Guten Tag Faustino,
im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten möchte ich mich gerne mit Deinen Denksportaufgaben auseinandersetzen.
[quote="faustino"]
[b]Jetzt ist für mich heute morgen die Frage, wodurch kann man denn den Körper motivieren, das Ausschütten der relevanten Hormone möglichst schnell wieder zu erlernen, damit solche Hänger wie gestern nicht mehr so massiv passieren?
Jemand ne Antwort?[/b]
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Weiß ich nicht ob ich eine Antwort für Dich habe. Jedenfalls nichts, was ich Dir nicht schon geschrieben hätte. Ich will nur weiterhin anregen, daß Du Dir so oft wie möglich was Gutes tust, etwas das Du als gut, angenehm, erfreulich empfindest. Viele angenehme Eindrücke tragen meiner bescheidenen Laienmeinung nach dazu bei, daß Du, sei es körperlich oder geistig, wieder lernst zu genießen und Dich zu freuen. Ist ja wie mit dem Rauchen, nur andersrum: je mehr geraucht wird, desto weniger ist die Notwendigkeit selber Glückshormone zu produzieren. Und ohne Rauchen? Nun, je mehr man sich erfreut, desto mehr wird vielleicht die Notwendigkeit die Genannten auszuschütten. Und vielleicht geht´s ja dann schneller... Das ist kein Versprechen, aber einen Versuch ist es wert oder?
[quote="faustino"]
[b]Dann stellen sich mir noch folgende Fragen[/b]:
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Soll ich bewußt starke Lebenseindrücke erzeugen, um extreme Wahrnehmungen anzuregen?
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Also wenn Du meiner Anregung folgen möchtest, dann Lebenseindrücke erzeugen ja. Angenehme Eindrücke. Von Extremen will ich bitte nicht reden, ich denke Extreme oder -ismen in jeder Form sind bedenklich.
[quote="faustino"]
[list]Soll ich viel auf Feten gehen? Oder das Gegenteil? [/list]
[list]Wie umgehen mit der Sexualität?[/list]
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Du, rantasten! Das kannst Du nur für Dich selber rausfinden. Es gibt da keine Regel. Wie gesagt, meiner Meinung nach ist es in keinem Lebensbereich der Weg, sich blindlings irgendwo extrem reinzustürzen, unüberlegte Dinge zu tun, extreme Dinge zu tun. Aber an neu erlebte Umstände rantasten kannst Du Dich, wenn Du dann merkst, es behagt Dir im Moment nicht oder noch nicht, dann setze es aus. Einen anderen Rat kann Dir da nicht geben.
[quote="faustino"]
[list]Ist das ein Rebirthing der eigenen gesamten Gefühlswelt? [/list]
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Diese Wahrnehmung ist in der Tat ein Klassiker unter den Erlebnissen nach dem Rauchstopp. Eindeutiges Ja. Denn was wir all die Jahre lang mit der Zigarette getan haben, war es doch, unsere eigenen Gefühle zu vernebeln. Ihre Intensität abzufangen. Besonders gern bei negativen Gefühlen, doch die positiven betrifft das ja genauso. Und dabei haben wir verlernt (oder, je nachdem, wie jung wir angefangen haben, niemals richtig gelernt), damit umzugehen, ohne sie mit der Zigarette zu kompensieren. Und jetzt stürzen unsere Gefühle ungebremst, unvernebelt und ungefiltert wieder auf uns ein - und müssen uns erst ganz neu damit auseinandersetzen.
[quote="faustino"]
[list]Darf man diese Fragen stellen, oder soll man dumpf abwarten, bis man sich "normalisiert" hat?[/list]
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Ja klar darfst Du diese Fragen stellen, wenn es Dir hilft, Dich mit der Entwöhnung, dem Entzug, dem Rauchstopp und allen Facetten, die dieser für Dich mit sich bringt, auseinanderzusetzen - und so auf Abstand zm Rauchen zu gehen! Wie gesagt, es ist Dein Entzug. Wenn Dir die Reflexion dabei hilft, als glücklicher Nichtmehrraucher daraus hervorzugehen, dann ja, setze Dich gerne damit auseinander!
[quote="faustino"]
[list]Wie treibe ich meine eigene Kreativität an, die ich zum Berufs- und Eigenleben so dringend benötige?[/list]
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Indem Du Dir vor Augen hältst, daß Dir die Zigarette dabei nicht wirklich geholfen hat. Sie hat Dir nur eine Illusion davon vermittelt, Dir zu helfen. Daß es im Moment mit der Kreativität möglicherweise nicht so wirklich funktioniert (dies lese ich aus dieser Zeile heraus), ist dem geschuldet, daß Du noch im Entzug bzw. der Umorientierung steckst. Da hat Dein Kopf erstmal genug zu tun, um auch noch kreativ zu sein. Doch ich denke, das wird sich in dem Maße normalisieren, wie es auch normal wird, nicht mehr zu rauchen. Deine Kreativität kam schließlich aus Dir raus - nicht aus dem Tabak, der denkt nicht für Dich. Das macht uns die Sucht bloß glauben.
Auch wenn ich Deine Fragen sicher nicht abschließend beantworten kann, so hoffe ich doch, daß ein paar kleine Wegweiser für Dich drin waren...
Deine positiven Wahrnehmungen indes freuen mich. Die Entwicklung der persönlichen Autonomie (ich nenne das immer ganz gern Selbstbestimmung, mein Lotsenkollege Meikel prägte hierzu einmal den wundervollen Satz: "Du bist der Chef in Deinem Kopf!", danke @Meikel, toller formulieren kann man das gar nicht!!!!!) und den Zeitfaktor habe ich wie Du mit großem Staunen und großer Begeisterung erlebt. Diese positiven Effekte kannst Du im weiteren Verlauf jederzeit als Argument gegen Schmachter einsetzen - die willst Du doch nicht wieder drangeben oder? Wegen einem _Schmachter_???
Bleib auf Kurs Faustino. Viele Grüße sendet
Lydia