[b]„Internetter Seelenmensch“
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Blütenweiß scheint deine Weste,
doch sie dient als Blendwerk nur.
Hältst dich für das Allerbeste:
Für die Krönung der Natur.
Schleichst auf leisen Seelentatzen
dich an Frauenherzen ’ran;
legst sie sacht auf Herzmatratzen,
zündest Feuer d’runter an.
„Unverstand’ne“ gibt’s in Mengen,
das Internet ist voll davon.
Mußt sie nicht einmal bedrängen,
es genügt dein Säuselton.
Theatralisch deine Worte,
die du mit Bedacht frisierst.
Lauerst an der „Seelenpforte“,
wo du gern dein Aug’ riskierst.
Langweilt dich die EINE „Süße“,
die auf Dauer dir nicht reicht,
folgen neue Wortergüsse,
dein Repertoire ist unerreicht.
Erst wenn alle dich anbeten,
„knien“ vor dir, dem „Herrn und Gott“.
Ist Seelenmensch nicht mehr betreten,
so geht es weiter, immer fort.
Getarnt unter der Seelenkapppe
brüten Ego und Kalkül.
Du erträgst nicht eine Schlappe,
hast für and’re kein Gefühl.
Seelenmensch, du großer Kleingeist,
auf deiner „Bühne“ Internet,
spielst du eine schlechte Rolle,
feige in Anonymität.
© Helga Boban ~ Schlossfee 01.11.2006