrosamine, einige davon sind Studien zufolge krebserregend. Beim Rauchen werden die Nitrosamine (und weitere giftige Stoffe) in die Raumluft abgegeben.

Untersuchungen konnten nun zeigen, dass dieser Prozess der Umwandlung von Nikotin in tabakspezifische Nitrosamine auch im Dritthandrauch erfolgen kann. Die Autoren beschreiben, dass der Rückstand des Tabakrauchs als „Reaktor“ wirkt, in dem aus Nikotin – in Verbindung mit salpetriger Säure in der Raumluft – verschiedene tabakspezifischen Nitrosamine gebildet werden können. Die Fachleute zitieren unter anderem eine Studie, in der tabakspezifische Nitrosamine im Hausstaub von Wohnungen von Raucherinnen und Rauchern nachgewiesen wurden.

Vor allem Kinder – insbesondere kleine Kinder, die durch die Wohnung krabbeln -  sind durch die Tabakrückstände gefährdet. Eine weitere Gefahrenquelle für die Kleinen: Tücher, an denen die Kinder oft und lange nuckeln. Auch in dem Gewebe dieser Nuckeltücher können Rückstände des Rauchs enthalten sein, die dann von den Kindern über den Mund aufgenommen werden.

In dem Fachartikel geht es vor allem um den Nachweis der Giftstoffe in den Tabakrückständen und die möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Erwachsenen und Kindern. Wie viele Menschen von Gesundheitsschäden durch Dritthandrauch betroffen sind, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen bzw. stand auch nicht im Fokus des Artikels. Dennoch kann Vorsicht im Umgang mit Rückständen des Tabakrauchs empfohlen werden.

Für rauchende Eltern bedeuten die Ergebnisse vor allem eines: Rauchen Sie nicht im Haus und bringen Sie Ihre Kinder nicht in Kontakt mit verrauchter Kleidung und anderen Textilien. Gleiches gilt für Haut und Haar der Eltern, die ebenfalls mit den Giftpartikeln behaftet sein können. Innenräume sollten immer komplett rauchfrei bleiben. Für den einen oder die andere sind die Befunde zum Dritthandrauch vielleicht auch ein Anreiz für einen Rauchstopp, mehr zu diesem Thema unter Rauch-Ausstieg.

Quelle:
Obenland H. u. Hien W (2105). Krebsgefahr für Kinder durch Tabakrauch-Rückstand (Thirdhand smoke) in Umwelt Medizin Gesellschaft (4/2015)