Moin,
ich geselle mich mit meinen 41 Jahren mal in die Runde. Etwa 25 davon habe ich als Raucher verbracht.
Mehrere Freunde/Bekannte in meinem Umkreis haben mittlerweile "einfach mit dem Rauchen aufgehört". Genau das habe ich jetzt auch am letzten Freitag gemacht, die letzte Zigarette geraucht und kein neues Päckchen mehr gekauft. Kein Drama, kein Getue, die letzte hab ich besonders bewusst und mit angemessener Abscheu geraucht.
Gedanklich habe ich schon seit geraumer Zeit "aufgehört", was mir jetzt hilft. Ich hab mir zuletzt bei fast jeder Zigarette schon automatisch gedacht, wie ekelig und überflüssig es ist, sich irgendein Kraut ins Gesicht zu stecken und auch noch anzuzünden. Es stinkt wie die Pest, es schmeckt wie brennender Abfall, es tötet dich jedes mal ein bisschen. Das Zeug zwingt dir seinen Rhythmus auf, es macht dich kirre, wenn du ihm nicht gehorchst. Es treibt dich immer wieder in die Kälte oder in den Regen. Ja, es verschafft dir für ein paar Minuten "Entspannung" - aber nur von der mörderischen Sucht, die es selbst verursacht. Die ultimative Zigarette ist quasi jene, die du nicht mehr rauchst, weil du die Sucht überwunden hast: das ist Entspannung pur.
Ich habe tatsächlich nicht mehr den Eindruck, dass ich auf etwas verzichte oder dass ich einen bestimmten Teil meiner Persönlichkeit "verstoße". Das hab ich früher mal so empfunden, das hat mich auch immer wieder dazu gebracht, nach- und aufzugeben. Aber die Zigarette ist der abscheulichste "Freund", den man sich vorstellen kann: Er belügt dich, er beklaut dich, er macht dich krank und schwach. Und dabei lächelt er dich die ganze Zeit falsch an. WUT ist das, was man hier empfinden sollte, wenn man aufhört. [i]Nicht bedauern[/i]. WUT und auch FREUDE, diesen "Freund" jetzt dort zu lassen, wo der Pfeffer wächst. Wer einen solchen "Freund" hat, braucht keine Feinde mehr.
Durch diese Haltung empfinde ich die Entzugserscheinungen komischerweise jetzt eher wie eine Art "Erkältung", das Suchtgefühl ist quasi "abgekoppelt", weil ich den Drang zu rauchen nach anfänglichen Schwierigkeiten jetzt anscheinend effektiv abgewürgt habe. Ich denke schon noch ans Rauchen, aber es erscheint mir nicht mehr wie eine "Lösung", sondern tatsächlich als [i]Problem[/i]. Ich fühle mich gerade schlecht, [i]weil[/i] ich so lange geraucht habe - und [i]nicht[/i], weil ich nicht mehr rauche. Ich bin jetzt dabei, zu gesunden. Diesen Gedanken musste ich für mich innerlich vollziehen, ich musste dieses irrationale Gedankenkonstrukt, das mich am Rauchen hielt, in sein Gegenteil umkehren und es scheint mir irgendwie gelungen zu sein.
Schon ulkig, aber es hat auch lange gedauert, ein paar Jahre, da ich kein gezieltes System hatte, nur einfach einen zunehmenden Widerwillen gegen das Rauchen, der sich immer mehr steigerte. Immer mal wieder hab ich auch ausgesetzt und frustriert doch wieder geraucht. Jedes Mal schmeckten mir die Kippen weniger. Ich glaube, dieses Mal packe ich es. Es sind jetzt ziemlich genau 96 Stunden ohne, so lange ohne habe ich es die letzten 20 Jahre nicht ausgehalten und ich fühle mich echt gut dafür.
[i]Endlich rauchfrei[/i].
:-)