Liebes Forum,
Jetzt habe ich schon 8 Tage geschafft. Leicht ist es bis hierhin nicht gewesen. In dieser Zeit habe ich für mich ein kleines Tagebuch geführt und alles festgehalten, was mir wichtig erschien. In schwierigen Momenten kann ich vielleicht darauf zurückgreifen und mir vor Augen führen, dass ich eine bestimmte Situation schon gemeistert habe und es im Falle des Falles wieder schaffen kann. Es ist sehr persönlich, fast intim, so dass ich den Inhalt nicht im einzelnen öffentlich machen möchte.
Der rote Faden, der sich durch diese Aufzeichnung zieht, könnte aber vielleicht für den einen oder anderen hilfreich sein, möglicherweise zum diskutieren anregen.
Ich habe festgestellt, dass der rote Faden, der meine Gefühlswelt dominiert hat, mit der hier vielfach beschriebenen und empfundenen Leere einhergeht. Auch bei mir stellte sich die Frage, was ist das, warum fühlt es sich so deprimierend an, warum freue ich mich nicht wirklich, warum habe ich Angst, warum befällt mich Panik?
Zuerst wollte ich es vor mir ausschließlich mit der "Nikotin"sucht begründen. "Du hast das Pech, dass dein Gehirn genetisch auf Sucht auslösende Stoffe sehr schnell reagiert und ich nicht zu der Gruppe gehöre, die genetisch nicht betroffen ist. Diesen Anderen geht es also besser als mir, deshalb muss ich jetzt auch so leiden." Starke Selbstzweifel bis zum Absenken des eigenen Selbstwertes. Wiederfinden in der "Opferrolle".
Gestern im Garten kamen mir ganz andere Gedanken in den Sinn. Ich habe das Grab meines Hundes bepflanzt, der vor 2 1/2 Jahren gestorben ist. Ich habe ihn heiß und innig geliebt, mich sehr viel mit ihm beschäftigt, viel unternommen. Und es gab feste Rituale, Füttern, pflegen, Gassi gehen pp. Zuletzt war er so krank, dass ich ihn mitten in der Nacht in die Tierklinik brachte, wo er eingeschläfert werden musste.
[b]Und da war sie auch! Diese Leere! Genau so!!!![/b]
Von einem Tag auf den anderen waren die gewohnten und über Jahre praktizierten Rituale weg. Auf einmal war da so viel Zeit, die gefüllt werden wollte. Ich durchlebte auch Gefühle von Ohnmacht, von Wut auf diese Krankheit die mir etwas sehr liebgewonnenes nahm, Trauer darüber, dass ich meinen Hund nie wieder bei mir haben würde. Angst vor der möglichen Sinnlosigkeit des künftigen Tagesablaufs.
Die Geschichte mit meinem Hund ist austauschbar. Der langjährige Lebenspartner verlässt uns von heute auf morgen. Eine nahestehende Person verstirbt. Der Arbeitsplatz geht verloren, Kinder gehen aus dem Haus, der Abschied von der letzten Zigarette.
In allen Fällen löst es in der Regel eine starke (Lebens)Krise aus. Ich glaube wir alle können mehr oder minder in der Rückschau auf solche Krisen blicken. Jeder von uns hat sie auf seine Art bewältigt.
Ich habe irgendwo einmal gelesen, dass Krisen auch immer eine Chance im Leben darstellen. Wir können oft nicht die Umstände beeinflussen, aber wir haben die Möglichkeit uns zu entscheiden, wie wir damit umgehen.
In allen Fällen wird uns erst einmal das Gefühl der Geborgenheit genommen und macht uns unsicher oder ängstlich. Rituale, sprich Gewohnheiten, festigen den Hafen der gefühlsmäßigen Sicherheit. Bricht nun die Kaimauer ein, fallen wir in brackiges Wasser und retten uns schwimmend an Land. Wir haben wieder festen Boden unter den Füßen, beginnen zu laufen und lassen uns auf einer Blumenwiese nieder. Dort ist es so schön und wir richten uns dort ein. Mit neuen Ritualen, die sich wieder so schön geborgen und sicher anfühlen.
Ich habe in meinem Leben schon einige Krisen gemeistert. Vom Verlust des Partners bis zur Bewältigung, vielmehr Umgang, mit meiner chronischen Erkrankung. Immer hat es etwas mit Loslassen zu tun. Sich neu zu orientieren. Erst ist es schmerzhaft, dann geht es schon besser und zum Schluss, wenn der Blick nach vorne gerichtet ist, fühlt es sich wieder gut an.
Jetzt verstehe ich auch für mich dieses Gefühl der Leere während meines Entzugs noch besser. Es dauert eben ein bisschen länger neue Gewohnheiten in sein Leben einzubauen und zu festigen, so dass es wieder passt! Ja, ich stecke mal wieder in einer Krise, die ich bewältigen muss. Warum sollte ich gerade diese Krise nicht meistern? Bei den anderen hat es ja auch geklappt!
Ich gebe mir die Zeit!
LG Scheila