13. November: Neue Studie des RKI

Welchen Einfluss hat Gesundheitsverhalten auf Risiko für schweren Verlauf von Covid-19?

Es war nicht anders zu erwarten: Noch immer beherrscht das neuartige Coronavirus die Nachrichtenlage. Die Wissenschaft arbeitet mit Hochdruck an Impfstoffen, mit jedem Tag erfahren wir mehr über das Virus und die Erkrankung, die es auslöst. Viele Fragen sind jedoch immer noch offen, darunter auch, warum manche Menschen (so gut wie) keine Symptome zeigen, während andere schwer und für lange Zeit erkranken und einige infolge der COVID-19-Krankheit versterben.

Alter ist Hauptrisikofaktor für schweren Krankheitsverlauf

Festzustehen scheint, dass der Hauptrisikofaktor für eine schwere Erkrankung das Alter ist: Je älter eine Person ist, desto stärker steigt ihr Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Auch Vorerkrankungen der Lunge oder des Herzens beeinflussen, wie ernsthaft die Krankheit verläuft.

Wie wir mit unserer Gesundheit umgehen, spielt in dieser Gleichung ebenfalls eine Rolle. Welche genau und auf welches Gesundheitsverhalten es konkret ankommt, ist jedoch – Stand heute – noch nicht ausreichend erforscht. Es gibt inzwischen eine Reihe von Studienergebnissen, die zumindest ein Zwischenfazit zu der Frage erlauben: Wie beeinflusst unser Gesundheitsverhalten das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf?

Ende September hat das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Übersichtsarbeit veröffentlicht, die (unter anderem) die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu genau dieser Frage zusammenfasst. Als Gesundheitsverhalten wurde dabei definiert: (Nicht-)Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, Bewegung, Adipositas (eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts). Für die Übersichtsarbeit wurden wissenschaftliche Studien berücksichtigt, die bis Mitte Juni dieses Jahres veröffentlicht wurden.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

Rauchen

Zwar gibt es bereits einige Studien zum Zusammenhang von Tabakkonsum und COVID-19. Viele davon haben jedoch in den Augen des RKI eine zu geringe methodische Qualität, um daraus echte Schlussfolgerungen ableiten zu können. Allerdings zeichnen sich Tendenzen ab:

  • Raucherinnen und Raucher stecken sich offenbar nicht häufiger mit dem Coronavirus an. Zumindest gibt es dafür momentan keine wissenschaftlichen Belege. Uns ist an dieser Stelle dennoch der Hinweis wichtig, dass beim Rauchen darauf geachtet werden sollte, nicht mit den Fingern das Gesicht zu berühren, weil auf diese Weise das Virus übertragen werden könnte.
  • Menschen, die aktuell rauchen, haben im Vergleich zu Menschen, die niemals geraucht haben, ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf. Die wissenschaftliche Datenlage für diesen Zusammenhang gilt jedoch weiterhin als schwach.
  • Rauchen fördert eine Reihe der Vorerkrankungen, die wiederum einen schweren Verlauf von COVID- 19 begünstigen, zum Beispiel COPD oder Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems.

Alkohol

Aus früheren Studien ist bekannt: Chronischer Alkoholmissbrauch kann das Immunsystem schwächen. Wenn also viel und häufig Alkohol getrunken wird, erschwert das grundsätzlich die Abwehr von Krankheitserregern. Bezüglich einer COVID-19-Erkrankung gibt es derzeit jedoch noch keine Belege für ein erhöhtes Krankheitsrisiko durch Alkoholkonsum. Allerdings kann chronischer Alkoholmissbrauch das Risiko für das sogenannte „akute Atemnotsyndrom“ (ARDS) erhöhen, welches wiederum eine der Komplikationen der COVID-19-Erkrankung sein kann.

Darüber hinaus stellen die Autorinnen und Autoren klar, dass durch den Konsum von Alkohol das Coronavirus im Körper nicht abgetötet werden kann, Alkohol also keinen Schutz vor einer Ansteckung bietet.

Außerdem: In alkoholisierten Zustand steigt im Allgemeinen die Risikobereitschaft, die Fähigkeit, Abstände einzuschätzen, wird mit steigendem Promillewert schlechter. Das macht Alkohol zum Risiko für die Einhaltung des notwendigen Schutzverhaltens in der Pandemie.

Bewegung

Zu wenig körperliche Bewegung kann einen schweren Verlauf von COVID-19 „indirekt und mit zeitlichem Abstand“ begünstigen, so das RKI. Damit ist gemeint, dass wer sich zu wenig bewegt, häufiger Krankheiten entwickelt, die wiederum das Risiko erhöhen, ernsthaft an COVID-19 zu erkranken – zum Beispiel Typ-2-Diabetes oder koronare Herzerkrankungen. Eine Studie hatte zudem einen direkten Zusammenhang zwischen „körperlicher Inaktivität und einem Krankenhausaufenthalt aufgrund von COVID-19“ als Ergebnis.

Ganz allgemein lässt sich jedoch sagen, dass leichte bis mittlere körperliche Aktivität die Abwehrbereitschaft gegen viele krank als Erreger verstärkt. „Extrem anstrengende körperlich-sportliche Aktivität“ kann das Immunsystem dagegen schwächen.

Ernährung

Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung kann das Immunsystem zwar allgemein ebenfalls stärken. Studien darüber, wie sich eine bestimmte Ernährungsweise auf das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 auswirkt, gibt es allerdings derzeit nicht. Möglicherweise spielt eine Unterversorgung mit Vitamin D eine Rolle bei schweren Krankheitsverläufen, wissenschaftliche Belege für einen ursächlichen Zusammenhang fehlen hierzu jedoch aktuell ebenfalls.

Starkes Übergewicht (Adipositas)

Dieser Risikofaktor ist zwar im engeren Sinne kein Gesundheitsverhalten, wird aber in diesem Zusammenhang von den Autorinnen und Autoren ebenfalls mit berücksichtigt. Die Studienlage zeigt: Menschen mit Adipositas infizieren sich nicht häufiger mit dem Coronavirus als andere. Ihr Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung ist allerdings erhöht.  

Wir finden: Auf seine Gesundheit im Allgemeinen und die untersuchten Risikofaktoren im Besonderen zu achten, lohnt sich auf jeden Fall. Denn Faktoren wie Rauchen, hohes Übergewicht oder einseitige Ernährung sind für eine ganze Reihe von Erkrankungen verantwortlich, die auch als „Zivilisationskrankheiten“ bezeichnet werden. Dazu zählen unter anderem Herz- und Gefäßkrankheiten, Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes. Unser Lebensstil entscheidet in hohem Maße mit darüber, ob und wann im Leben wir eine oder mehrere dieser Krankheiten erleiden.

Außerdem gibt es neben dem neuartigen Coronavirus ja auch noch andere Erreger, für die es sich lohnt, ein möglichst abwehrbereites Immunsystem zu haben.

Bleiben Sie gesund!