13.01.2026
19:45 Uhrbearbeitet:
13.01.2026
19:53 Uhr
Tag 0
Tauwetter
Überall tropft es. Hauptsache nicht in den Nacken. Die Raketenmultipacks von Sylvester tauchen wieder auf. Brauner Matsch auf den Straßen, tiefe Pfützen am Bürgersteig und zwischendurch ziemlich rutschig. Glatt wars heute morgen, das Tauwasser wie ein durchsichtiger Fluss, eine 2. Schicht, flüssiges, welliges Glas auf dem Auto gefroren. Sehr schön anzusehen.
Der Schnee taut in Etappen auf…fast so wie er gefallen ist, er springt auf, es brechen Brocken aus dem Boden. Schlaglöcher im Eis.
Eigentlich werde ich bei Tauwetter immer ein wenig traurig. Der schöne Schnee, der arme Schneemann. Minusgrade garantieren eine Starre, ein einhalten, ein innehalten. Alles läuft langsamer und gedämpfter, alles ist schön…weiß eben. Die Menschen sind besser drauf. Tauwetter mögen griechische Schwiegermütter, die darauf hoffen endlich wieder raus zu können. Die spanische Omi geht bei jedem Wetter spazieren. Laufen, laufen und nochmal laufen.
Noch ist es weiß. Und Nebelig. Der Nebel verschluckt das andere Ufer der Spree. Grau in weiß. Extrem schön. Feuchte Winterluft will von uns Nichtmehrrauchern aufgesogen werden. Ganz tief, die tiefenreine unverfälschte kühle Luft. Je länger man ausatmet desto tiefer gelangt sie in den Körper.
Mein Körper braucht dringend Tauwetter. Die Kilos dürfen jetzt schmelzen wie die Temperatur und der Schnee. Dabei kommt alles zu Tage was nicht mehr zu mir gehört. Das schmeiße ich dann raus, wie die BSR hoffentlich bald den Sylvestermüll wegputzt. Es darf gerne langsam geschehen. Pö a pö. Aber stetig. Der Winter mag noch einmal kommen, aber das erste Tauwetter weckt die Erinnerung an den Frühling. Irgendwo da draußen steckt er. Meine Bikinifigur. Aber vor allem mein Bikinigefühl. Und vor allem mein Australian Shepherd.