Rauchen während der Schwangerschaft schadet Mutter und Kind

19.08.2020  - Durch den Tabakrauch wird das Ungeborene schlechter mit Sauerstoff und den Nährstoffen versorgt, die es für eine gesunde Entwicklung bis zur Geburt benötigt:

  •  Nikotin bewirkt eine Verengung der Gefäße, sodass die Gebärmutter weniger durchblutet und der Transport von wichtigen Nährstoffen und Sauerstoff zum Embryo beeinträchtigt wird.
  • Beim Rauchen gelangen große Mengen Kohlenmonoxid in das Blut, die den Sauerstoff im Blut verdrängen.
  • Ein großer Teil der im Tabakrauch enthaltenen giftigen Substanzen gelangt über die Plazenta direkt in den Blutkreislauf des Embryos. 

Die Folge: Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft rauchten, sind häufiger kleiner und haben ein geringeres Geburtsgewicht als Neugeborene von Nichtraucherinnen. Zudem ist bei ihnen das Risiko für eine Reihe von Gesundheitsschäden deutlich erhöht.

Laut KIGGS-Studie haben circa elf Prozent der Mütter von 0- bis 6-jährigen Kindern, die zwischen 2007 und 2016 geboren wurden, während der Schwangerschaft geraucht. Damit hat sich der Anteil der Frauen, die in der Zeit der Schwangerschaft raucht, gegenüber früheren Erhebungen halbiert. Jüngere Mütter rauchen während der Schwangerschaft tendenziell häufiger als Frauen, die ihre Kinder erst später im Leben bekommen.

Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen ein wichtiger Grund, mit dem Rauchen aufzuhören. Eine Erhebung aus dem Jahr 2020 zeigt, dass einem großen Prozentsatz von ihnen das auch gelingt. Und das offenbar mit Langzeiteffekt: Noch 18 Jahre nach der Geburt des Kindes sind mehr Mütter rauchfrei als Frauen, die kein Kind bekommen haben.

Wenn Frauen vor oder frühzeitig während einer Schwangerschaft aufhören zu rauchen, können sie folgende Gesundheitsrisiken deutlich senken und so für bessere Startbedingungen ihres Babys sorgen:

  • Das Risiko einer Fehlgeburt geht zurück.
  • Eine Frühgeburt wird weniger wahrscheinlich.
  • Die Lungen des Kindes können sich vollständig entwickeln.
  • Das Risiko einer Totgeburt sinkt - je früher eine schwangere Frau mit dem Rauchen aufhört, umso deutlicher.
  • Das Kind wird weniger anfällig für Infektionskrankheiten oder allergische Reaktionen.
  • Das Risiko für Asthma geht zurück.
  • Die Gefahr des plötzlichen Kindstods (SIDS, engl. Sudden Infant Death Syndrome) sinkt.

rauchfrei – Nach der Geburt

Muttermilch bietet die optimale Versorgung des Neugeborenen mit lebenswichtigen Nährstoffen wie Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Sie enthält Abwehrstoffe, die das Baby vor Infektionen schützen und Allergien vorbeugen.

Wenn die Mutter raucht, gelangen die schädlichen Inhaltsstoffe des Rauchs in die Muttermilch. Die Folge: Es wird weniger Milch gebildet, auch die Zusammensetzung der Muttermilch verändert sich. Die Giftstoffe des Rauchs werden vom Säugling mit der Muttermilch aufgenommen.

Trotz des weiter oben beschriebenen positiven Effekts der Schwangerschaft auf einen Rauchstopp: Ein (zu) großer Teil der Frauen, die während oder vor der Schwangerschaft erfolgreich auf die Zigarette verzichtet haben, greift innerhalb eines Jahres wieder zur Zigarette. Eine mögliche Erklärung für diese Rückfälle in das alte Rauchverhalten besteht darin, dass die Gründe für den Rauchstopp für viele Frauen durch die zurückliegende Geburt und das Abstillen vermeintlich „weg fallen“. Dabei wird oft übersehen, dass das Rauchen dem Kind auch noch schaden kann, wenn es nicht mehr im Säuglingsalter ist. Denn auch das Kleinkind raucht passiv mit und atmet die Giftpartikel des Tabakrauchs ein, die sich in Teppichen und der Kleidung festsetzen. Nicht zu vergessen die Vorbildfunktion als Eltern: Eine rauchende Mutter oder ein rauchender Vater erhöht das Risiko, dass auch das Kind später einmal zur Zigarette greifen wird.

Mehrfachbelastungen und ein ausgeprägtes Stresserleben führen ebenfalls in vielen Fällen dazu, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes wieder zur Zigarette greifen.

Ihr Kind raucht mit – Die Folgen des Passivrauchens

Laut KIGGS-Studie leben 40 Prozent der bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland mit mindestens einem rauchenden Elternteil zusammen. Bei 14 Prozent rauchen sogar beide Eltern. Ein knappes Zehntel der Eltern (9 Prozent) geben an, im Beisein ihrer Kinder in der gemeinsamen Wohnung zu rauchen.

Passivrauchen bedeutet ein hohes Gesundheitsrisiko, vor allem für Kinder und Jugendliche. Sorgen Sie daher für eine gesunde, rauchfreie Umgebung. Damit senken Sie bei Ihrem Kind das Risiko zum Beispiel für

  • Erkrankungen der Atemwege
  • Reizungen von Augen, Nase, Mundhöhle und Rachen
  • das Auftreten von Asthmaanfällen
  • eine eingeschränkte Lungenfunktion und
  • Mittelohrentzündungen

Denken Sie auch an die Vorbildfunktion gegenüber Ihren Kindern. Rauchen Sie möglichst gar nicht, in jedem Fall nicht im Beisein Ihrer Kinder.

Verantwortung der Väter

Natürlich tragen auch die Väter eine wichtige Verantwortung für die Gesundheit der Familie, insbesondere der Heranwachsenden. Sie können unter anderem zu einer rauchfreien Umgebung beitragen, indem sie selber nicht rauchen. Auch bei einem Rauchausstieg der Partnerin sind sie oft eine wertvolle Unterstützung.

Der Beginn einer Schwangerschaft ist ein guter Zeitpunkt, um mit dem Rauchen aufzuhören. Vielen Frauen ist ein Rauchstopp in dieser Phase ihres Lebens gelungen.

Unterstützung beim Rauchstopp finden Sie unter „Aufhören“.


Ein weiteres Angebot zur Unterstützung ist die
Onlineberatung für Schwangere von IRIS.

Quellen

Görlitz, Katja & Tamm, Marcus. (2020). Parenthood and smoking. Economics & Human Biology. 38. 100874. 10.1016/j.ehb.2020.100874.

Kuntz B. et al. (2019): Tabakkonsum und Passivrauchbelastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – wo stehen wir heute? Atemwegs- und Lungenkrankheiten, 45(5), 217-226

Levitt C, Shaw E, Wong S et al. (2007) Systematic review of the literature on postpartum care: effectiveness of interventions for smoking relapse prevention, cessation, and reduction in postpartum women. Birth, 34, 341–347

US Department of Health and Human Services (2001) Women and smoking: a report of the Surgeon General. US Department of Health and Human Services, Washington, D.C.

Lampert, Thomas (2014): Tabak - Zahlen und Fakten zum Konsum. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.): Jahrbuch Sucht 2014. Lengerich: Pabst.

Lampert T, List SM (2010) Gesundheitsrisiko Passivrauchen; Hrsg. Robert Koch-Institut Berlin. GBE kompakt 3/2010 www.rki.de/gbe-kompakt (Stand: 18.06.2010)