11.03.2026
06:10 Uhrbearbeitet:
11.03.2026
06:14 Uhr
? [b]Die Frau, die blieb oder Paola – Ein Jahr später[/b] ?
[i]Livesendung aus der Forumshausener Kulturhalle von Forumshausen.[/i]
Ich trete auf die Bühne. Applaus. Vereinzeltes Husten im Publikum (aus alter Gewohnheit.)
In der ersten Reihe sitzt der innere Schweinehund. Maulkorb. Sichtbar unzufrieden.
Neben ihm Dr. Prof. Klaus (Institut für „Wir scheißen auf Zigaretten, Vapes, Tabakerhitzer und Das-Dessen-Name-Nicht-Genannt-Werden-Darf“) mit einem dicken Notizblock.
Zwei Plätze weiter befindet sich Nova. Beobachtend. Ein leicht gefährliches Lächeln. Man hat den Eindruck, sie weiß bereits, wie der Abend endet.
Ich werfe einen kurzen Blick in die erste Reihe.
„Die Redaktion hat darauf bestanden, dass der Schweinehund heute persönlich anwesend ist.“
Der Schweinehund versucht probeweise zu bellen. Es kommt aber nur ein „Mmpf“.
Dr. Prof. Klaus notiert sofort etwas.
Ich: „Guten Abend, liebe Fories. Und guten Abend, Frau Paola. Erstmal vielen Dank, dass Sie heute erschienen sind. Dies war ja bis zum Schluss unklar, vorgestern hatten Sie noch abgesagt.“
Paola ([i]zuckt leicht mit den Schultern[/i]): „Man soll Spannung bis zum Schluss halten.“
(Leises Gelächter im Saal)
Ich:
„Ich möchte zunächst auf den Beginn Ihrer Karriere eingehen: es ist überliefert, dass Sie Ihre ersten Zigaretten in Paris und Madrid rauchten. Man könnte also fast sagen, dass Ihr Abenteuer international begann.“
Paola ([i]schiebt ihre Sonnenbrille hoch und blickt kurz über den Rand hinweg ins Publikum[/i]):
„Man muss ja schließlich irgendwo anfangen.“
Ich: „Im März 2025 beendeten Sie Ihre Karriere als Hochleistungs-H_ _ts-Kettenraucherin. Technologisch optimiert mit sehr wunderschönem Design. Konsumgesteigert.
Heute sitzen Sie hier. Ein Jahr rauchfrei.“
(Pause)
Ich: „War das ein Entschluss, schlicht eine Systemumstellung oder vielleicht eher eine Urlaubsreise von der Nikotinsucht?“
Paola überlegt: „Letzteres trifft es wohl am besten. Und natürlich ohne Rückflugticket.“
Ich: „Man hatte Ihnen vermutlich versprochen, nach einem Jahr würde alles leichter, glänzender, spektakulärer wirken. Vielleicht mit Hintergrundmusik. Meine nächste Frage ist daher: Wann genau haben Sie gespürt, dass Freiheit nicht glitzert, sondern einfach nur bleibt?“
Paola ([i]leise, leicht traurig[/i]): „Als ich gemerkt habe, dass der Alltag plötzlich ruhiger ist als der Entzug.“
(Ein paar Fories nicken nachdenklich. Ich gehe ein paar Schritte auf der Bühne.)
Ich: „Sie erwähnten einmal, dass der Kopf manchmal noch hinterherläuft. Hat er inzwischen aufgeholt oder steht er noch gelegentlich vor dem H_ _ts-Regal und wirkt nachdenklich?“
Paola ([i]lacht[/i]): „Er läuft noch manchmal hinterher. Aber inzwischen weiß er wenigstens, in welche Richtung.“
(Der Schweinehund knurrt beleidigt. Ich blättere demonstrativ weiter.)
