Nun habe ich mir dieses Jahr endlich den Wunsch erfüllt, das Rauchen einzustellen. Seit Heiligabend habe ich keine mehr geraucht und habe auch vor, es dabei zu belassen. Der Geist ist willig, die meiste Zeit wenigstens. Mir hat geholfen, dass ich schon seit zwei Jahren meinen Konsum reduziert habe auf sechs bis acht Zigaretten am Tag, dadurch waren viele Situationen schon "entkoppelt" im Kopf.
Das Blöde ist nur, dass ich mir die ganze Zeit umso mehr eingeredet habe, genau diese übrig gebliebenen sechs bis acht Zigaretten seien besonders wertvoll und genussvoll, ich habe sie regelrecht zelebriert und war so wahnsinnig stolz, "nur" so wenig zu rauchen!
Ist natürlich Unsinn. Der Vorteil, viele Situationen zu entkoppeln, wird dadurch gleich wieder entwertet.
Obwohl ich so wenig geraucht habe, ist es nicht leichter, es ganz sein zu lassen. Ich stelle fest, die Sucht ist wie eine Art Jucken im Kopf. Also im Schädel, wo man sich nicht kratzen kann. Das kann einen in manchen Minuten regelrecht wahnsinnig machen - mich zumindest. Aber es geht vorbei. Jedes mal.
Mir hilft im Moment Japanischen Heilpflanzenöl oder kandierter Ingwer dagegen. Also, wenn das "Jucken im Kopf" (manchmal habe ich das Gefühl, es sitzt im Kehlkopf oder sogar in der Lunge) losgeht, hole ich mir einen Geschmacksreiz, der für mich ungewohnt ist, einigermaßen scharf ist und meine Sucht sozusagen "irritiert". Ich mag nämlich kandierten Ingwer gar nicht und Pfefferminzöl gehört auch nicht zu meinen kulinarischen Höhepunkten des Tages. Aber es hilft. Es lenkt die Sinne solange ab, bis der Anfall vorbei ist.
Was mich motiviert hat, ganz aufzuhören, ist - es klingt bescheuert, ist aber wahr - der Tod von Rudi Carrell. Nicht, dass ich ein Fan war, ganz im Gegenteil, schon als Kind fand ich den Mann unsympathisch. Er sah schon immer für mich aus wie das typische und abschreckende Bild eines Kettenrauchers, dabei kann er ja nix für seine Gesichtszüge. Aber als er Krebs bekam und Chemotherapie und in einem Interview sagte, er hätte von einem Tag auf den anderen komplett das Rauchen aufgehört und - der entscheidende Satz - es hätte ihm erstaunlicherweise gar nicht gefehlt, das Rauchen....da habe ich gedacht: Wie entsetzlich!!! Erst quarzt man, als ob das eigene Leben davon abhängen würde (wie oft bin ich in den unmöglichsten Situationen los, nur um mir Kippen zu kaufen usw.), dann bekommt man Krebs - und auf einmal - ach, eigentlich brauch ich das Zeug gar nicht.
So traurig, dämlich, peinlich, entsetzlich ist das also mit dem Gequarze, dachte ich mir beschämt - und verdrängte das wieder in die allerletzte Schublade. Aber es nagte seither an mir. Ich will nicht so doof sterben. Oder eines Tages, wenn der Arzt mir sagt, so, bald haben Sie es hinter sich, dann auf einmal feststellen, ach, eigentlich war das alles gar nicht so toll und so dringend nötig mit dem Rauchen. Das fände ich ganz ganz ganz entsetzlich peinlich für mich und mein Leben.
Um wieder einen klaren, nebelfreien Kopf zu bekommen, muss ich aber erst mal durch tausend Situationen mit "Juckanfällen" im Hirn überstehen, das wird wohl dauern.
Allen tapferen "Widerstandskämpfern" hier weiterhin viel Erfolg! Ich lese immer mit und es hilft mir sehr! :)