05.10.2025
00:04 Uhrbearbeitet:
05.10.2025
00:16 Uhr
Moin Elektrifix,
herzlich willkommen im Forum der Süchtigen. Man kann das hier schon als eine Art Selbsthilfegruppe betrachten. Das Pseudonym ist ein gewisser Schutz und Du wirst hier viele Menschen treffen oder wirst von ihnen gelesen, die zu Hause zustimmend den Kopf nicken.
Die Erwähnung Deiner Süchte ist also keine Koketterie (und so wird es auch nicht verstanden) sondern ein Teil Deiner Persönlichkeit. Es gibt hier viele Menschen, die eine mehrfache Sucht haben, ich zähle mich auch dazu. Und ich habe eine ähnliche Erfahrung gemacht wie Du.
Mir war klar, dass ich meine Süchte aus meinem Leben streichen muss und, dass ich beides zeitgleich nicht schaffen werde. Ich entschied mich zuerst den Alkoholentzug zu machen, da mir dieser Entzug mehr Angst machte und ich wusste, dass ich nie aufhören werden zu rauchen, solange ich noch trinke.
Dieser Entzug war aber viel einfacher als gedacht, ich rauchte zwar noch mehr als sonst, hatte schlaflose Nächte aber nach zwei Wochen fühlte ich mich deutlich besser.
Das hatte ich nun auch von meinem Rauchstopp erwartet, aber es kam völlig anders. Nachdem ich 30 Tage rauchfrei war, habe ich mich hier im Forum angemeldet, weil es überhaupt nicht leichter wurde. Meine Laune war schlecht und entwickelte sich zu einer Depression, meine Gedanken kreisten um die Zigarette wie die Motten um das Licht und ich konnte es nicht abschalten.
So unterschiedlich die Substanzen sind und deren Anwendung, so unterschiedlich ist auch der Entzug.
Der Alkohol war meine Droge für Abends, weil ich ohne nicht mehr schlafen konnte, Albträume hatte, damit habe ich mich betäubt. So heftig die Wirkung war, so deutlich war auch die Nachwirkung und die Gewissheit, dass es so nicht weitergehen kann.
Die Zigarette hingegen war meine Tagesbegleitung, immer zugegen, für alle Gelegenheiten passend und eine fein dosierte Wirkung. Gesellschaftlich anerkannt ist die Zigarettenpause weniger aber die Gin-Tonic-Pause. Durch den Wegfall des Alkohols gewann die Zigarette zusätzlich an Bedeutung. Die Auswirkungen des Rauchens war eher eine Zukunftsangst, die des Alkohols hingegen war täglich vorhanden.
Die Nikotinsucht ist subtiler und lässt sich leichter schönreden, zumal ich ja schon einem großen Laster entsagt hatte,
„irgendetwas muss man sich doch gönnen“, oder?
Du bist ja gerade sehr schonungslos zu Dir selber, auch darin erkenne ich meine eigene Situation von vor sieben Jahren. Wer soviele Ausreden gefunden und erfunden hat wie ich,
(ich habe 6 Monate heimlich geraucht) der muss zu sich selbst absolut ehrlich sein und extrem konsequent.
Als ich endlich den Absprung geschafft hatte, war mir klar, dass dieser endgültig sein musste, denn es könnte sein, dass ich keinen weiteren Anlauf schaffen würde.
Du sagtest, Du kannst dich selbst sehr gut verarschen; das können wir alle und tun das auch täglich. Aber diese Fähigkeit kann eben auch anders herum genutzt werden. Rede Dir das Nichtrauchen schön, nicht das von heute, das ist nicht schönzureden, sondern das von morgen also die Zukunftsperspektive. Glaub daran was Dir die alten Hasen hier im Forum immer wieder sagen werden, und jetzt sage ich es Dir: “Das Nichtrauchen ist ein wahres Geschenk, es kann Dich stolz machen, es fühlt sich so gut an, zu wissen, dass Du einen stärkeren Willen hast als Deine Sucht.
Und, es wird leichter werden! Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und von Monat zu Monat. Jede Zigarette, die Du nicht rauchst stärkt das Bewusstsein Dir selbst vertrauen zu können.„
Ich habe mir damals gesagt, ich werde mir das Nichtrauchen solange schönreden, bis ich es mir selbst glaube. Das Rauchen hatte ich mir ja auch jahrzehntelang schöngeredet.
Schreib weiter hier im Forum, entweder in Deinem Wohnzimmer oder im Monatszug “September `25 wäre ja Dein Monat.
https://www.rauchfrei-info.de/forum/23/11935
Nirgends wirst Du so viele Menschen finden, die verstehen wovon Du schreibst, weil sie es kennen.
ich wünsche Dir viel „ich will...“ und „ich kann...“
LG von Paul
Jetzt habe ich sehr viel von mir geschrieben, weil ich Dich nicht kennen. Du kannst davon nehmen, was Du magst und was hilfreich sein könnte.