Liebe Herbstglück,
sehr reflektiert hier in deinem Wohnzimmer. Das ist, so wie ich das sehe eine der Grundvoraussetzungen für einen erfolgreichen Rauchausstieg. Indem wir uns mit den Mechanismen beschäftigen, die dazu führen, dass wir immer wieder rauchen wollen, können wir sie nach und nach ausschalten.
Wir alle kennen aus unserem Umfeld und auch von uns selbst die vielen "Ja, aber...", "Dazu müsste ich aber erst...", "Früher ging es doch auch so...", Gedanken. Das sind alles Einwände um etwas nichts verändern zu müssen, denn ein Rauchausstieg ist nicht einfach das Weglassen von Zigaretten, es ist Verhaltensänderung und das bezogen auf fast jeden Lebensbereich.
Wir alle und das ist nur allzu menschlich, halten gerne an Gewohnheiten fest. Unsere Gehirne sind so: Sie mögen ausgetretene Pfade. Denn zugegeben, wenn wir nicht ganz viele Dinge unseres Alltags mit Autopilot erledigen könnten, wären wir sicher aufgeschmissen. Einen neuen Weg zu gehen und einen neuen Pfad zu trampeln, bedeutet eine Menge mehr Energieaufwand, als Alles beim Alten zu lassen. Die Crux an der Sache ist, dass es eine ganze Weile dauert, diesen neuen Pfad zu einem schönen einfachen Weg zu gestalten. Er ist zunächst einfach nicht da, dann ist er steinig, unbequem, wir kommen nur langsam vorwärts und wir sehnen uns nach dem guten alten Pfad zurück, der so schön ausgetreten war, dass wir uns nicht jeden Schritt bewusst überlegen mussten.
Da kommt schon Mal die Frage auf: Ich habe doch diesen alten, ausgetretenen Pfad, warum nehme ich nicht den, sondern quäle mich hier mit diesem steinigen, feuchten und dreckigen Neuen Weg herum?
Um es mal pathetisch auszudrücken: Weil der neue Weg in die Freiheit führt.
Wir sollten erkennen, dass eine ungeheure Kraft in uns allen liegt,
die wir aber nicht nutzen können, solange wir uns als Opfer fühlen.
(Rudolf Dreikurs)
In meiner Interpretation ist das "Opfer" hier jemand, der es einfach nicht schafft sich aus einen alten Strukturen zu lösen und eine Änderung herbeizuführen, selbst wenn es zu seinem oder ihrem Besten ist. So gesehen ist das schon sehr passend in diesem Zusammenhang.
Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass es durchaus "Opfer" gibt, die weder mit mentaler Stärke, noch mit positiver Einstellung ihre Situation ändern können. Wie beispielsweise Opfer von Gewalt, Diskriminierung oder Rassismus. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, mit diesem Opferbegriff sehr sensibel umzugehen.
Liebe Herbstglück,
ich gratuliere dir zu 11 Tagen Rauchfreiheit. Gönn dir was Schönes und feiere dich.
Liebe Grüße Heike