Hallo, ihr Lieben!
Vielen Dank für eure lieben Worte, vor allem dir, Markus.
Meine Freundin und ich wussten schon irgendwie, dass Rauchen "nicht ungefährlich" ist - genau diese Wortwahl haben wir gern getroffen, an der man schon erkennt wie wir das Ganze unterschätzt und verniedlicht haben.
Vielleicht würde sie mit 50 mal an Lungenkrebs erkranken. Aber wer denkt schon in seinen 20ern daran, wie es ist, 50 zu sein.
Aber naiv wie wir beide waren, hat sie gesagt: Mich wird NICHTS davon abhalten, weiterzurauchen.
Dem Tod gelang es dann leider doch.
Danke auch für deine netten Worte bezüglich der "Schuldfrage". Diese Worte helfen mir.
Ich versuche, diese Schuldgefühle in eine andere Richtung zu lotsen. Nicht, dass sie mich verrückt machen, sondern so dass ich mir vor Augen halten kann, wie gefährlich Rauchen ist und wie gerissen die Tabakindustrie ist.
Es ist schon unglaublich, dass erst ein geliebter Mensch sterben muss, um wachgerüttelt zu werden.
Bevor sie starb, haben wir Zigaretten regelrecht verehrt und ich habe ihr entsprechende Gedichte geschrieben und Gute-Nacht-Geschichten von jungen Nachwuchsraucherinnen vorgelesen.
In ihrer Wohnung hingen überall Werbe-Blechschilder von Zigarettenmarken und andere derartige Artikel.
Wir beide haben gedacht, Zigaretten wären ein Mittel, das unsere Abgrenzung zur Spießgesellschaft zeigen sollte.
Ich habe Stunden im Internet damit verbracht, Bilder von rauchenden Frauen zu suchen und runterzuladen.
Und so weiter, und so fort.
Und dann muss man sehen, wie falsch man damit lag.
Eine innerliche Haltung, eine Gefühlswelt, die man 20 Jahre lang in sich trug, ist von einen auf den anderen Tag weg.
Ich versuche, so nach und nach dieselbe Energie, die ich FÜR das Rauchen investiert habe, GEGEN das Rauchen aufzubringen.
Das geht nicht von heute auf morgen.
Aber ich will den viel zu frühen Tod meiner Freundin nicht sinnlos lassen.
Es hätte sich vermeiden lassen können, doch es ist nun passiert.
Ich kann nur so viel Leuten wie möglich davon erzählen.
Erst heute habe ich meine Geschichte in einem Getränkemarkt erzählt.
Ich denke, ich bin es ihr schuldig.
Klar hat sie gesagt, dass sie nichts vom Rauchen abhalten würde. Aber das waren doch nur romantische, träumerische Worte, Wunschvorstellungen, Worte der Unterschätzung.
Ich bin mir sicher, dass wenn sie es gewusst hätte, hätte sie zumindest nicht so viel geraucht.
Liebe Grüße, Thomas