Tabak-Rückstände im Hörsaal – trotz Rauchverbot

11.07.2018  - Aufmerksame Leserinnen und Leser unserer rauchfrei-News werden den Begriff schon kennen. Weiten Teilen der Bevölkerung dürfte er dagegen noch weitgehend unbekannt sein: „Dritthandrauch".

Rauchen aus „erster, zweiter und dritter Hand“

Im Englischen wird von „secondhand smoke" gesprochen, wenn es um Passivrauchen geht. Wenn also jemand den Rauch einer anderen Person einatmet, wird das dementsprechend als „Rauchen aus zweiter Hand" bezeichnet. Um Rauch aus dritter Hand (thirdhand smoke) handelt es sich wiederum, wenn Rückstände des Tabakrauchs – die sich zum Beispiel in einem Raum abgelagert haben – in den Organismus gelangen.

Während es für die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens und auch des Passivrauchens zahlreiche wissenschaftliche Belege gibt, stehen die Forscherinnen und Forscher beim Dritthandrauch noch ziemlich am Anfang. Es ist aber durchaus vorstellbar, dass die Reste des Tabakrauchs eine ernsthafte Gesundheitsgefahr darstellen.

Tabakrauch hinterlässt Feinstaub-Partikel

Die Bezeichnung „Dritthandrauch“ hat inzwischen Eingang in die deutsche Sprache gefunden. Etwas geläufiger ist der Begriff „kalter Rauch", der allerdings manchmal zu Missverständnissen einlädt, weil viele Menschen dabei vor allem an „alten" Tabakqualm denken, wie man am Tag nach einer Feier noch im Partyraum riechen kann. „Dritthandrauch" geht jedoch über das hinaus, was von Menschen wahrgenommen – zum Beispiel also gerochen oder gesehen – werden kann: Die Reste des Tabakrauchs sind für das menschliche Auge unsichtbar und riechen nach einiger Zeit auch nicht mehr. Dass selbst in Räumen, in denen schon seit langem nicht mehr geraucht wurde, Rückstände von Tabakrauch vorhanden sein können, zeigt jetzt eine Studie aus Amerika, die im Hörsaal einer Universität durchgeführt wurde. Dort herrscht bereits seit vielen Jahren ein Rauchverbot – und doch fand man bei einer Messung des Feinstaubs in dem Raum Partikel, die eindeutig von Tabakrauch stammten.

Wie kommen die Tabak-Rückstände in das rauchfreie Gebäude?

Auf welchem Wege diese „Altlasten" des Zigarettenqualms in den Hörsaal gelangt sind – darüber lässt sich nur spekulieren. So könnten rauchende Studenten und Studentinnen bzw. Beschäftigte der Universität die Bestandteile des Tabakrauchs über ihre Kleidung in den Saal gebracht haben oder auch über ihren Atem, weil sie kurz vor dem Betreten des Gebäudes noch geraucht haben. Eine andere Erklärung lautet: In der Nähe eines Balkons, auf dem geraucht wird, befindet sich die Zufuhr für eine Lüftungsanlage der Universität. Darüber könnte der Rauch im ganzen Gebäude verteilt werden.

Eventuell kommen ja auch alle drei der genannten Wege in Betracht. Der Anteil des Feinstaubs, der auf Rauch-Rückstände zurückgeht, war jedenfalls beträchtlich, nämlich fast 30 Prozent. Auch wenn das Ausmaß der Gesundheitsschädlichkeit durch das Rauchen noch nicht geklärt ist, empfiehlt es sich, vorsorglich auf möglichst gänzlich rauchfreie Räume zu achten.

Informieren Sie sich auch über das Thema Passivrauchen.

Quellen:

Thirdhand smoke uptake to aerosol particles in the indoor environment, by Peter F. DeCarlo, Anita M. Avery, Michael S. Waring. Science Advances 09 May 2018 EAAP 8368

https://www.npr.org/sections/health-shots/2018/05/09/609780405/tobacco-smoke-residue-can-become-airborne-again-indoors

http://www.deutschlandfunk.de/kalter-rauch-nikotin-reste-in-rauchfreien-raeumen.676.de.html?dram:article_id=417706