Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp: Studie zeigt Veränderungen der Darmflora

29.01.2014  - Fragt man Raucherinnen und Raucher, was sie von einem Rauchstopp abhält, sprechen viele eine Gewichtszunahme an, die sie als Folge der Tabakentwöhnung befürchten.

Und tatsächlich nimmt ein Teil der Menschen nach einem Rauchstopp an Gewicht zu. Konkrete Zahlen liefert ein Faktenblatt des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Demnach legen vier von fünf ehemaligen Raucherinnen und Rauchern innerhalb der ersten ein bis zwei Jahren nach dem Rauchstopp im Schnitt etwa 4,5 kg zu. Bei Frauen fällt die Gewichtszunahme allerdings etwas stärker aus als bei Männern. Langfristige Untersuchungen zeigen, dass Frauen zehn Jahre nach der letzten Zigarette im Schnitt 5 kg mehr wiegen als vor dem Rauchstopp, Männer etwa 4,4 kg. Ungefähr 13% der Frauen und 10% der Männer nehmen mehr als 13 kg zu. Andere wiederum halten ihr Gewicht oder nehmen in dieser Zeit sogar etwas ab. Bei der Einordnung dieser Werte muss zudem berücksichtigt werden, dass auch viele Menschen, die nie geraucht haben, innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren einige Pfunde zulegen.

Als Gründe für die Gewichtszunahme werden ein gedrosselter Stoffwechsel sowie eine vermehrte Kalorienaufnahme nach dem Rauchstopp diskutiert: Der Organismus verbrennt im Ruhemodus weniger Energie, gleichzeitig greifen viele statt zur Zigarette verstärkt nach Süßigkeiten und Snacks – die veränderte Kalorienbilanz führt dann ui mehr Kilos auf der Waage.

Nun hat ein Forschungsteam aus Zürich Hinweise auf eine weitere mögliche Ursache für das Gewichtsplus nach dem Rauchstopp gefunden. Offenbar verändert sich bei Nichtraucherinnen und Nichtrauchern die Zusammensetzung ihrer Darmflora. Über einen Zeitraum von neun Wochen wurden die Stuhlproben von 20 Versuchspersonen untersucht – in der Untersuchungsgruppe waren jeweils fünf rauchende und fünf nichtrauchende Personen sowie zehn Teilnehmende, die in dieser Zeit einen Rauchstopp unternahmen. Bei den Rauchenden und Nichtrauchenden ergaben sich im Untersuchungszeitraum keine Veränderungen ihrer Darmflora – ganz im Gegensatz zu den Probandinnen und Probanden, die mit dem Rauchen aufgehört hatten: Bestimmte Bakterienstämme breiteten sich in ihrem Verdauungsorgan stärker aus (die sogenannten Proteobacteria und Bacteroidetes), bei anderen Stämmen wurde ein Rückgang beobachtet (die Firmicuten und Actinobakterien). Im Durchschnitt nahmen diese Teilnehmenden nach der letzten Zigarette 2,2 kg zu.

Aus Tierexperimenten wusste man, dass eine Zunahme der Bakterienstämme Proteobacteria und Bacteroidetes zu einer Gewichtszunahme führen kann. Offensichtlich verarbeiten diese Bakterien die Nahrung in einer Weise, dass im Körper mehr Energie entsteht. Dem Organismus werden über die gleiche Nahrung also mehr Kalorien zugeführt. Da die Studie auf zwei Monate begrenzt war, liefert sie noch keine Erklärung für dauerhafte zusätzliche Kilos. Inwiefern sich die Darmflora von ehemaligen Raucherinnen und Rauchern auf längere Sicht verändert, muss also noch über zukünftige Untersuchungen geklärt werden.

Fazit: Die Umstellung der Darmflora ist möglicherweise ein weiteres Puzzlestück bei der Erklärung einer Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp. Für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten oder diesen Schritt bereits hinter sich haben, ergeben sich dadurch zunächst keine neuen praktischen Strategien für ihren Umgang mit der ungünstigeren Kalorienbilanz. Nach wie vor gilt der Rat von Expertinnen und Experten, sich in der Zeit des Rauchausstiegs viel zu bewegen und gesund zu ernähren. Erfahrungen zeigen dabei, dass „Vernunftlösungen“ oftmals nicht über längere Zeit durchgehalten werden. Werdende Nichtraucherinnen und Nichtraucher sollten deshalb auf möglichst viele Genussmomente in ihrem Leben achten: Welcher Sport macht mir wirklich Spaß? Wie finde ich danach Entspannung? Und was schmeckt, macht aber nicht dick? Ein leckerer Obstteller in Griffnähe kann zum Beispiel die Lust auf Süßigkeiten mindern. Mehr Tipps gibt es im Forum und bei den Rauchfrei-Lotsen.

Und für alle Raucherinnen und Raucher, die den Rauchstopp wegen einer möglichen Gewichtszunahme scheuen, gilt: Die gesundheitlichen Gewinne durch das Nichtrauchen sind enorm, eine Gewichtszunahme fällt dagegen zumeist begrenzt aus und lässt sich zudem beeinflussen.

Quellen:
http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Fakten_zum_Rauchen.html

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0059260

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wissen/article120973798/Das-Gewicht-auf-der-Kippe.html