Liebe Christina,
es liest sich alles in allem sehr positiv, was Du von Deiner Rauchfreiheit zu berichten weißt. Ich finde auch daß es ziemlich gut läuft und freue mich darüber mit Dir und für Dich.
[quote="Exsmolenskerin"]
ich finde, dass ich eigentlich ganz gut klarkomme, wittere aber sofort dahinter die Falle (zu gut? Heißt das, du nimmst das nicht so ernst? Vielleicht bist du besonders gefährdet für einen Rückfall
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Nein so mußt Du es nicht sehen. Es gibt tatsächlich Entwöhnungen, die weniger problematisch verlaufen oder sogar ganz ohne die Gemeinheiten des Entzugs auskommen. Dann freue Dich darüber, daß es erträglich ist, ich gönne es Dir! Ich denke auch nicht, daß Du deswegen gefährdeter bist für einen Rückfall, wir sind alle gleich rückfallgefährdet. Du solltest vielleicht bloß in Betracht ziehen: Wenn Du denn, was ich nicht bezweifle, rauchfrei wirst, irgendwann hernach jedoch - aus welch unglücklichen Umständen heraus auch immer - wieder anfangen solltest und dann wieder aufhören willst, gibt es keine Garantie dafür, daß Du nochmal so einen relativ erträglichen Entzug bekommst. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, mein erster Entzug war auch ganz leicht. Der zweite dann aber sowas von nicht mehr! Jeder Entzug ist anders - auch beim selben Aufhörer. Also genieße Deine bislang nicht so anstrengende Entwöhnung, und sei hinterher achtsam - so wie wir alle es sein müssen. Gefährdeter oder weniger ernsthaft bist Du in meinen Augen deswegen nicht.
[quote="Exsmolenskerin"]
Es macht aber schon etwas aus, dass ich finde, dass ich auch schon ein bisschen stolz auf mich sein kann. Damit möchte ich mich aber natürlich nicht mit denjenigen vergleichen, die schon so lange nicht mehr rauchen.
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Nee ich Dich auch nicht: Deine Leistung ist gerade jetzt wesentlich höher als die von uns Aufhörern, die wir schon länger rauchfrei sind! Denn siehst Du, Du steckst noch mitten in der Entwöhnung, dem Ausnahmezustand und all dem. Da ist es die größere Leistung, von Tag 1 bis Tag 9 rauchfrei zu bleiben als von Tag (ich sag jetzt mal irgend 'ne Hausnummer) 670 bis 679! Nicht daß ich nicht auch ein wenig stolz darauf wäre, was ich da geschafft habe, das gebe ich ja gern zu. Aber in diesem Tagesbereich ist es schon Routine, der Entzug ausgestanden, keine Schmacht mehr, keine Auseinandersetzung mit dem inneren Schweinehund, da ist es unproblematisch. Deswegen: _natürlich_ darfst, sollst! Du stolz auf Dich sein!!! Hast Du denn schon mal an eine kleine Belohnung gedacht? Sie wäre hochverdient - zum Beispiel zu morgen 10 Tagen, was denkst Du? Sei mit Fug und Recht stolz auf Dich!
[quote="Exsmolenskerin"]
[...] dass es mit dem Fahren besser lief, und damit meine ich von der inneren Einstellung her, ich fühlte mich entspannter als sonst. Das war so auffällig, dass ich schon einen Zusammenhang zum Nichtrauchen sehe - ein weiterer Beleg dafür, dass die vermeintliche Entspannung durch das Rauchen in Wirklichkeit eine Anspannung darstellt?
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Hochinteressante Wahrnehmung. Also, ich meine einerseits gebe ich Dir völlig recht, der Zustand, das Rauchersein, hat ein ganz anderes Anspannungspotenzial als das Nicht(mehr)rauchen. Weil einen jeder Zeitraum, den man nicht rauchen kann, ja per se schon in Anspannung versetzt, eben weil man da ja keine Zigarette kriegt. Dann ist man immer am Überlegen (wenn auch nur unterschwellig), reichen die Zigaretten noch, wann/wo die nächsten kaufen, dann ärgert man sich über das Geld. Schlechterdings ärgert man sich selbst, wenn man geraucht hat, eben darüber - also eigentlich ist man als Raucher doch die ganze Zeit über irgendwie angespannt (nix da Entspannung, das redet uns die Sucht ein, das ist eine Fehlinterpretation). Du entspannst ja jetzt, trotz Entwöhnung, schon dadurch, daß Du diesen Druck, rauchen zu _müssen_, von Dir nimmst. Also - ja, ich glaube schon, daß das Nichtmehrrauchen zu Entspannung führen kann.
Dazu kommt vielleicht noch ein weiterer Aspekt, den ich persönlich gespürt habe - zwar nicht schon nach zehn Tagen, aber wer weiß, vielleicht kommt dieser ja früher bei Dir an: Der Rauchstopp und später dann ganz besonders das Überstehen der Entwöhnung hat mir viel Kraft und Glauben an meine eigenen Fähigkeiten gegeben. Ich meine: wenn ich es schaffe, _das_ auszusitzen (und mein Entzug vor knapp zwei Jahren war wie gesagt schon ein Aufgäblein), dann kann ich noch ganz andere Dinge schaffen. Der Rauchstopp allein und mehr noch der Erfolg dabei hat mir unglaublich Auftrieb gegeben. Warum sollst Du nicht einen ähnlichen Effekt spüren - der sich eben als erstes beim Autofahren bemerkbar macht?
Ich freue mich, daß Du so viele positive Aspekte am Nichtmehrrauchen findest und wünsche Dir, es werden noch mehr (wobei ich mir da eigentlich sicher bin)! Wünsche Dir weiterhin viel Erfolg, und laß gerne von Dir hören, wenn Du Zeit und Lust hast. Viele Grüße sendet Dir
Lydia