106 Tage - das ist schon eine ganze Menge -
Wahrlich ich sage Euch, von der letzten Zigarette bis heute war es ein weiter Weg; während ich das gerade schreibe fällt mir auf, daß die Formulierung schlichtweg so nicht ganz richtig ist. Es war nicht meine letzte Zigarette, sondern die ERSTE die ich nicht mehr angezündet habe welche eigentlich die Zeitrechnung startet.
Letzte Woche gab es ein paar Momente, da meldete sich der Geist des ewigen Gestankes wieder sehr deutlich zu Wort - hatte richtig hässliche Stressmomente die das Bedürfniss nach "Erleichterung" ganz enorm befeuert haben. Richtig interessant ist dabei, daß das nicht nur kurz mal auftauchte sonder enorm zäh und dauerhaft aufgetreten ist - ich merke es sogar heute noch.
War ich gefährdet im Sinne eines Rückfalles - NEIN. Wie ihr ja wisst, liegt hier überall Rauchkram herum und ich kann weiterhin meinen Drang als einen fremdgesteuerten Impuls betrachten. Der stinkende Suchtling ist für mich wie eine fremde "Macht" - ein Eindringling in meine Freiheit, meine Gesundheit, mein eigentliches SELBST.
Es hilft wirklich ungemein, wenn man sich schlichtweg neben sich stellt und - als quasi Unbeteiligter - schaut was passiert. Man löst sich damit auch selbst von dem Erwartungsdruck und kann dadurch viel rationaler reagieren.
Wenn ich lese wie sich viele von Euch quälen dann leide ich tatsächlich mit, weil ich ebenso zu knabbern hatte.
Es ist sicher schwer zu verstehen - aber hört einfach auf an dieses Elend zu denken - jeder Gedanke daran ist Futter für die Sucht. Lasst Euch nicht beherrschen von Gedanken die (unter dem Strich) vom Seuchenvogel in Euch gesteuert werden.
In den ersten Tagen bin ich regelrecht geflüchtet und nach draußen. In der ersten Woche war das für mich der Trick um dem Seuchling zu entwischen. Nachhaltig geholfen allerdings hat der BEWUSSTE Umgang mit den Attacken - das bewusste Ertragen, das bewusste Aushalten, das bewusste SIEGEN. Das funktioniert sicher nicht bei jedem Suchtling, jedoch ist es vielleicht für manchen eine Anregung.