Hallo an alle,
zunächst ein Zitat, denn dadurch wurde die Diskussion, ob das Miteinander in einer virtuellen Realität überhaupt "echt" - im Sinne von glaubhaft statt antrainiert - sein kann, ausgelöst:
[quote="@ndreas"]Im virtuellen Raum ist mir Empathie immer etwas suspekt, weil möglicherweise antrainiert.
Wir kennen uns doch alle gar nicht persönlich....... [/quote]
Auch ich möchte meine Meinung, die sich von den bisherigen Äußerungen unterscheidet, in den Raum stellen. Für mich ist ein Mensch immer das Produkt seiner Lebenserfahrung und seiner persönlichen Art, sie zu verarbeiten. Im wirklichen Leben habe ich einen riesen Vorteil: Ich kann meinem Gegenüber in die Augen sehen und weiß in Sekundenbruchteilen durch seine Mimik, was ich von seinen gesprochenen Worten zu halten habe. Diesen Vorteil habe ich in der virtuellen Welt nicht, aber gerade durch die Anonymität wird vieles offener und gradliniger ausgesprochen, als es im gewohnten sozialen Umfeld geschehen würde. Selbstverständlich kann hier auch besser gelogen werden, aber das erfordert doch eine erstaunliche Konsequenz, zumindest bei längerfristigen Forumsbesuchern.
Durch die Art, wie ich antworte, erst recht durch die Eröffnung eines Threads, stelle ich sehr viele Informationen ins Internet - übrigens auch einer der Gründe, weshalb hier nur die wenigsten ihr eigenes Foto als Avatar benutzen. Mit Sicherheit auch einer der Gründe, weshalb bislang - zumindest meines Wissens - noch kein regionales Treffen zustande gekommen ist. Ich sehe diese Details als Indizien dafür, dass hier von vielen auch mit schonungsloser Offenheit darüber gesprochen wird, wie sehr eine Sucht die gesamte Lebensqualität beeinträchtigen kann.
Warum ich Empathie von innen her empfinde, kann ich mit einigen Thesen relativ einfach begründen:
Ein Mensch, der in dieser Gemeinschaft aktiv wird, setzt sich intensiv mit negativen Aspekten seines Lebens auseinander.
Ein Mensch, der in dieser Gemeinschaft aktiv wird, bekennt vor anderen, dass er sich - zumindest temporär - schwach und verletzlich fühlt.
Ein Mensch, der in dieser Gemeinschaft aktiv wird, freut sich über Unterstützung, Anerkennung und Ablenkung.
Kurzum: Ein Mensch, der in dieser Gemeinschaft aktiv wird, hat Achtung und Vertrauen verdient, die ich ihm auch von Anfang an entgegen bringe. Aber auch im normalen sozialen Umfeld habe ich erst einmal eine positive Meinung von Menschen, die mir neu begegnen, und zwar so lange, bis sie mich persönlich vom Gegenteil überzeugen. Dass auch das schon etliche Male geschehen ist, berechtigt doch nicht dazu, Menschen, die mir jetzt neu begegnen, mit dem Mißtrauen zu begegnen, das durch andere, die einfach nur betrügen oder verleumden wollten, begründet sein könnte.
Dass ich vielen jetzt naiv, vielleicht sogar dumm erscheinen mag, ist mir bewußt, aber die positiven Erfahrungen mit Mitmenschen haben dermaßen viel Gewicht, dass ich die Ausrutscher dem gegenüber vernachlässigen kann. Und deshalb kommt es bei mir jedes Mal aus dem inneren Kern heraus, wenn ich einen neuen Mitkämpfer begrüße - mit der Anzahl unserer Erfahrungen und der Vielschichtigkeit unserer Sichtweisen wächst auch unsere Stärke als Forum von Tag zu Tag weiter.
Und wenn ich jetzt schreibe, dass ich uns allen eine gute Nacht und einen richtig guten Start in einen neuen rauchfreien Tag wünsche, meine ich es ernst!
Liebe Grüße, Brigitte