[size=2]Tag 12 meiner Nichtmehrraucher-Reise [/size](29.06.2020)
Die extremen Stimmungsschwankungen, die ich zuletzt hatte, haben mir ordentlich zu schaffen gemacht. Gestern ging es mir allerdings gut und auch heute geht es mir gut. Sich endlich mal wieder zwei Tage am Stück wohl zu fühlen, das tut echt gut und macht den Kopf frei. Also ein guter Tag für ein Zwischenfazit.
Wenn ich gefragt werde, was sich verbessert hat, seit ich nicht mehr rauche, dann kann ich eigentlich nur sagen: NICHTS! :( Zwar lassen die Entzugserscheinungen jetzt langsam nach, aber im Vergleich zu der Zeit, als ich noch Raucherin war, geht es mir heute - sowohl physisch als auch psychisch - schlechter. Das ist jetzt kein Ausdruck von Frust o.ä. und ich spiele auch nicht mit dem Gedanken, deshalb hinzuwerfen. Es ist einfach nur Fakt, dass ich mich vor 2 Wochen besser gefühlt habe als heute. Aber mein Verstand sagt mir, dass die ganzen Verbesserungen, von denen hier täglich von vielen Nichtmehrrauchern berichtet wird, auch bei mir noch kommen werden. Ich habe ja schon gesagt, dass ich nicht mehr so ungeduldig sein will mit mir und meinem Quälobert. Deshalb warte ich jetzt einfach mal geduldig und frohgemut ab und freue mich auf die ganzen Vorteile, mit denen im Laufe der nächsten Tage oder Wochen oder Monate zu rechnen ist. :D
Wenn man seine Rauchgewohnheiten analysiert, lernt man sich selbst wieder besser kennen und man erkennt mehrere Verhaltens- und Gedankenmuster, die nicht nur für den Rauchausstieg hinderlich sind, sondern mit denen man sich auch ganz allgemein das Leben selbst schwer macht. Ich habe z.B. eine relativ pessimistische Grundeinstellung - ich sehe das Glas eher halbleer als halbvoll. Außerdem tendiere ich dazu, meine Ziele zu hoch zu stecken. Damit setze ich mich nicht nur unter Druck, sondern ich sorge sogar dafür, dass ich oft von vornherein keine Chance habe, mein Ziel zu erreichen. Das frustriert und demotiviert. Außerdem nehme ich mir oft zu viel auf einmal vor und verzettle mich dann heillos. Beim Nichtmehrrauchen achte ich darauf, diese Stolpersteine zu umgehen, indem ich mir z.B. jeden Tag "HEUTE rauche ich nicht" vornehme (und das jeden Tag aufs Neue) oder indem ich mir immer wieder sage, dass ich SCHON soundsoviele Tage geschafft habe (statt ERST soundsoviele Tage). Das hilft. Und wenn es beim Nichtmehrrauchen hilft, dann kann es doch auch in anderen Bereichen sinnvoll und hilfreich sein, ein bisschen an seinem eigenen Verhalten, seiner Einstellung und seiner Sichtweise zu schrauben. Und dann hört man vielleicht nicht nur mit dem Rauchen auf, sondern macht sich insgesamt das Leben schöner und leichter. Klingt pathetisch, ist aber doch so, oder? 8) :wink:
Ich lese hier jeden Tag viele Sachen, die mich inspirieren und motivieren und mir oft auch einen anderen Blickwinkel aufzeigen. Immer wieder lese ich Kommentare oder Sätze, bei denen es richtiggehend "Klick" macht. So habe ich z.B. Quälobert als das Nikotinmonster gesehen, das sich vor langer Zeit bei mir eingenistet hat und das ich jetzt wieder loswerden möchte. Dann kam Paul um die Ecke mit der These, dass Quälobert ein Teil von mir ist, den ich nicht rausschmeißen kann, sondern dem ich klar machen muss, dass seine Zeit vorbei ist. Darüber habe ich sehr lange nachgedacht und bin zu dem Ergebnis gekommen: Da ist was dran! Vor allem den Satz "Quälobert (...) hat selber nur Angst vor Veränderungen" fand ich klasse! Mit dieser Sichtweise fällt es mir irgendwie leichter, dem Rauchen nicht mehr so nachzutrauern, weil ich jetzt nicht mehr so das Gefühl habe, etwas verloren zu haben. Menschen verändern sich ... ich verändere mich ... Rauchen passt einfach nicht mehr zu meinem Leben ... und Quälobert wird irgendwann aufhören mit der Motzerei und sich damit abfinden, dass er nicht mehr zum Zug kommt.
Schwer begeistert hat mich auch, was Lesirma heute - mitten in der Nacht - geschrieben hat: "Wir machen weiter. Heute rauchen wir nicht. Warum sollten wir auch?" Diese ganzen Gründe, warum wir rauchen (wollen), verpuffen ja beim genauen Hinsehen und wir erkennen, dass es eigentlich keinen einzigen plausiblen Grund fürs Rauchen gibt, sondern nur sehr viele Gründe, endlich damit aufzuhören. Also warum sollten wir rauchen? Ich habe diese Satzfolge jetzt - mit Lesirmas Erlaubnis - zu meinem neuen Mantra erklärt. :D
Das waren jetzt nur zwei Beispiele, es gab noch viele weitere Kommentare, die mir sehr geholfen haben. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle mal ganz herzlich bedanken bei allen, die mich hier Tag für Tag unterstützen und motivieren.