Guten Tag Herta,
gerade las ich an anderer Stelle von Deinen Überlegungen und da wollte ich gerne mal vorbeischauen und ein wenig Zuspruch hierlassen.
Es tut mir sehr leid, daß Du dieser Tage vermehrt schmachtest. Und das, nachdem Du Dich rauchfrei eigentlich schon ganz wohl gefühlt hattest. Das ist wirklich gemein, da hat man schon mal Erleichterung erlebt, denkt es läuft, und dann kommt diese Schmacht nochmal zurück, mit allen Begleiterscheinungen, Gereiztheit, Laune, Niedergeschlagenheit... Dabei ist die anfängliche Euphorie schon abgeklungen und man ist nur noch genervt, daß es immer noch "da ist". Trifft es das so ungefähr?
Leider ist dies kein ganz unbekanntes Phänomen bei der Entwöhnung. Wir nennen es hier so salopp Drei-Monats-Krise. Und genau so eine kenne ich aus meiner eigenen Aufhörkarriere auch. Eintreten kann diese eigentlich in einem relativ weit gefaßten Zeitraum, eine Publikation spricht von zwischen dem 60. und dem 160. Tag (bei mir war es so Tag 116, 120). Da wärst Du ja genau drin. Es muß auch nicht jeden treffen, manche nehmen es nicht als quälend bzw. gar nicht wahr. Ich selber habe gelitten wie die ganzen vier Monate davor nicht. Also auf Deine Frage, ob das so stimmen kann: Ja Herta, das kann leider schon so stimmen. Doch hilft es Dir zu wissen, daß das ganze keine außergewöhnliche Erscheinung ist? Und kein Indiz dafür, daß Du niemals Deine Ruhe haben wirst? Denn bei mir war es so, daß ich nach dem (sehr plötzlichen) Abklingen dieser Drei-Monats-Krise mit der Entwöhnung durch war. Ich war fertig damit und habe nie mehr ernsthafte Schmacht erlebt. Bin seitdem der glücklichste Nichtmehrraucher, den es gibt. Und diese Chance hast Du auch noch.
Deshalb möchte ich Dich herzlich bitten: Halte jetzt noch ein wenig durch. Gehstehe Dir nochmal sämtliche Stimmungsschwankungen und Launen zu, denn die Sucht bäumt sich gerade noch einmal auf, weil sie Dich zum einknicken zwingen will. Nutze alle Manöver und Mechanismen, die Dir anfangs geholfen haben, sie haben immer noch ihre Berechtigung. Sei gut zu Dir, frage Dich immer wieder, was Du jetzt tun könntest, damit Du Dich besser fühlst. Es ist nichts unnormales, daß Dich die Sucht jetzt, da Du in die drei Monate nach dem Rauchstopp reingrätschst, nochmals so belästigt - aber etwas unangenehmes, das weiß ich und da fühle ich auch mit Dir.
Bitte laß Dich nicht verunsichern Herta. Du tust das Richtige, und Du machst es gut. Zu Deinem jüngst erreichten Erfolg von 100 Tagen gratuliere ich Dir ganz herzlich, sehr gut, daß Du so zielstrebig Deinem Ziel entgegensteuerst! Weiter so, wir steuern weiterhin mit Dir mit. Viele Grüße sendet Dir
Lydia