So entsteht die Abhängigkeit vom Rauchen

02.08.2017  - Entzugserscheinungen, wenn man eine Zeit lang nicht raucht und ein starkes Verlangen nach der Zigarette sowie Schwierigkeiten, das Rauchverhalten zu kontrollieren: Das sind Zeichen einer Tabakabhängigkeit.

Wie stark diese ist, lässt sich zum Beispiel mit Hilfe des Fagerström-Tests abschätzen. Aber wie entsteht eigentlich eine Abhängigkeit vom Rauchen?

Rauchen beruhigt – oder regt an

Bei der Entwicklung einer Tabakabhängigkeit spielt das Nikotin eine wichtige Rolle. Kurze Zeit nach dem Zug an einer Zigarette entfaltet sich die Wirkung dieses Stoffes im Gehirn. Dabei entpuppt sich Nikotin als wahrer „Tausendsassa“ im Gehirn: Zigaretten können nämlich sowohl anregend als auch beruhigend wirken. So steigt beispielsweise die Aufmerksamkeit beim Rauchen einer Zigarette und ängstliche, nervöse Stimmungen können gedämpft werden. Fachleute sprechen deshalb auch von einer sogenannten „bivalenten“ Wirkung des Rauchens – also einer Wirkung, die in zwei Richtungen gehen kann, eine anregende und eine beruhigende. Zwar gehen viele Expertinnen und Experten davon aus, dass diese Effekte kein eigentlicher „Gewinn“ sind: Nachdem eine Zigarette geraucht wurde, kommt der Körper in eine Art Mangelzustand, der durch das erneute Rauchen wieder ausgeglichen wird – und das wird dann von der rauchenden Person als Beruhigung oder Anregung wahrgenommen. Und dennoch: Für die suchterzeugende Wirkung des Rauchens sind dies entscheidende Momente. Vereinfacht gesagt: Das Gehirn registriert eine positive Wirkung und will diese wiederholen.

100 kleine Kicks pro Tag

Beim Rauchen werden gleich mehrere Botenstoffe im Gehirn vermehrt ausgestoßen. Zum Beispiel der Botenstoff Dopamin, der für die Aktivierung des Belohnungssystems im Gehirn eine wichtige Rolle spielt. Wenn nun jemand zum Beispiel am Tag zehn Zigaretten raucht und an jeder Zigarette zehn Mal zieht, kommt er oder sie auf 100 solcher kleinen Kicks – allein an diesem einen Tag. Diese verteilen sich auf verschiedenste Situationen. Es wird zum Beispiel in der Arbeitspause geraucht oder nach dem Essen. Immer wieder, Tag für Tag: So entstehen Gewohnheiten, die zu Abhängigkeiten werden. Dabei spielt wiederum der Botenstoff Dopamin eine Art „Helfer-Rolle“: Dopamin trägt dazu bei, dass die Bedingungen, unter denen das Rauchen stattfindet, ebenfalls mit abgespeichert (also gelernt) werden. Eine solche Bedingung ist zum Beispiel der Ort, an dem geraucht wird oder auch die Stimmung, in der man dabei ist. Dadurch bekommen diese Orte und Stimmungen einen Signalcharakter: Die Orte oder Stimmungen selber können dann die Lust auf das Rauchen auslösen.

All das verläuft unterhalb der Bewusstseinsschwelle, kann aber bewusst gemacht werden. Zum Beispiel indem man seine Rauchgewohnheiten protokolliert. Der nächste Schritt besteht dann darin, passende Alternativen zum Rauchen zu finden und/oder Notfallstrategien für den Fall zu entwickeln, dass das Verlangen nach der Zigarette auftritt. Weitere Tipps für Ihren Rauchstopp finden Sie unter Aufhören.