Lieber Paul,
:riesengrinser:
viiiieeelen Dank für dieses herrliche Bild von Heulsuse und Wüterich, die hinter der riesigen Tasse kaltem Kakao sitzen und quarzen, was das Zeug hält. Vielleicht schaffe ich es, diese Vorstellung in der nächsten Notsituation, in der die beiden die Oberhand haben, gedanklich hervorzuholen, darüber ein bisschen zu schmunzeln und die Gelassenheit wiederzufinden.
[quote="Paul2.1."]Die Zigarette würde diesen Knoten auflösen; [/quote]
Vielleicht werde ich anfangen, jeden dieser Knoten, die nur mit Zigarette aufzulösen sind oder zu sein scheinen, zumindest jetzt am Anfang ganz besonders Wert zu schätzen, sind sie doch gerade in einem solchen Moment der Preis für die Rauchfreiheit. Und was wäre ich nicht alles bereit zu geben um dauerhaft rauchfrei zu bleiben, wenn man mich jetzt, so ganz entspannt, fragen würde. Wenn es nur so einfach wäre und man in jeder Situation den Weg in die Meta-Ebene schaffen würde.
Vielleicht wurde mein zartes Stimmchen auch überdeckt von einem Konglomerat aus "Ach rauchen wir erstmal eine, dann ist das alles nicht mehr so schlimm", aus mangelndem Selbstbewusstsein und daraus folgend übertriebener Gelassenheit.
Wo wünsche ich mir denn eigentlich die Grenze meiner Gelassenheit, wie erkenn ich diese Grenze und was mach ich, wenn jemand diese Grenze überschreitet? Das ist gerade so eine Frage. Vom gelassenen Belächeln des Verhaltens der Mitmenschen zum Ausnutzen lassen und zu viel Unangenehmes runterschlucken ist es nicht weit. Vielleicht ist die Grenze auch tagesformabhängig und lässt sich gar nicht festlegen. Vielleicht hängt sie auch vom Gegenüber ab. Vielleicht passt Gelassenheit auch einfach gar nicht zu mir, vielleicht hab ich sie emotional immer verwechselt, mit Contenance oder so - egal was mir widerfährt, ich lass mir nichts anmerken und rede mir die Welt schön. Manchmal glaub ich mir das dann, manchmal nicht. Ist das Gelassenheit? Ich weiß es nicht. Oder ist Gelassenheit, wenn man einfach abgestumpft hinnimmt, was so geschieht? Will ich so sein? Das ist alles gerade ein bisschen wirr. Und gleichzeitig sind das alles Fragen, die über die Jahre immer wieder aufgetaucht sind, mal lauter, mal leiser. Und doch ist jetzt irgendwas anders.
"Das richtige Maß lernen" - das scheint noch ein weiter Weg zu sein. Im Moment kann ich nur runterschlucken oder explodieren, wenn es um Dinge geht, die mir wichtig sind. Aber ich hab noch ein bisschen Zeit, ich hab eigentlich weitgehend nette Mitmenschen, und es macht mir Mut, dass es ja doch irgendwie möglich sein muss, das zu lernen.
Ich danke dir für die Idee, dass ich für meine Explosion um Entschuldigung bitten könnte. Bisher hab ich mich nur als armes Opfer selbst bemitleidet, aber wenn ich in der Lage wäre, die Dinge anders und früher wahrzunehmen und zu diskutieren, dann hätte es diesen Eklat nicht in dieser Form geben müssen.
Viele liebe Grüße, danke für dein offenes Ohr und deine Gedanken, ich wünsche dir einen wunderschönen Frühlingsabend.
Jani