12.04.2016
20:03 Uhrbearbeitet:
12.04.2016
20:13 Uhr
Hallo Christine,
meinen herzlichen Glückwunsch zum Erreichen der 14-Tages-Marke (auch wenn sie gestern war - ich weiß Dein Zähler geht nach).
Der Gedanke der gesellschaftsstiftenden Eigenschaft des Rauchens wird immer wieder mal diskutiert. Wer hat das eigentlich erfunden? (Die Werbung wahrscheinlich) Fakt ist doch: Natürlich ist unter Rauchern das Rauchen eine Gemeinsamkeit. Aber: darunter befinden sich ganz sicher diverse, die, wenn man das Rauchen subtrahiert, nichts mehr mit einem gemeinsam haben. Das ist auch nicht weiter schlimm, man kann nicht mit allen Menschen gleich gut zurechtkommen, sonst wäre es ja langweilig. Aber so kriegst Du, wenn Du Dich vom Rauchen erstmal befreit hast, unter ganz vielen anderen Wundertüten auch einen unverstellten Blick auf die Menschen und deren Charaktere - weil es ja nicht mehr das Rauchen ist, was Dich mit ihnen verbindet. Das ist doch eine ganz andere Basis für gesellschaftliche Bindungen, für "dazugehören", findest Du nicht?
Die Trugschlüsse betreffs der Abhängigkeit - weißt Du, ich denke nicht, daß es im Alter von 51 blöder ist, darauf hereinzufallen als in jüngeren Jahren. Denn: das Rauchen sowas macht, daß es so abhängig macht, so schnell und so nachhaltig, und daß es so schwer ist, dann wieder davon wegzukommen, das kann jemand, der nie versuchen mußte, davon wieder wegzukommen, gar nicht abschätzen. Unmöglich. In erwachsenerem Alter weiß man es vielleicht vom Kopf her besser, kann es aber auch nicht verinnerlicht haben, wenn man selber nie betroffen war. Ferner: auf rationaler Ebene spielt sich die Sucht ja auch gar nicht ab, also da spielt Dir alle Lebenserfahrung und Versiertheit auch nicht in die Hand. Darum denke ich nicht, daß es blöder ist, später damit anzufangen. Es sind die gleichen Bedingungen. Wirf es Dir nicht vor, mach Deinen Frieden damit. (Blöd ist viel eher, nach elf rauchfreien Jahren mit Anfang 40 wieder anzufangen, _das_ ist blöd! Aber gut, auch damit hab ich meinen Frieden gemacht - ich brauchte halt die Erfahrung, daß es "nur mal eine" nicht mehr geben kann... da schau mal, wie uns die Sucht sogar dann einfangen kann, wenn wir es eigentlich besser wissen sollten, da brauchst Du Dir gar keine Vorwürfe machen! Uuuuund: fall bitte nicht auf denselben Stolperstein rein wie ich. Es _kann_ die eine nicht mehr geben, denn bei einer bleibt es nicht mehr. Um Euch das mitzuteilen und Euch von meiner blöden Erfahrung profitieren zu lassen, deshalb bin ich u.a. weiterhin hier.)
Oh ja, die Selbstwahrnehmung verkehrt sich um 180 Grad in der Zeit der Entwöhnung und danach. Für mich sind dabei wirklich große Gewinne herausgesprungen - ich hoffe für Dich dasselbe!
Ich muß gleich nochmal auf Deinen anderen Thread schauen, habe noch nicht ganz heraus, welcher Dein Hauptthread ist, bitte entschuldige. Einstweilen wünsche ich Dir erstmal weiterhin gutes Gelingen, Kraft und Optimismus und geglückwünsche Dich nochmals zu zwei Wochen ohne. Viele Grüße,
Lydia
edit: Es tut mir sehr leid für den Freund, den Vater Deines Patenkindes. Mein Mitgefühl ist mit Dir und der Familie. Natürlich hast Du recht, das eine Zigarette an der Situation nichts ändern, nichts verbessern würde. Dennoch eine starke Leistung von Dir, gerade in der Entwöhnung dieses anerkennen zu können und danach zu handeln. Respekt. Und ja, laß Dir die Kilos momentan mal egal sein. Mach Dir für den Moment doch nicht noch eine Baustelle auf. Bewältige doch erstmal die Entwöhnung, und laß sich alles wieder normalisieren. Wenn dann noch eine Nachbesserung beim Gewicht notwendig sein sollte, kannst Du es dann in Agriff nehmen, wenn Du nicht noch mit dem Entzug ringst. Könntest Du Dich mit diesem Fahrplan anfreunden?