Schlechteres Gedächtnis durch Passivrauchen?

21.11.2012  - Eine aktuelle Studie der Universität von Northumbria lieferte Hinweise für schlechtere Gedächtnisleistungen von Personen, die regelmäßig dem Tabakrauch anderer Menschen ausgesetzt sind. Passivrauchen kann möglicherweise also auch das Gedächtnis beeinträchtigen.

Für die Studie wurden drei Gruppen Gedächtnisaufgaben vorgelegt: Die erste Gruppe bestand ausschließlich aus regelmäßigen Raucherinnen und Rauchern, die beiden weiteren aus Personen, die selber nicht rauchten. Eine der beiden letztgenannten Gruppen setzte sich aus Personen zusammen, die sich häufiger in der Nähe von rauchenden Menschen aufhalten und deren Tabakrauch (meist unfreiwillig) einatmen. Im Schnitt waren diese Personen pro Woche 25 Stunden dem Passivrauch ausgesetzt und das für einen durchschnittlichen Zeitraum von 4,5 Jahren. Die dritte Gruppe lebte sozusagen „komplett rauchfrei“.

Zu den Aufgaben, die die Versuchspersonen zu lösen hatten, zählte zum Beispiel die Erinnerung an bestimmte Aktivitäten in der Vergangenheit. Das Ergebnis der Tests war eindeutig: Nichtrauchende Personen mit Passivrauchbelastung vergaßen 20 Prozent mehr als rauchfrei lebende Nichtraucherinnen und Nichtraucher.  Beide Nichtrauchergruppen schnitten bei den Aufgaben besser ab als die teilnehmenden Raucherinnen und Raucher. Letztere vergaßen 30 Prozent mehr als Nichtraucherinnen und Nichtraucher ohne Passivrauchbelastung.

Um die genauen Hintergründe für das schlechte Abschneiden der Passivrauchenden zu erklären, sind weitere Untersuchungen notwendig. Die Forschungsergebnisse passen jedoch zu den Befunden einer Untersuchung aus England aus dem Jahr 2009. Auch hier wurden den Teilnehmenden verschiedene Gedächtnis- und Denkaufgaben gestellt. Unter den zehn Prozent der Versuchspersonen mit den schlechtesten Testergebnissen fanden sich häufiger jene Nichtraucherinnen und Nichtraucher, die größeren Mengen Passivrauch ausgesetzt waren. In der Studie wurde auch die Höhe der Passivrauchbelastung ermittelt, indem man ein Abbauprodukt des Nikotins im Blut maß, das sogenannte Cotinin. Es zeigte sich, dass das Risiko für eine Beeinträchtigung der Denkleistung mit der Cotinin-Konzentration stieg.

Möglicherweise lassen sich die nachlassenden Hirnleistungen durch die bekannten negativen Auswirkungen des Passivrauchens auf das Herzkreislaufsystem erklären, in deren Folge es zu Durchblutungsstörungen im Gehirn kommt.

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Quellen:

T.M. Heffernan, T.S. O'Neill. Exposure to second-hand smoke damages everyday prospective memory. Addiction, 2012; DOI: 10.1111/j.1360-0443.2012.04056.x

Exposure to secondhand smoke and cognitive impairment in non-smokers: national cross sectional study with cotinine measurement; BMJ2009;338doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.b462 (Published 12 February 2009)
Cite this as:BMJ2009;338:b462