Hallo MissFit,
ich habe meine Anfangszeit des Rauchstopps gehasst.
Ich habe die Stimmungsschwankungen gehasst, die Depressionen, die Leere, ich habe mich gehasst für das Rauchen und dafür dass ich jetzt aufhören.
Und ich bin ein Mensch, der das Wort "Hass" oder "hassen" höchstens einmal im Jahr benutzt weil es für mich an dem äußersten Rand der negativen Gefühlsskala liegt.
Ich wollte unbedingt aufhören, weil ich nicht mehr süchtig sein wollte. In der Sucht liegt soviel negatives verborgen an fremdgesteuerten Verhalten; ich wollte dies unbedingt beenden. Aber zu erfahren wie schlecht es mir damit ging machte es nicht einfacher.
Nach 30 Tagen Rauchstopp meldete ich mich hier im Forum an, weil ich merkte allein halte ich das nicht aus.
Mit meinem Mann hatte ich einen gemeinsamen Rauchstopp vergeigt, weil ich noch ein halbes Jahr weitergeraucht habe. Und er wollte nicht mehr über die "Anfangszeit" sprechen, die er ja auch allein durch machen musste.
Im Forum zu schreiben hat mir sehr geholfen, hier sind immer Menschen mit denen man auf einer Welle liegt.
Dennoch kamen "Depressionen" auf, die kannte ich schon und ich hatte große Angst vor einem Rückfall, deshalb suchte ich mir eine Therapeutin die einen buddistischen Hintergrund hatte und sehr intensiv mit den Gefühlen arbeitet. Das war für mich neu aber sehr hilfreich.
Ich glaube rückblickend, dass es sich bei einem Rauchstopp nur so anfühlt als hätte man eine Depression aber es ist keine. Ich denke es ist das gewahrwerden wie sich das Leben anfühlt wenn man keine Drogen nimmt.
Warum ich das durchgehalten habe war der Punkt, dass ich mich lieber "leer" fühlen wollte, wie die anderen Nichtraucher sich ja wohl auch fühlen müssen, als weiterhin in der verlogenen Gefühlswelt der Sucht zu leben.
Ich kann Dir aus meiner Erfahrung sagen, dass ich heute so froh bin nicht aufgegeben zu haben, das Gefühl die Leere zuspüren verliert sich mit der Zeit.
Sicher kennst Du es wenn man fieberkrank ist? Immer wenn sich die Körpertemperatur ändert spüren wir dies indem wir Schüttelfrost haben beim Temperaturanstieg oder stark schwitzen beim Temperaturabfall. Wenn die Temperatur sich nicht mehr verändert hören diese "Missempfindungen" auf. So ähnlich ist es meiner Meinung nach mit dem Rauchstopp, es ändert sich so vieles und unsere Stimmungen schwanken zwischen Himmelhoch und zu Tode betrübt.
Das wird mit der Zeit immer weniger extrem und hört dann auch auf, ganz bestimmt.
Das würde ja sonst keiner aushalten.
Ich habe im Oktober 2019 nochmal geraucht, weil ich mit dem Tod meines Mannes gerechnet habe und diese Realität nicht wahrhaben wollte. (Wenn es Dich interessiert, kannst Du etwas darüber in meinem WZ lesen).
Aber wenn mir etwas an meinem Leben liegt, dann ist es rauchfrei viel schöner; so ganz ohne diese verhasste Sucht.
LG und viel "ich will ..." und "ich kann ..."
Paul