Ich: „Ist Rauchfreiheit für Sie eigentlich ein Zustand? Oder eher eine Haltung? Etwas, das man jeden Morgen wieder anzieht, so wie andere Leute ihre Skisachen in Österreich?“
Ich weiter: „Oder fahren Sie nur wegen der leckeren Salami in die Berge?“
Paola ([i]hebt eine Augenbraue, trocken[/i]): „Ich sage mal so, die Berge sind schön… aber der Rauch war früher dichter.“
Ich ([i]leicht lächelnd, überleitend[/i]): „Und nicht nur die Berge, seit Jahren zieht es Sie auch nach Ibiza: Meer, Strand, spanisches Blut. Hat das Meer Ihnen Gelassenheit geschenkt oder eher nur eine bessere Dramaturgie?“
Paola lehnt sich leicht zurück, als würde sie kurz das Meer hören:
„Das Meer hat Geduld. Es kommt jeden Tag wieder, egal was gestern war.“
Kurzes, nachdenkliches Murmeln im Saal. Dann fügt sie trocken hinzu:
„Und außerdem gibt es dort weniger
H_ _ts-Regale.“
Leises Gelächter.
Ich blättere in meinen Notizen:
„Dr. Prof. Klaus weist übrigens darauf hin, dass auf Ibiza die Gefahr, sich in alten Erinnerungen wie Joints, Fortuna und Alkohol zu verlieren, deutlich höher ist.“
Paola lächelt leicht, trocken:
„Die Gefahr kenne ich, aber dafür muss ich gar nicht erst nach Ibiza fahren.“
Nova: „Wer die Monster im eigenen Wohnzimmer kennt, fürchtet sie auch am Strand nicht.“
Kurze Pause. Paola guckt einen Moment beschämt nach unten, als sie an ihre doch mehrmals aufgetretenen Ausrutscher denken muss.
Ein mitfühlendes, erkennendes Gemurmel geht durch das Publikum.Man hört jemanden in der fünften Reihe leise „Wir wissen es“ flüstern.
Nova fängt Paolas Blick auf: „Ausrutscher sind nur Umwege, keine Sackgassen.“
Ich blättere weiter in meinen Notizen, um die Stimmung behutsam wieder aufzufangen:
„Und genau für diese Umwege braucht man Karten und Kompasse. Sie haben gemeinsam mit Dr. Prof. Klaus eine sogenannte Null-Bock-Liste erstellt, über 250 Punkte. Eine Sammlung von Dingen, die besser sind als Rauchen.“
Ich gehe zu der langen Liste der Einträge, die nun auf der Leinwand erscheint.
„Zum Beispiel hier ein Auszug aus dem mittleren Bereich:
222. Liebe machen
223. Jemandem die Oberarme streicheln
224. Keine Zigarette rauchen
225. Jodeln
226. Eine Schmachtattacke zeitlich
messen.“
Paola lehnt sich leicht zurück, verschränkt die Arme und sagt süffisant:
„Wir haben sie nicht nur geschrieben, wir haben sie auch ausprobiert.“
Gelächter im Saal. Ich hebe den Blick:
„Alle? Auch das Jodeln?“
Paola ([i]grinst[/i]): „Besonders das Jodeln. Man kann nicht gleichzeitig jodeln und eine rauchen. Das ist physikalisch unmöglich.“
Ich ([i]schmunzle und sehe zu Dr.Prof.Klaus[/i]):
„Dr. Prof. Klaus, Sie waren an dieser Liste beteiligt.“ Klaus steht kurz auf:
„Punkt 224 wurde besonders diskutiert. Einige Mitglieder im Forum hätten ihn gerne weiter vorne gesehen.“
Nova ([i]hebt die Hand[/i]): „Bei Punkt 78, Tanzen, sollte stehen: jeden Tag.“
Ich: „Dr. Klaus, bitte hinzufügen.“ ([i]Der Stift von Klaus quietscht hörbar auf dem Papier[/i]).
Paola[i] lächelt ruhig, leicht ironisch[/i]:
„Dann haben wir wenigstens einen Grund, jeden Morgen aufzustehen.“
Ich gehe näher an den Bühnenrand: „Apropos aufstehen... wo genau wachen Sie eigentlich auf? In der Welt des Vorbereitens oder in der Realität des Aufgehört-Habens?
