Hallo Mr. Bluesky,
wie geht es Dir denn jetzt so in die Abendstunden hinein? So sehr es auch an Dir zerren und nerven mag: Bitte mach Dir keine Sorgen. Viele Aufhörer erleben die ersten Tage als die schlimmsten. Man hat noch keine rechte Routine im Nichtmehrrauchen, die Schmacht motzt und meckert, die Umstellung will noch gewuppt werden und es ist einem noch gar nicht so recht klar, wie ein Tag ohne Rauchen eigentlich funktionieren soll. Das kann schon anstrengend sein! Ich verstehe, daß das hart ist, hab auch mal aufgehört wie Du und hab sowas auch durch.
Warum genau hörst Du auf zu rauchen? Welches sind Deine Motive - worüber freust Du Dich, wenn Du es erreicht hast? Darauf, nicht mehr zu husten wie der Berserker? Wieder Luft zu bekommen? Besser zu riechen und zu schmecken, oder auch als besser riechend wahrgenommen zu werden? Deiner Wirkung auf andere Menschen sicherer sein zu dürfen? Oder einach - auch völlig legitim! - mehr Geld im Säckel? Freiheit? Was ist es für Dich, welche Motive treiben Dich an? Mach Dir doch bewußt, was für Dich dabei rausspringt. Erinnere Dich daran, wofür Du es tust. Dann frage Dich, ob Du das nicht immer noch erreichen willst - und wenn die Antwort Ja lautet - und ich bin sicher, das tut sie - , sitze den Schmachter aus, und dafür fällt es Dich vielleicht auch leichter.
Und überlege Dir ruhig, was Du tun kannst, damit es Dir besser geht. Musik, höre ich das richtig raus? (Kann es sein daß Du Deinen Nick beim elo geliehen hast?) Oder Bewegung? Frische Luft? Eine Atemübung? Du darfst auch zu einer Ersatzhandlung greifen, wenn es Dir hilft: schneide Dir einen Strohhalm auf Zigarettenlänge ab und "rauche" die Luft dadurch. Dir ist alles erlaubt, was Dir das Durchhalten erleichtert, dazu führt, daß es Dir besser geht, und was Dich auf angenehme Art ablenkt.
Du brauchst auch keine Befürchtungen haben, daß dieser Druck jetzt toujours auf Dir lastet, bis der Entzug beendet ist. Er verhält sich wie eine Welle, schlägt hoch, flaut aber auch wieder ab. Man kann es nicht so recht glauben, wenn man erstmal auf so einer Welle surft, ich weiß es fühlt sich an, als würde man nie wieder runterkommen. Das stimmt aber nicht: das suggeriert Dir die Sucht, damit Du ihr was zu futtern bringst. Doch sie wird schwächer, wenn Du ihr nichts gibst. Wenn es nicht so wäre, würde es doch keiner längerfristig schaffen, richtig? Und schau Dich mal hier um, was es hier für Tageszahlen gibt: drei-, vierstelliger Bereich. Das wäre doch nicht zu schaffen, wenn es nicht besser würde. Laß Dir das Beweis sein, daß es nachläßt.
Darf ich noch fragen, warum Du Deine bisherigen Aufhörversuche als desaströs erlebt hast? Vielleicht waren da Erfahrungen dabei, die Du jetzt nutzen kannst. In welchen Situationen bist Du denn ins Schlingern geraten, und hättest Du eine Idee, wie Du diese nunmehr anders bewältigen könntest, statt zu rauchen? Vielleicht können wir diese Anläufe ja noch von "Desaster" in "Erfahrung" umwidmen - denn in meinen Augen ist jeder Absprung eine tolle Leistung, da Kraftakt, egal wie er ausgeht.
Ich finde es super, daß Du ausgestiegen und nun auf dem besten Weg bist, Dir Deine Freiheit zurückzuerobern. Es ist zu schaffen - auch für Dich! Komm wieder, laß von Dir hören, schreib, unterhalte Dich - lenkt auch ab! - und schau Dich um, Du siehst ja, Du bist nicht allein mit Deinen Erlebnissen. Weiterhin alles Gute, Durchhaltevermögen und eine Extraportion Kraft wünscht Dir
Lydia