[SIZE=2][b]Tag 852 Samstag[/b][/SIZE]
[b]Ich merk nix?
Oder doch![/b]
Endlich, da ist er. Der Rauchstopp. 1000 mal schon daran gedacht. 1000 mal kurz davor wieder aufgegeben. Ein paar Mal für ein paar Wochen, oder sogar Monate hatte es auch funktioniert. Aber dann ist immer wieder alles zusammengefallen, wie ein Kartenhaus.
Aber jetzt ist es anders. Jetzt wird es endlich ernst. No way back!
Der Rauchstopp! Jetzt!
Es ist eine feste Entscheidung. Alle helfen. Alle fiebern mit. Jetzt wird es funktionieren. Ein Rauchstopp ist einer euphorische Sache. Die ersten Tage vergehen. Die erste Woche, der erste Monat.
Plötzlich, ganz leise kommen andere Momente. Es sind Zweifel. Da quält man sich durch diesen elenden Entzug und hofft ein bisschen, das alles plötzlich anders wird. Da muss doch jetzt irgendwas besser sein als vorher? Überall steht das doch beschrieben. Geruch, Geschmack, Fitness usw. Ich fühl da nichts. Da hätte ich mir den ganzen Mist auch sparen können. Vielleicht ist es ja noch zu früh um etwas zu merken. Noch ein paar Wochen durchhalten, dann kommt es vielleicht.
So Zack oder Zong! Mit einem Peitschenhieb. Es knallt, die Musik geht los und der Vorhang geht auf. Licht an und los geht´s. Die Krankenkassen Gesundheits Show. Jetzt fängt das neue Leben an. Wir werden mindestens 100 Jahre alt und springen verjüngt durch unser Leben. Alles blüht, duftet und schmeckt verführerisch. Ein Jungbrunnen, wie ihn Lucas Cranach nicht besser malen hätte können.
Nee, ist nicht so? Komisch, oder? Was ist da los? Wohl doch nicht geschädigt durch das viele Rauchen. Alles ganz geblieben. Ist das Rauchen doch eher harmlos? Na ja, ein bisschen fällt vielleicht auch ein Stein vom Herzen. Wie immer, viel Hysterie um nichts. Schwein gehabt. Also wozu diese Quälerei. Was soll denn dieser ganze Entzugs Kampf / Krampf, wenn es doch nichts bringt?
So ähnlich gings mir, und ich lese so etwas auch hier immer wieder . Und natürlich frage ich mich, was da los ist. Meine These ist ganz einfach, Bei mir war es die Sucht, die mir einreden wollte: Du kannst ruhig weiter rauchen. Du quälst dich unnötig. Die Erlösung ist ganz nah. Rauch eine Zigarette und alles ist wieder gut.
Warum habe ich das nicht gemacht? Ich war diesmal besser vorbereitet. Ich wusste um meine Sucht. Ich habe mit Craving gerechnet. Craving ist die Kunst verführt zu werden. Mein Kopf denkt sich Strategien aus um mich zu täuschen und letztlich zu verführen. Wer könnte es wohl besser, als mein eigener Kopf.
Ein ganz wichtiges Motiv war meine Freiheit. Ich wollte sie zurückgewinnen. Unbedingt. Das war mein stärkster Motor. Ich kam mir vor wie beim Poker. Gewinnen und verlieren. Aber ich wusste, es wird funktionieren. 100.000de haben das geschafft. Ich wollte das auch. Ich war nicht zufrieden den. Ein Mensch, der keine Wahl hatte. Ich musste rauchen. 30 mal am Tag. Ekelhaft! Das denke ich jetzt. Damals dachte ich: Ich rauche gerne.
Ach ja, was ist denn nun mit den Veränderungen? Es sind ganz viele kleine. Ich fühle mich stabiler, schlafe besser, rieche besser, sehe nicht mehr so zerknittert aus. OK, ich habe ordentlich zugenommen. ( Viel Käse und Eis mit Sahne ) Ja! Stimmt! Aber besser als rauchen. Und es wird schon wieder weniger. Außerdem sind meine Freunde immer noch meine Freunde. Eine große Veränderung ist es aber auch. Jetzt wähle ich. Ich rauche nicht mehr. Ich weiß genau, das die eine Zigarette mich wieder auf das Level von vorher zuwirft. So war es immer. Früher hatte ich das nicht verstanden. Das ist jetzt anders.
Ein Rauchstopp ist ein langer Prozess. Viele Fakten und sehr viele Beweise und Indizien. Die wollen alle gelesen und studiert sein. De Facto: Die beste Entscheidung ever.