Liebe ManyLu,
heute habe ich einiges über Depression gelernt von Fachleuten. Das A und O ist heutzutage, das die Pflichttätigkeiten überwiegen und die Tätigkeiten, die man gerne tut, zu selten ausgeübt werden oder im Extremfall gar nicht. Da unser Handeln das Denken beeinflusst und das Denken unsere Befindlichkeit, sollte man sich einen Wochenplan machen. In diesen Plan kommen erst mal die Dinge, die man erledigen muss, wobei man genug Lücken haben sollte, um darin die Tätigkeiten einzutragen, die man gerne machen möchte (schwimmen, gärtnern, malen,...). Erst mal merkt man, ob das Gleichgewicht besteht und dann "verpflichtet" man sich, etwas für sich zu tun. Was macht die Verhaltenstherapie? (Lt. den Experten hilft das wirklich) Man nennt das Soziotherapeutische Ansätze. Die Depressiven in der Klinik werden zu einer Musik-, Bewegungs- oder Beschäftigungstherapie geschickt, weil selber aufraffen können sie sich nicht. Erst mit der Handlung entsteht die Änderung im Denken und damit die Befindlichkeit. Das bedeutet, du musst dich einfach hinsetzten und machen (also malen). Oder wenn du vor hast, dich zu bewegen, dann mach es auch, obwohl deine Beine vielleicht schwer wie Blei sind.
Außerdem soll der Betroffene eine Liste mit allen Aktivitäten machen, die er am Tag durchgeführt hat und dahinter seiner Befindlichkeit eine Note von 1-6 geben. 1 ist Super, 6 ist total mies. Dadurch lernst du, was dir im Alltag gut tut und was nicht. Auch das hilft dir, ein Gleichgewicht in dein Leben zu bringen.
Übrigens sind die Antidepressiva gut, sagen die Experten, es gibt auch Vertreter, die meinen, das sie ausreichen würden. Aber das ist wohl nicht so, weil man mit der Kraft seiner eigenen Denkweise viel mehr erreichen kann. Man kann sein Gedankenkarussell unterbrechen oder das was einem im Kopf rumgeht ins positive umkehren.
Also die Antidepressiva unbedingt weiter nehmen und die Behandlung nicht einfach nach 3 Monaten abbrechen. Sie machen auch nicht abhängig. Wirken tun sie erst nach 3-6 Wochen. Das ist ein Nachteil. Außerdem weiß keiner, wie sie überhaupt wirken. Aber bei 80% der Betroffenen helfen sie gewiss. Und noch eine gute Nachricht, jede depressive Phase geht vorbei. Immer! manchmal dauert es 6 Monate, manchmal 2 Jahre, aber sie geht weg. Es gibt seltene Fälle, die immer Medikamente nehmen müssen, aber auch denen geht es nur Phasenweise schlecht.
Wie geht es mir? Also, es ist nicht mehr so, dass ich negativ eingestellt bin, ich bin immer noch etwas durcheinander, aber das fällt bei der Arbeit mit Dementen nicht auf.:wink:
Ich möchte gerne nach dem Mittagessen rauchen, das kann ich mir verkneifen. Ich kann auch ohne schlechtes Gefühl ohne Zigaretten aus dem Haus gehen, obwohl ich den ganzen Tag unterwegs bin. Eigentlich ist das eher befreiend. Abends ist es ganz schlimm. Naja, wird schon noch besser werden.
Die Arbeit hilft mir. Ablenkung ist das beste. Langeweile ist Mist. Aber am Samstag muss ich auch Dienst schieben und am Sonntag könnte ich noch zu einer Bastelmesse gehen. Eigentlich ist das Wochenende so schlimm, da weiß ich nicht mehr, was ich noch alles machen soll, um mich abzulenken, bin aber eigentlich schon ganz kaputt, weil ich schon so viel gemacht habe.
So, vielleicht konnte ich dir helfen, wärst du meine Freundin und ich könnte dich persönlich treffen, würde ich dich immer motivieren, es ist leichter, wenn man einen hat, der einen einen leichten Schubs gibt. Ich weiß, wie schwer dir alles fällt. Ist echt eine scheiß Krankheit. Aber sag ihr den Kampf an. Kleine Tippelschritte führen auch zum Sieg.
Also, weiter so. Und vielleicht kannst du ja den Expertentipp mit den Plänen annehmen. Es ist nicht förderlich, einfach so in den Tag hinein zu leben, es kommt der Punkt, wo das hinderlich und nicht günstig für den Genesungserfolg ist.
Liebe Grüße
Eule