Sie besitzen ja zwei Egos und zwei Wohnzimmer. Diskutieren die beiden immer noch über Essen in sich hineinstopfen oder einer Kippe hinterherlaufen... oder haben sie Frieden geschlossen?“
Paola: „Sie haben sich auf ein gemeinsames Farbschema geeinigt. Aber hin und wieder streiten sie sich noch darüber, wer die Fernbedienung hält, wenn der Schmacht leise an die Tür klopft.“
Ich: „Und wer gewinnt meistens?“
Paola ([i]überlegt kurz[/i]):
„Diejenige, die weiß, dass im Kühlschrank keine Salami mehr ist.“
Dr. Prof. Klaus ([i]notiert[/i]): „Punkt 255: Kühlschrank-Inventur als Präventionsmaßnahme.“
([i]Das Licht wird gedimmt. Auf der Leinwand erscheint ein Foto: Ein Teddybär mit zerzaustem Ohr und ein Klicker.[/i])
Ich: „Der sogenannte Teddy-Ohr-Klicker-Vorfall. Bis heute nicht ganz vollständig aufgeklärt, trotz Erklärungsversuchen von Klicker selbst.“
Paola schmunzelt. Der Schweinehund produziert ein dumpfes „Mmpf“ unter seinem Maulkorb.
Ich:
„Frau Paola, Sie erschienen drei Wochen verspätet zu Ihrer eigenen 250-Tage-Poolparty.
Sie fasten gerade, mögen Quittengelee und verteilen die magischen Marienkäfer-Emojis. Und Sie haben nach dem IT-Ausfall eine forumsweite Polonaise organisiert.“
Ich blicke ins Publikum: „Ein Ereignis, das manche als Feier und andere als... strukturelle Eskalation beschrieben.“
Paola: „Beides stimmt wohl.“
Nova schaut plötzlich auf die erste Reihe.
„Oh oh.“
Ich sehe irritiert auf. „Was?“
Nova sagt ruhig: „Der Schweinehund steht auf.“
Langsam. Sehr langsam richtet sich der Schweinehund auf.
Er stellt sich hinter einen Forie. Dann hinter den nächsten.
Ich beobachte das kurz.„Ah.“ Ich seufze.
„Sie sehen, Frau Paola, Ihre Maßnahmen wirken noch immer.“
Paola lacht. „Ich nehme das als Kompliment.“
Jetzt stehen plötzlich fünf Fories hintereinander.
Dr. Prof. Klaus schaut etwas verwirrt:
„Ist das Teil des Experiments?“
Ich schüttele den Kopf. „Nein.
Das ist Gruppendynamik.“
Die kleine Polonaise setzt sich zwei Meter in Bewegung, bevor sie wieder zerfällt.
Paola sagt mit leichtem Stolz:
„Manchmal reicht ein kleiner Anschub.“
Plötzlich erscheint auf der Leinwand eine Einblendung.
? [b]Hinweis des Rauchfrei-Teams[/b]
[i]Wir gratulieren Paola herzlich zum einjährigen Rauchfrei-Jubiläum.
Gleichzeitig möchten wir daran erinnern, dass wir im Forum auch künftig einen respektvollen und sachlichen Austausch erwarten.
Ironische, doppeldeutige oder unterschwellig humorvolle Kommentare sind dabei möglichst zu vermeiden.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.[/i]
Die Einblendung des Rauchfrei-Teams verschwindet. Stille im Saal.
Nova: „Gut. Dann lassen wir die Polonaise beim nächsten IT-Ausfall einfach weg.“
([i]Der Schweinehund prustet in seinen Maulkorb, und einige Fories, die sich mit IT auskennen, fangen an, lauthals zu lachen[/i].)
Ich blättere wieder in meinen Notizen: „ Es interessiert uns noch…war das wirklich ein Rauchstopp oder eher ein längerfristiges Selbstoptimierungs-projekt?“
([i]Stille[/i])
„Und müssen wir mit weiteren Maßnahmen rechnen? Zum Beispiel
… Pünktlichkeit?“
Nova ([i]ohne aufzusehen[/i]):
„Wenn sie pünktlich wird, erkennt sie hier keiner mehr.“
Paola ([i]schmunzelnd[/i]): „Man muss ja noch Ziele für das zweite Jahr haben. Aber keine Sorge, ich bleibe mir treu.“
Der Schweinehund kaut frustriert auf seiner Karotte und wirft mir einen Blick zu, der sagen will: „Früher, mit der Kippe, war sie wenigstens berechenbar.“
Ich trete ernst an den Bühnenrand.
