Guten Tag Bäckström,
... und klasse daß Du was eigenes aufgemacht hast! Herzlich willkommen im eigenen Wohnzimmer, im Forum, im Kreise der Aufhörwilligen, schön daß Du Deinen Weg hergefunden hast. Und gleich mal meinen Glückwunsch zur Erstürmung der dritten Woche!
Du hast in einem früheren Post mal gesagt, so um den Zeitraum rum hättest Du Dir immer gedacht, mal eine zur Belohnung ginge schon... inzwischen hast Du natürlich die Erfahrung, daß dies ein Trugschluß ist. Egal übrigens, ob Du sie nach 14 Tagen oder nach längerem riskierst. Das Suchtgedächtnis wird immer wieder anspringen, wenn wir auch nur eine rauchen - und dann bleibt es nicht bei der einen. Die gute Nachricht ist: später ist dieser Gedanke sehr leicht zu verdrängen. Aber da plaudern wie später drüber, oder?
Eins aus Deiner Aussage ist jedoch schon sehr aktuell: der Belohnungsgedanke. Du sollst Dich ja belohnen, auch und gerade in der Entwöhnung, weil Dein Kopf wieder lernen muß, daß Belohnung nicht Zigarette bedeutet. Und gerade 14 Tage sind doch ein belohnenswerter Erfolg, oder? Da darf schon mal eine Belohnung drin sein, so im Rahmen des Hobbies, kulinarischer Genüsse oder was Belohnung für Dich ist. Du könntest auch auf größere Belohnungen "hinarbeiten" (es wurden hier für Meilensteine schon neue Smartphones, Musikinstrumente, Fahrräder u.v.m. angeschafft - wäre das nicht ein Motivationsschub?). Aber Belohnungen sind schon wichtig und richtig in der Entwöhnung, also die bitte nicht unter den Tisch fallen lassen.
Was ich auch bei Dir gelesen habe, ist eine gewisse Kurzatmigkeit nach dem Rauchstopp. Also ja, das haben wir hier auch schon öfters gelesen. Bei mir selbst gab es dieses Phänomen auch: ich bin selber Asthmatikerin (und dann aber rauchen, wahnsinnig schlau oder?), und beim ersten turnusmäßigen Lungenfunktionstest nach dem Ausstieg hatte ich Werte jenseits von gut und böse. Hintergrund könnte der sein, daß die Lunge nunmehr beginnt sich zu reinigen und Schadstoffe und Schleim vermehrt ausstößt, was schon mal zu Verstopfungen führen kann. Natürlich kann ich Dir keine Ferndiagnose anbieten, ein Gang zum Arzt bringt Dir da mehr Klarheit. Vielleicht kann und sollte er da unterstützend tätig werden. Bitte scheue Dich nicht, alles zu tun, damit es Dir gutgeht, auch und gerade in der Entwöhnung, und solche Begleiterscheinungen sind beim Arzt gut aufgehoben. Aber ein ganz unbekanntes Phänomen ist das hier nicht.
Als ich Deinen Bericht las, dachte ich, ich schau in einen Spiegel: Heimlich rauchen, um es von den Kindern fernzuhalten, Müll raustragen, zum Laden hinterlaufen, Wege nutzen... das gleicht meiner Raucherkarriere wirklich (ich bin auch sicher, daß meine Kinder den Gestank wahrgenommen haben, jedoch nicht, ob sie diesen zuordnen konnten, ich habe aufgehört, als sie noch kleiner waren und sie hatten darüberhinaus keinen Kontakt zu Rauchern). Aber wie süchtig muß man sein oder? Ja, wie es Daniel schon sagt, mir haben Kaugummis und scharfe Bonbons ohne Zucker auch geholfen, mal versuchen...? Auch konnte ich mir sehr gut mit Umwegen behelfen, also bestimmte Wege nicht zu gehen, sondern andere zu suchen. Auch wenn es im Ernstfall mal ein wenig länger gedauert hat - ich war länger an der Luft und der Weg hat nicht aufgrund der Verknüpfung mit dem Rauchen schon Schmacht ausgelöst. Gut, den Müll brauchst Du nicht ums Haus rumtragen, is klar... da hab ich mir immer Kaffee auf die Stufe gestellt, Abfall in der Tonne deponiert, zurück zur Treppe, wo ich immer "Rauchauszeit" gemacht hatte, und dann eben Kaffeeauszeit genommen (denn die Auszeiten braucht man trotzdem). Vielleicht hast Du auch ein paar Ideen für so Workarounds...?
Und auf Dein Gefühl hin, es würde schwieriger, das ich auch irgendwo bei Dir gelesen habe: Bitte laß Dich nicht ins Bockshorn jagen. Erstens erleben ganz viele Aufhörer gerade die ersten drei Wochen als die Schwierigsten (die hast Du ja bald schon in der Tasche) und spüren danach deutliche Erleichterungen. Das kann ich Dir jetzt zwar nicht versprechen, aber es ist schon ein Erfahrungswert hier - und eine Perspektive, findest Du nicht? Und zweitens - und das kann ich Dir versprechen - die Schwierigkeiten bestehen auch während der Entwöhnung über nicht auf konstant hohem Niveau. Kann sein, Du erlebst mal ein paar unbequemere Wellen, doch dazwischen gibt es auch schon mal spannungsfreie Zeiten, zu denen Du Kraft tanken und Dich schon mal auf die Freiheit freuen kannst, die Dir zum Ende der Entwöhnung geschenkt wird. Und die ist dann dauerhaft.
Geh Deinen Weg unbeirrt weiter Bäckström, so viele hier schaffen es, Du kannst das auch. Viele Grüße sendet Dir
Lydia