Guten Morgen, liebe Moni,
vielen Dank für Deine anerkennenden Worte - ich hoffe sehr, dass auch wir Lotsen hin und wieder ein wenig helfen können. Aber wie Du an dem herzlichen Beitrag von Gitte siehst, sind wir hier eine starke Gemeinschaft, in der jeder jedem zu helfen versucht, weil das von Mitkämpfern Berichtete nicht spurlos an einem vorbeigeht. Du kannst sicher sein, dass Deine Posts von vielen gelesen und reflektiert werden, auch wenn sich die meisten nicht dazu äußern. An Gittes Beitrag kannst Du aber sehr deutlich die Herzenswärme ablesen, mit der Menschen hier aufgefangen werden.
Um Deine Frage zu beantworten: Der körperliche Entzug war bei mir schon lange vor Ablauf des ersten halben Jahres vorbei. Die hinlänglich bekannten Entzugserscheinungen (Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Schlafstörungen, hin und wieder Schweißausbrüche, bei mir anfangs auch noch verstärktes Abhusten) waren bereits nach dem ersten Monat Geschichte. Danach begann die Phase des schrittweisen Umlernens, dass Situationen also ohne Kippe nicht nur genauso, sondern sogar noch schöner sein können, weil man viel besser sehen, riechen und schmecken kann. Und genau das hat mir einen positiven Motivationsschub nach dem anderen verpasst: Überall habe ich völlig neue Dinge wahrgenommen - Blumengerüche, Gewürznoten im Essen, auch optische Details, weil ich herumbummelte, statt schnell zur nächsten Raucherecke zu hetzen. Ich habe mich manchmal wie ein Teenager gefühlt, der plötzlich vieles mit ganz neuen Augen sieht. Mir haben diese neu erwachten Wahrnehmungen immer wieder ein positives Lebensgefühl gegeben, das mich darin bestärkte, unbedingt in dieser Welt der unverqualmten Empfindungen bleiben zu wollen.
Vielleicht habe ich das Nicht-mehr-Rauchen auch gerade deshalb als so positiv empfunden, weil mein Mann und meine beste Freundin damals noch Kettenraucher waren: Ich musste nicht mehr husten, konnte stundenlang durch Ausstellungen bummeln und den anderen anschließend erzählen, was sie in ihrer Raucherecke alles verpasst haben, blieb am Tisch sitzen, während sich meine beiden Hübschen in der windigen Eingangsecke den Popo abgefroren haben - und war hin und wieder sogar die einzige mit einem noch funktionstüchtigen Feuerzeug in der Tasche... :lol:
Wenn es Dir nicht so leicht fällt, das Positive zu sehen, dann mach doch einfach eine kleine Übung: Steck Dir einen kleinen Block ein und schreibe Dir auf, was Dir im Laufe des Tages so alles Angenehmes begegnet. Zwanzig Punkte sollten abends schon zusammen gekommen sein. Einen Punkt für heute wüsste ich schon: Die Anerkennung Deines kleinen Bruders. Nachdem mein Sohn mir gesagt hatte, dass er stolz auf mich sei, hielt die Wirkung in mir wochenlang an...
Liebe Grüße und einen harmonischen Tag, Brigitte
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