Hallo Vicky,
ich heiße Dich auch noch willkommen bei uns Aufhörwilligen und gratuliere Dir zu Deinem Entschluß und dessen Umsetzung!
Du hast ja schon einiges gelesen hier. Dieses Einsamkeitsgefühl, diese Wahrnehmung von Verlassenheit, ist ein alter Bekannter vieler Aufhörer. Ist ja auch kein Wunder, haben wir doch teilweise über lange, lange Zeit, alles mit unserer "alten Freundin" Zigarette erlebt, Streß und Langeweile, Freude und Ärger. Wir müssen erst lernen, alles was wir tun, ohne Zigarette zu tun. Und das ist am Anfang das, was uns das Gefühl gibt, eine "Freundin" verloren zu haben.
Doch wie Du es schon ganz richtig siehst, das trichtert uns die Sucht ein, unser Kopf weiß, daß es nicht wahr ist. Daß wir nur etwas zu gewinnen haben, wenn wir aufhören, nichts zu verlieren. Und Du hast ja auch schon den Tipp bekommen, Dir Deine Motivationen bei jedem Schmachtanfall vor Augen zu halten. Manche verteilen dazu Postits in der gesamten Wohnung, andere haben ein Zettelglas, aus dem sie bei jedem Anfall einen Zettel ziehen und sich das darauf befindliche Motiv zur Bestätigung vorlesen. (A propos Zettelglas: Das kannst Du auch zur Ablenkung nutzen. Schreibst viele, viele Zettel mit je einer Aufgabe - Blumen gießen, ein Fenster putzen, einmal die Treppen rauf und runtergehen, Lieblingslied anschmeißen und mitsingen, Zähne putzen, egal was - Handstand üben, was Dir einfällt - tust all die Zettelchen in ein großes Glas, ziehst bei jedem Schmachter einen Zettel und machst das dann auch was da drauf steht. Wenn das fertig ist, ist der Schmachtanfall abgeebbt, die dauern erfahrungsgemäß bloß einige Minuten bis sie erträglich werden - das mal noch so als Tipp zur Ablenkung).
Ich glaube auch, Deine Motive sind stark, und der Wunsch aufzuhören so ziemlich bei Dir angekommen. Das ist eine gute Voraussetzung für den Erfolg. Auch daß Du schon einige Versuche hinter Dir hast sind kein Hinweis darauf daß Du es nicht schaffen könntest, im Gegenteil. Die meisten Raucher benötigen mehrere Versuche, bis sie es schaffen, dauerhaft rauchfrei zu bleiben. Man muß ja erstmal den Weg finden, der für einen persönlich der richtige ist (vielleicht ist der Deine ja der über das Forum), und auch erstmal herausfinden, wie stark die Sucht in einem ist und wo für einen persönlich die Fallstricke sind. Aber irgendwann hat man genug Erfahrungen gesammelt, um nicht mehr drauf reinzufallen. Vielleicht ist es das, was Dir diesmal das Gefühl gibt, auf einem besseren Weg zu sein als bei bisherigen Versuchen. Du kannst es schaffen Vicky!
Was die Theorie mit den drei Tagen angeht. Also, ja, es gibt da diese drei Phasen 3 Tage - 3 Wochen - 3 Monate. Die erste Phase, drei Tage, soll die körperliche Entgiftung markieren. Viele Aufhörer empfinden danach erstmal eine Konsolidierung des Suchtdrucks. Dabei bitte ich Dich jedoch zu beachten: Erstens sind diese Zeithorizonte keine exakten Zeitbestimmungen, bei manchen sind es auch fünf Tage, manche spüren diese Phasen überhaupt nicht so extrem oder ineinander übergehend. Und zweitens: Jeder Entzug ist anders. Keiner kann Dir prognostizieren, wann Du welche Phase in welcher Intensität spürst. Ein Entzug verläuft meist in Wellen, es gibt schlimmere Phasen und weniger schlimme. Aber er ist nicht vorhersagbar.
Vorhersagbar ist nur, daß er aufhört. Es wird aufhören Vicky, irgendwann in ein paar Monaten ist der Entzug abgeschlossen (und das hört sich ab jetzt vielleicht viel an, ist aber lächerlich wenig im Vergleich zu dem, wie lang man geraucht hat und wie lang Du danach noch suchtfrei und bei bester Gesundheit leben wirst!). Dann mußt Du nicht mehr gegen Suchtdruck anstemmen, und wirst Dich nicht mehr einsam fühlen (na, das wird vorher schon aufhören). Bis dahin nutze jede Möglichkeit zur Ablenkung, betüddel Deine kleine Maus (Kinder sind ein starker Motor beim Ausstieg, meine haben mich auch über viele Schmachtattacken hinweggetragen, also wenn die Sucht drängt, schnapp Dir Dein Mäusle und freu Dich daß sie keinen Rauch riechen muß), mach Handarbeiten (bei mir waren es Loombänder und Papiertulpen, ich wäre die erste Zeit fast darin ertrunken hier), trink viel, viel Wasser oder Kräutertee (entgiftet und hilft über Schmachtattacken hinweg - Aufgabenzettel mit "Glas Wasser trinken" *lach*!) und geh Bewegung nach, so es eben geht (das kann auch Alltagsbewegung sein wie Treppensteigen oder sowas). Und komm her, lies, schreib, schimpf, was Du brauchst. Das hat mich auch gestützt. Denn Du bist nicht allein. Wir sind viele.
Bleib dran Vicky, ein wenig Leidensfähigkeit gehört leider dazu. Aber es ist zu schaffen! Ich wünsche Dir dabei alles Gute, und - Du weißt ja wohin, wenn was ist. Viele Grüße sendet Dir
Lydia