Liebe Collet,
Du sagst: Du glaubst daß es für Dich psychisch schwer ist, nicht mehr zu rauchen. Ich sage: Richtig. Aber nicht nur für Dich. Sondern für die aller-, allermeisten Aufhörer.
Und das ist ja genau die in meinen Augen größere Schwierigkeit dabei, diese Sucht in Schach gehalten zu kriegen: die psychischen Auswirkungen. Die haben nicht nur Dich fest im Griff, sondern das hatten sie uns alle. Du, vielen von uns ist es hier unglaublich schwer gefallen. Und ganz, ganz viele waren sich irgendwann unsicher, ob sie überhaupt aufhören wollen. Das blöde ist bloß: sobald man eine geraucht hat, ist man sich plötzlich wieder sicher und ärgert sich grün und blau.
Also Collet, bitte gehe nicht davon aus, daß Du mit dieser Gefühlslage allein wärst: viele hier kennen sie - ich übrigens auch. Die körperliche Abhängigkeit, die Entzugserscheinungen - gut, bequem ist anders, aber das größte Problem waren sie nicht. Die psychische Abhängigkeit, das Drängeln der Schmacht, sei es in bestimmten Situationen oder überraschend aus dem Nichts heraus, und all dem Widerstand zu leisten, war schwerer.
Aber es ist nicht unmöglich. Ich sagte es Dir schon, ich glaube eigentlich schon, daß Du nicht mehr rauchen willst. Wer dringend will, daß Du rauchst, das ist die Sucht. Also wem folgst Du. Deinem Wunsch? Oder läßt Du Dich fremdbestimmen, immer weiter? Du willst es Collet, Du willst aufhören, sonst würdest Du nicht immer wieder durchstarten. Also beiße Dich durch - nicht einfach, ich weiß, und es tut mir auch leid, daß Du Dich so hart tust. Aber es wird besser, erträglicher, einfacher! Gerade die ersten Tage werden von vielen Aufhörern als die schwersten empfunden.
Was den Wattekopf angeht: Oh, an den kann ich mich noch gut erinnern! An den, die Schlappheit, die Müdigkeit, die Unkonzentriertheit und die Antriebslosigkeit. Aber ich habe wieder zu meiner Energie und Klarheit zurückgefunden, zu meiner Form - zu besserer Form! Das ist ein vorübergehender Zustand Collet, um den mach Dir bitte mal keine Gedanken. Genehmige Dir viel frische Luft, so viel Ruhe, wie Du kannst, trink genug (entgiftet und hält den Kreislauf stabil) und versuche Orangen (sie werden z. B. auch gegen so Nachmittagstiefs empfohlen, weil der Vitamingehalt darin einen Frischekick verschafft, warum soll man sich diesen nicht auch in der Entwöhnung zunutze machen?).
Und auf alle Fälle: Sorge dafür, daß es Dir gut geht. Sorge für Dich, sei gut zu Dir. Frage Dich immer wieder, was könnte ich jetzt für mich tun, damit ich mich gut fühle? Damit erwischst Du gleich zwei Aspekte: Einerseits bist Du mit angenehmem abgelenkt. Und andererseits: In dieses Schema paßt nämlich das Rauchen nicht hinein. Denn wenn Du Dich fragst: was tut mir gut? kann eine ernsthafte Antwort niemals "rauchen" lauten...
Du hast es schon mal gepackt Collet! Komm Du packst das wieder. Die blöden ersten Tage gehen vorbei - und der übrigen Entzug auch. Viel Kraft und Sturheit wünscht Dir
Lydia