Liebe Yvi,
Du fragst ob jemand ähnliche Erfahrungen hat. Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren Ja beantworten. Und Du und ich, wir sind damit nicht allein.
Vorab erstmal, wie geht es Deinem Mann Stand heute? Ist er noch im KH? Sowas stelle ich mir in der Tat als Belastung vor. Ich wünsche erstmal von Herzen gute Besserung.
Ja, und was in solchen Situationen gerne passiert, ist daß sich die Schmacht aufdrängt. Haben wir doch solche Lebenslagen, solche Belastungen zuvor immer mit Rauchen kompensiert. Dazu kommt bei Dir möglicherweise schon, daß Du auf die Drei-Monats-Marke zusteuerst (die sich auch mal schon ab ungefähr Anfang des dritten Monats bemerkbar machen kann), welche gekennzeichnet ist durch nochmals verstärkt aufflammende Schmachtattacken. Bei diesem Zusammentreffen von zeitgerechten Verlangensschüben mit belastenden Situationen dann standhaft zu bleiben, ist keine leichte Sache.
Doch bitte sei Dir selber nicht sauer und enttäuscht, daß Du ins Trudeln geraten bist. Das kann vorkommen, weil die Sucht Finten bereithält, mit der sie uns völlig überraschend treffen kann - wir können gar nicht auf alle vorbereitet sein. Das ist Dir jetzt halt passiert, da bist Du nicht die einzige. Ich verstehe Dich, daß es Dich ärgert - aber es ist nicht nötig. Jetzt hast Du etwas erlebt, von dem Du weißt, daß Du da anfällig bist. Nun nutze Deine Erfahrung.
Mein wirklich ernstgemeinter Vorschlag ist erstmal, lege die Zigaretten wieder weg. Denn weitergehen wird es wahrscheinlich so: Du bleibst bei 4 - 5 Stück am Tag, dann passiert wieder mal etwas, da denkst Du Dir dann, na dann sind es halt heute mal 7, das wird schon wieder weniger. Sind es am nächsten Tag aber auch, und dann sinkt die Hemmschwelle ganz schnell. Es geht ganz schnell, daß Du wieder in der Rauchspirale drin bist und wieder dort bist, wo Du herkommst. Und das weiß ich deswegen so genau, weil mir genau das auch mal passiert ist. Bloß mal eine rauchen in einer Streßsituation, nur daß es bei der einen auch nicht blieb. Bloß ich war nicht schlau genug, nach ein paar Wochen wieder konsequent zu bleiben, sondern ich habe direkt weitergemacht - und mich in eine neue Raucherkarriere von Jahren hineinmanövriert, die mir wirklich nicht gut getan hat. Auch meinem Selbstansehen nicht, denn ich warf mir all die Jahre vor, daß ich es doch schon mal so toll geschafft hatte, warum mußte ich Depp das denn wegwerfen. Und am Ende steht die Erkenntnis: Was hat es Dir jetzt eigentlich gebracht, daß Du wieder rauchst? Nix! Geht es Dir nicht auch so? Hat es irgendwas dran geändert, daß Dein Mann im KH war oder ist? Hat das Rauchen Deine Belastungen irgendwie verbessert? Nein hat es nicht, richrig?
Yvi Du bist ja jetzt schon nicht glücklich mit der Situation, wie sollst Du es im weiteren Verlauf dann werden. Du kannst es immer noch schaffen, drum leg jetzt die Zigaretten weg. Du kannst das!
Was könntest Du denn machen, um Dich zu entstressen? Kannst Du Dich auspowern? Manchmal reichen da schon ein paar Liegestützen zwischendurch oder ähnliche Kraftgeschichten, und dabei feste atmen. Für die Handtasche einen Relaxball zum Kneten und Kaugummi. Kannst Du reden in Belastungssituationen? Mit Freunden oder Familienangehörigen? Kannst Du schlafen (auch zwischenrein mal)? Wer schläft raucht nicht... Statt der 4 - 5 Zigaretten am Tag greife auf Haferkekse zurück, diese paar kannst Du denk ich schon ersetzen, um den Erfolg zu stabilisieren. Dazwischen kaue auf Möhren oder Paprikasticks rum. Und sorg dafür, daß es Dir gut geht. Bei allen Belastungssituationen braucht man auch mal kleine Ruheinseln, um seine Kräfte wieder zu sammeln.
Komm wieder mit uns mit Yvi, Du kannst das. Entsorge die Zigaretten, es geht ohne! Sie tun nichts für Dich, es ärgert Dich bloß. Dem kannst Du doch keinen Vorschub leisten wollen. Befreie Dich wieder, Du schaffst das! Viele Grüße von
Lydia