Ein Spot konzentriert sich nur auf uns beide.
Auf einmal liegt eine angespannte Stille im Saal.
Ich: „Kommen wir endlich zum Kern.
Ein Jahr. Die Ochsentour.
Meer. See. Drachensteigen. IT-Crash. Quittengelee.
Verraten Sie uns: Gibt es diesen einen Moment, in dem Sie realisiert haben: Ich bin nicht mehr die Frau, die aufhört, sondern ich bin die Frau, die aufgehört [b]hat[/b]?“
Paola blickt nachdenklich ins Publikum, die Stille wirkt fast greifbar.
Alle, auch der Schweinehund halten die Luft an.
Paola ([i]nach einer langen Pause[/i]):
„Es war kein Blitzschlag.
Es war eher wie bei meinen Olivenbäumen auf Ibiza.
Man merkt nicht, wie sie wachsen.
Aber eines Tages stellt man fest,
dass sie Schatten spenden, wo früher nur brennende Sonne war.“
([i]Ein leises Raunen. Klaus tupft sich das Auge mit seinem „Nichtraucher 100%-Quote-Tuch“ ab.[/i])
Ich: „Ein schönes Bild. Vielen Dank, Frau Paola. Ein Jahr Rauchfreiheit. Die Redaktion wird Ihre Entwicklung weiterhin aufmerksam beobachten.“
Nova kommt auf die Bühne gerannt, umarmt Paola fest. Paola schluckt, wendet sich kurz an das Publikum und sagt schluchzend:
„Ich hätte nie gedacht, dass ich es wirklich schaffe…“
Ich: „Das haben viele hier nicht. Aber Wunder brauchen keine Erlaubnis, nur jemanden, der stur genug ist.“
Nova schaut ins Publikum :„Genug der Tränen. Wir haben ein Jahr lang die Zähne zusammengebissen, jetzt zeigen wir sie beim Lachen. Wir tanzen, ob die Schweinehunde wollen oder nicht!“ ??
Applaus brandet auf. Ein satter Ibiza-Beat dröhnt durch das Kulturzentrum. Das Licht wechselt auf ‚Sunset-Orange‘ und blinkt rhythmisch zum Beat.
Dr. Prof. Klaus springt auf, verliert fast seine Brille: „Punkt 256 der Liste: Kollektive Ekstase bei Erreichen der Jahresmarke!“
Ich muss ins Mikrofon brüllen, da der Applaus weiter anschwillt: „Meine Damen und Herren, liebe Fories… Das war ‚[b]Die Frau, die blieb[/b]‘. Wir verabschieden uns aus dem Forumshausener Kulturzentrum. Feiert das Leben, feiert die Freiheit!“
Die Fories erheben sich zu Standing Ovations für Paola, die Frau des Jahres. Eine neue Polonaise startet. Paola lacht. Nova gibt den Takt vor, der Schweinehund resigniert und wippt in der Mitte mit.
Nova wirbelt zum Publikum herum, die Worte sprudeln aus ihr heraus:
„[b]Am Ende bleibt nur eins zu sagen: Rauchfrei zu sein ist verdammt nochmal ziemlich geil![/b]“ ?
Das Licht blendet langsam aus. Nur die Leinwand leuchtet noch einmal kurz auf mit einer Stimme aus dem Off:
„Niemand weiß ganz genau, ob das jetzt eine Talkshow war, eine Untersuchung oder einfach nur Quatsch…
Wer es nicht versteht: das nennt man Satire. Und Satire braucht keine Entschuldigung, solange der Respekt bleibt.
Vor allem der Respekt vor 365 Tagen Freiheit.“
Bühne dunkel. Musik lauter.
[b]ENDE[/b]