Guten Tag Achilles,
erstmal gratuliere ich Dir zu den bereits acht rauchfreien Tagen, die Du schon im Gepäck hast! Damit erstürmst Du schon die zweite Woche und schreitest auf die erste zweistellige Tageszahl zu. Hast Du Dich schon einmal für Deinen Erfolg belohnt? Darfst, sollst Du nämlich durchaus machen dann und wann während der Entwöhnung! Denn erstens hält des die Laune halbwegs stabil. Zweitens manifestierst Du so für Dich, daß auch was aus der Entwöhnung für Dich herausspringt, noch bevor Du den Entzug abgeschlossen hast. Und drittens kann man mit kleinen Aufmerksamkeiten für sich selbst auch ein klein wenig die Leere füllen. Und da sind wir ja beim Thema.
Diese Leere ist ein allseits Bekannter hier in diesem Forum. Es ist ja auch nicht weiter verwunderlich: Was haben wir die letzten Jahre über in allen Lebenslagen getan, was haben wir denn als allzeit verfügbare/n Genuß, Beruhigung, Kompensation, Entspannung, Stresskiller, Beschäftigung bei Langeweile mißverstanden? So. Und das ist jetzt weg. Und unsere Sucht meckert: Es fehlt was. Dazu kommt, daß wir auf einmal viel Zeit haben, die wir früher zum Rauchen genutzt haben (den Faktor sollte man gar nicht unterschätzen, das zieht wirklich ungeahnt viel Zeit), die wir jetzt erstmal "unterbeschäftigt" sind. Daher das "leere" Gefühl.
Aber ich kann Wolke wirklich nur zustimmen: Dieses Gefühl der Leere wird verschwinden. In dem Maße, wie die Sucht geschwächt wird durch Dein Durchhalten, merken wir auch, daß uns eigentlich gar nichts fehlt. Wie wäre es damit: Fülle doch erstmal Deine übrige Zeit ein wenig. Mit Hobby, bewußt kochen, meinetwegen Liegestützen zwischendurch - was fällt Dir so ein? Das muß auch gar nicht für immer sein, nur momentan, um Dir das Gefühl zu geben, da ist nochwas. Nach und nach wirst Du die Leere von selbst nicht mehr verspüren.
Auch das Fortgehen macht ohne Zigarette Spaß! Das erschließt sich Dir vielleicht momentan noch nicht so ganz, denn Du wirst es ohne Kippe kaum kennen, aber das ist ein Erfahrungswert. Du mußt Dein Leben gar nicht einschränken - Du bist nur erst dabei, Dich dran zu gewöhnen. Meinen Dank übrigens an Deine Begleitung, daß sie die Zigaretten versteckt hat!
Was Du ja schon gemerkt hast, ist, daß der Genuß alkoholischer Getränke Schmacht auslöst. Das liegt daran, daß dieser in unseren Köpfen eng mit dem Rauchen verknüpft ist. Doch entkopple diese Verbindung erstmal, denn dann triggert auch mal ein Bier oder Wein keine Schmacht und keine komischen Gedanken à la "Beim Fortgehen geht schon mal eine" mehr. (Geht nämlich nicht, da sind wir uns ja schon einig, da unser Suchtgedächtnis von nur einem Zug gleich wieder reaktiviert wird.) Könntest Du Dir vorstellen, für eine kurze Zeit auf Alkohol zu verzichten oder den Umsatz zu senken, damit Du diese Verbindung aus Deinem Kopf tilgst? Es wäre ja kein Dauerzustand.
Aber ganz klar, diese Leere (die ich übrigens auch gespürt habe, vor allem abends nach getanem Tagwerk) wird sich verlieren. Und Du hast wieder genausoviel Genuß am Leben wie vorher. Mehr noch - da selbstbestimmt!
Viele Grüße von
Lydia