Todesfälle durch Rauchen: bloß eine Zahl?

15.01.2020  - Jedes Jahr sterben schätzungsweise 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das sind in etwa so viele Menschen, wie in der Großstadt Göttingen wohnen. Ein Rauchstopp senkt das Risiko, frühzeitig zu sterben deutlich – und das in jedem Alter. Kaum eine Gesundheitsmaßnahme ist so effektiv wie der Rauchstopp. Viele Raucherinnen und Raucher kennen diese Zusammenhänge – und rauchen dennoch weiter.

Das Phänomen „Weiter rauchen trotz eindeutiger Faktenlage“Jene, die es schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören, schütteln nach ihrem geglückten Rauchstopp oftmals den Kopf und fragen sich, warum sie so lange gegen ihre Vernunft gehandelt haben.Eine interessante Frage: Wie kann es sein, dass die Erkenntnis des Gesundheitsrisikos und die Entscheidung zum Rauchstopp oft so weit auseinanderliegen? Dass viele Menschen erst dann handeln, wenn sich in Folge ihres jahrelangen Tabakkonsums erste Krankheitsanzeichen zeigen – und einige Menschen nicht einmal dann reagieren? Eine einfache Antwort auf diese Frage(n) gibt es nicht, dafür mehrere plausible Erklärungen für das Phänomen „Weiter rauchen trotz eindeutiger Faktenlage“.

Ein Erklärungsansatz lautet: Abhängigkeit
Zum einen ist da die Abhängigkeit vom Rauchen. Wer einmal bei sich beobachtet hat, dass er oder sie auch bei widrigsten Wetterbedingungen noch einmal aufgebrochen ist, um Zigaretten zu besorgen, hat am eigenen Leib gespürt, was „Suchtdruck“ bedeuten kann – und nimmt diese Erfahrung als Vorgeschmack darauf wahr, was einen bei einer Tabakentwöhnung erwarten könnte. Was viele nicht wissen: Bei einem Rauchstopp treten oftmals gar keine Entzugserscheinungen auf bzw. lassen sich diese häufig gut in den Griff bekommen.

„Unsichtbare“ Todesfälle
Ein weiterer Grund, warum das Wissen um das erhöhte Sterberisiko durch das Rauchen häufig nicht auf direktem Wege zur Rauchstopp-Entscheidung führt: Diese Todesfälle sind für die Öffentlichkeit geradezu unsichtbar. Wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt viele Menschen gleichzeitig sterben (zum Beispiel bei einem Flugzeugabsturz), wird darüber berichtet und viele Menschen machen sich in der Folge Gedanken und Sorgen darüber, wie sicher das Fliegen ist. Die etwa 332 Tabak-Todesfälle pro Tag (so viele sind es durchschnittlich, wenn man die 121.000 Todesfälle auf den Tag herunter rechnet) bleiben dagegen in der Regel unbemerkt.

„Andere sind doch auch trotz Rauchen steinalt geworden“
Immer wieder werden zudem einzelne Beispiel herangezogen, die (scheinbar) gegen die allgemein große Schädlichkeit des Rauchens sprechen: zum Beispiel der Verwandte, der trotz ausgeprägten Tabakkonsums ein hohes Lebensalter erreicht hat oder jemand, der an einer Atemwegserkrankung verstorben ist, obwohl er oder sie nie geraucht hat. Natürlich gibt es diese Fälle, ein nüchterner Blick in die Statistik zeigt jedoch: Sie kommen vergleichsweise selten vor. Die Gesundheitsrisiken des Rauchens und das damit verbundene höhere Sterberisiko sind dagegen gut belegt.

Wie kann nun der Funke vom Faktenwissen zum eigenen Leben überspringen? Darum geht es in unserer News der nächsten Woche.

Quelle:
Pötschke-Langer, M., Kahnert, S., Schaller, K., Viarisio V., Heidt, C., Schunk, S., Mons, U., & Fode, K. (2015). Tabakatlas Deutschland, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, 2.Auflage, Heidelberg