Rauchen und Schlafen (Teil 1)

16.01.2019  - „Wer schläft, sündigt nicht“, schrieb kürzlich ein User im rauchfrei-Chat. Mit „Sündigen“ meinte er in diesem Fall das Rauchen.

Schlafprobleme nach dem Rauchstopp
Zu diesem Zeitpunkt war er bereits fünf Tage rauchfrei. Tagsüber verspürte er immer wieder ein mitunter ziemlich starkes Verlangen nach einer Zigarette – wenn er schlief, hatte er dagegen Ruhe vor seiner „Nikotin-Lust“.

„WENN ich schlafe“, schrieb er – das WENN in Großbuchstaben. Denn auch sein Schlaf hatte sich seit dem Rauchstopp verändert. Er schlief schlechter ein und wachte früher auf. Tagsüber war er dafür oft müde und nickte auch hin und wieder mal kurz ein. Mit dieser Erfahrung ist er nicht allein: Viele Menschen berichten in der Phase ihrer Tabakentwöhnung über Schlafschwierigkeiten.

Schlafqualität wird durch Rauchen beeinflusst
Auch wissenschaftliche Studien haben sich mit dem Zusammenhang zwischen Rauchen und Schlafen beschäftigt und sind auf interessante Ergebnisse gestoßen. Nicht nur zählen Schlafschwierigkeiten zu den klassischen Entzugserscheinungen nach einem Rauchstopp. Auch das Rauchen selber hat einen Einfluss auf Dauer und Qualität des Schlafs. Anlass genug, sich näher mit den Zusammenhängen zwischen dem Rauchen und dem Schlafen zu beschäftigen. In dieser News berichten wir darüber, dass rauchende Menschen schlechter schlafen. In der nächsten Woche geht es dann um Schlafprobleme nach dem Rauchstopp und was sich dagegen tun lässt. 

Raucher haben häufiger Schlafprobleme
Rauchern und Raucherinnen ist es meist gar nicht so bewusst, dass sie schlechter schlafen als rauchfrei lebende Menschen. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass sich Dauer und Qualität des Schlafes von rauchenden und nichtrauchenden Personen zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Im Rahmen einer Untersuchung der Universitätsklinik Charité in Berlin wurden fast 2.400 Menschen mit Hilfe eines speziellen Fragebogens zu ihren Schlafgewohnheiten befragt. Etwa tausend von ihnen waren Raucherin oder Raucher. 28 Prozent von ihnen berichten über Schlafprobleme. Bei nichtrauchenden Menschen war dieser Prozentsatz mit 19 Prozent dagegen geringer. Und auch bezüglich der Schlafdauer unterschieden sich die beiden Gruppen: Bei rauchenden Menschen war der Anteil derjenigen, die weniger als sechs Stunden schlafen, doppelt so groß wie bei Nichtrauchern und Nichtraucherinnen. 

Qualität des Schlafens bei Nichtrauchern besser
Die Qualität des Schlafs wurde mittels eines speziellen Fragebogens ermittelt. Anhand von Punktwerten wurde ein „Schlafqualitäts-Index“ berechnet. Wenn der Gesamtpunktwert dieses Index über 5 lag, schlossen die Studienverantwortlichen auf eine beeinträchtigte Schlafqualität. Es zeigte sich, dass die Qualität des Schlafs bei nichtrauchenden Personen besser war als bei Raucherinnen und Rauchern. 

Auch die Rauchmenge spielt eine Rolle 
Bei der Untersuchung erhoben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitere Faktoren, die ebenfalls einen Einfluss auf den Schlaf haben, zum Beispiel Alkoholkonsum und Stress. Selbst nachdem sie den Einfluss dieser Faktoren herausgerechnet hatten, blieb der Zusammenhang zwischen Rauchen und Schlafen bestehen. Übrigens spielte auch die Rauchmenge eine Rolle: Je mehr Zigaretten die Menschen konsumierten, desto eingeschränkter war ihr Schlaf. 

Frage nach dem Warum noch nicht vollständig geklärt
Es gibt unterschiedliche Erklärungen dafür, warum Raucherinnen und Raucher schlechter schlafen als nichtrauchende Menschen. So könnte das Nikotin, dessen Spiegel im Blut nur langsam absinkt, als eine Art „Wachmacher“ auch noch in der Nacht wirken. Möglicherweise kommen Raucherinnen und Raucher aber nachts auch in einen Entzug (weil sie kein Nikotin bekommen) und der ist für den schlechteren Schlaf mit verantwortlich. Auch wenn das „Warum“ noch nicht 100prozentig geklärt ist: Für den Zusammenhang zwischen Rauchen und Schlaf gibt es inzwischen einige Belege.

Fazit: Es gibt viele gute Gründe für einen Rauchstopp, einer davon lautet „Besser schlafen können“ – auch wenn es in der Zeit der Entwöhnung erst einmal zu Schlafschwierigkeiten kommen kann.

Um Schlafprobleme nach dem Rauchstopp und was sich dagegen unternehmen lässt geht es in der News der nächsten Woche. 

Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/raucher-schlafen-schlechter.676.de.html?dram:article_id=28968