Hallo Ronny,
du hast es mit sehr viel Willensstärke geschafft, 600 Tage lang nicht zu rauchen ... für diese enorme Leistung hast du meinen vollen Respekt. Gerade am Anfang braucht's tatsächlich viel Willensstärke ... oder auch WillensKRAFT. Aber auf Dauer ist es sehr anstrengend und zermürbend, ständig so viel Kraft aufbringen zu müssen. Deshalb hilft es ungemein, wenn das Nichtmehrrauchen möglichst schnell eine Art Selbstläufer wird ... wenn es zur Normalität wird, nicht mehr zu rauchen ... und wenn man sich wohl fühlt mit dem Nichtmehrrauchen. Mir hat das am Anfang enorme Probleme bereitet. Ich war sehr willensstark und wild entschlossen, nicht mehr zu rauchen, aber wohl gefühlt habe ich mich damit sehr lange ganz und gar nicht. Ich schreibe dir jetzt einfach mal, was MIR geholfen hat, ein zufriedener Nichtmehrraucher zu werden. Keine Ahnung, ob DIR das auch helfen könnte - jeder Mensch tickt anders und jede Nichtmehrraucher-Reise verläuft sehr individuell. Aber vielleicht kannst du trotzdem ein bisschen was mitnehmen für dich, wenn ich dir erzähle, wie es bei mir gelaufen ist.
Ich war irgendwann total genervt von meinen vielen Rauchgedanken. Ich konnte keine nennenswerten körperlichen Verbesserungen feststellen und ich konnte auch die ganzen Vorteile, von denen die anderen immer berichteten, bei mir nicht sehen. Ich konnte dieses viel gepriesene Gefühl von Freiheit, Erleichterung, Selbstbestimmung etc. einfach nicht spüren ... sehr wohl aber immer noch Verzicht, Wehmut und Nachtrauern ... und ich habe mich oft gefragt, wofür ich mich da eigentlich so quäle.
Was mir da herausgeholfen hat, war "Akzeptanz". Etwas zu akzeptieren bedeutet, es einfach so anzunehmen wie es ist, statt sich immer und immer wieder damit auseinanderzusetzen bzw. dagegen anzukämpfen. Also habe ich die Rauchgedanken mit einem leichten Schulterzucken quittiert ... ihnen ein lapidares "ist halt so" entgegnet ... und sie emotionslos weiterziehen lassen. Das hat wunderbar funktioniert ... es hat mich entlastet, befreit und es hat negative Gefühle wie z.B. Verärgerung, Frust oder Wehmut verhindert. Und je weniger mich die Rauchgedanken gestört/belastet haben, desto seltener sind sie dann auch geworden.
Eine weitere große Schwierigkeit war für mich, dass "Ziggi" für mich immer eine "Seelentrösterin" war und in dieser Funktion habe ich sie wirklich sehr lange vermisst. Mir war zwar immer klar, dass eine Zigarette keine Probleme löst, aber das Gefühl, dass Probleme rauchend leichter zu ertragen wären, hielt sich hartnäckig. Aber irgendwann habe ich es geschafft, meine Gedanken in die richtige Richtung zu lenken. Ich wollte meine Empfindungen nicht mehr vernebeln und ich wollte meine Probleme nicht mehr in Rauchschwaden hüllen. Ich wollte mich meinen Emotionen und meinen Problemen stellen ... die Gefühle annehmen und die Probleme ausmerzen. Und je mehr mein "Quälobert" merkte, dass ich mit mir selbst im Reinen bin ... dass ich die oftmals empfundene "Leere" sinnvoll (und gesund) füllen kann ... dass ich meine Probleme im Griff habe ... desto seltener hat er sich bemerkbar gemacht.
Ich habe in letzter Zeit sehr viel für meine psychische und physische Gesundheit getan und es geht mir jetzt so gut wie schon sehr lange nicht mehr. Deutlich besser als beim Rauchstopp. Und das verknüpfe ich einfach miteinander und so hat sich in meinem Gehirn die (vereinfachend-verkürzte) Erkenntnis eingebrannt, dass es mir als Nichtmehrraucher wesentlich besser geht als als Raucher. Und deshalb sehe ich mich jetzt als zufriedenen Nichtmehrraucher.
Eigentlich ist alles eine Sache der inneren Einstellung und des richtigen Blickwinkels. Und das bekommst du auch hin! Aber du musst ehrlich zu dir sein. Mach dir klar, dass dich nicht das Nichtmehrrauchen depressiv macht sondern die Tatsache, dass du es (noch) nicht geschafft hast, einen adäquaten Ersatz zu finden. Finde heraus, was dir wirklich fehlt in deinem Leben ... womit du das Gefühl der Leere füllen kannst ... womit du für Glücksgefühle sorgen kannst.
Mich hat die Nichtmehrraucher-Reise enorm verändert. Sie hat mein Selbstwertgefühl gestärkt. Sie hat mich erkennen lassen, was wichtig ist im Leben und was nicht. Sie hat dafür gesorgt, dass ich wieder achtsamer mit mir selbst umgehe. Und sie hat mich gelehrt, dankbar zu sein. Ich habe erkannt, dass es in meinem Leben - trotz mancher Widrigkeiten - sehr viele Dinge gibt, für die ich dankbar bin. Und auf meiner Dankbarkeits-Liste findet sich auch dies:
[b]Ich bin dankbar, dass ich nicht mehr rauchen muss![/b]
Ich wünsche dir, dass es dir gelingt, deine Nichtmehrraucher-Reise auch in solche Bahnen zu lenken. Dass auch bei dir dieses "Umdenken" stattfindet. Das gelingt nicht von heute auf morgen und schon gar nicht auf Knopfdruck ... es bedeutet viel Arbeit ... aber sie lohnt sich definitiv. Also mach dich an die Arbeit ... nur Mut ... du schaffst das!
Liebe Grüße
Christine