Hallo Berti,
ich heiße Dich auch herzlich willkommen hier bei uns Aufhörern. Schön, daß Du zu uns gefunden hast.
Ich will Dich jetzt auch nicht groß mit Tipps aufhalten, Dir erzählen, was Du mit Deinen bisherigen Aufhörerfahrungen schon weißt und wiederholen, was Dir meine Vorredner schon alles an Richtigem und Wichtigen dagelassen haben. (Kann ich ja später noch machen :riesengrinser: ).
Auf was ich gerade mal eingehen möchte, ist Dein Frust, daß Du jetzt nach neun lockeren Tagen auf einmal vom wilden Schmachtaffen gebissen wirst (btw: Du schreibst von neun lockeren und heute dem zehnten Tag, warum steht denn dann bei Deinem Profil "rauchfrei seit 20 Tagen"? Habe Deinen ersten Beitrag mehrmals gelesen, hab ich da was falsch verstanden? Kannst Du mir helfen?). Weißt, der Anfang ist oft von Euphorie gekennzeichnet. Man hört auf zu rauchen, ist stolz auf sich, es ist auch aufregend! Nach einigen Tagen hört es auf, ein Ausnahmezustand zu sein. Das Nichtmehrrauchen fängt an, sich in den Alltag zu integrieren, und die rein körperliche Entgiftung ist ja nach einigen Tagen auch abgeschlossen. Und jetzt passiert folgendes: Die anfängliche Euphorie ist weg, der Reiz des Neuen. Das Gift ist raus, also auch die Restbestände von Nikotin, welches im Gehirn an die Rezeptoren für Glücksbotenstoffe andockt und so deren Funktion übernimmt. Dein Körper produziert diese im Moment nicht selbst, so wie er sollte (das kommt allerdings bald wieder, da brauchst Du keine Sorge haben), und nun merkt die Sucht, daß Du es ernst meinst und daß nichts mehr nachkommt. Und all diese Faktoren bewirken, daß Du nunmehr, nach ein paar Tagen, "ins Loch" fällst. Bitte gräm Dich darüber nicht, das passiert vielen Aufhörern (ich glaube mich zu erinnern, daß auch meine Schmacht erst mit ein paar Tagen Verzug eingesetzt hat). Mach Dir keine Sorgen, das ist nicht ganz so selten. Du hast ja ein Instrumentarium zur Verfügung, um dagegen anzugehen, kennst ja ganz viele Tricks. Laß Dich davon nicht ins Bockshorn jagen!
Und auch ich möchte Dir die Befürchtung nehmen, daß es jetzt bis Ende des Entzugs nicht mehr besser wird. Möglicherweise sind die ersten paar Wochen die anstrengendsten, doch danach spüren viele Aufhörer schon merkliche Erleichterungen. Du scheinst die Phasen des Entzugs ja selbst ganz gut zu kennen, wenn Du von ab jetzt noch geschätzten neun Wochen sprichst - Allen Carr definierte ja auch die drei Entzugsphasen drei Tage - drei Wochen - drei Monate. Und meint damit, immer so um den jeweiligen Zeitraum gibt´s einen Einschnitt welcher Art auch immer. Und Allen Carr kann man gut finden oder nicht, aber Fakt ist: Es ist schon so, daß viele Aufhörer, die in der ersten Zeit wirklich zu knabbern hatten, nach etwa drei Wochen deutliche Erleichterungen verspüren. Nicht nur pausiert die Schmacht da schon öfters und immer länger, sondern auch die Qualität der Schmachtattacken kann dann schon mal nachlassen. Und eigentlich sind sich alle Aufhörer darin einig, daß der Entzug in Wellen verläuft, die mal hoch schlagen und dann wieder ausrollen. Daher wirst Du sicherlich nicht ab jetzt bis in zweieinhalb Monaten ganz hoch oben auf der Welle surfen. Es wird leichter Berti.
Du schreibst daß Du traurig bist, nicht mehr rauchen zu dürfen. Würde es Dir vielleicht helfen, den Gedanken mal umzudrehen: Es ist ja nicht so daß Du nicht mehr rauchen darfst. Aber Du _mußt_ nicht mehr! Du dürftest bestimmt noch rauchen, ist wahrscheinlich keiner da, der Dir gebietet es nicht zu tun. Aber bisher ist die Sucht noch am Start, die Dir gebietet zu rauchen! Und Du willst keinen Gebieter, Du willst Deine eigenen Entscheidungen treffen. Richtig? Willst selbstbestimmt sein. Also setzt Du Dich jetzt über die Sucht hinweg, läßt Dich nicht mehr von ihr zwingen zu rauchen. Du mußt es nicht mehr tun - Du bist frei! Hört sich das nicht gleich viel schöner an?
Die Erfahrung, daß diese Idee "eine wird mich nicht gleich wieder umschmeißen" blühender Blödsinn ist, habe ich auch schon einmal gemacht. Sie hat mir eine erneute Raucherkarriere eingebracht, die mich schließlich auch hierher führte. Und so viele hier teilen sie! Ich finde es gut, daß Du Dir das zu Herzen nimmst. Auch für mich kann es keine einzige mehr geben - wie für so viele hier. Denn ich denke, wir - Du nennst uns so schön - Hardcore-Raucher haben ein dermaßen trainiertes Suchtgedächtnis, das es sofort wieder geweckt ist, wenn wir nur schon mal ziehen. Egal wie lange wir nicht mehr rauchen: das bleibt uns - wir können eben unsere Vergangenheit als Suchtis nicht leugnen. Müssen wir auch gar nicht. Aber aus unseren Erfahrungen lernen können wir.
Komm jederzeit gerne her, wenn Du Fragen hast, Beistand wünschst oder einfach nur Austausch pflegen möchtest. Ich wünsche Dir viel Spaß beim Wandern am Wochenende. Weiterhin viel Erfolg und Grüße sendet Dir
Lydia