Liebe Kirsten :smileumarmung:
habe gerade von deinem Druck vor dem Besuch bei deiner Mutter gelesen.
Hast du schon einmal versucht, zu ergründen, was genau es ist, dass dir diesen Druck macht?
Liegt der Auslöser in der Gegenwart (ihr gesundheitlicher Zustand?) oder hat es mit (deiner) Vergangenheit zu tun?
Mir selbst fallen die Besuche im Heim nicht mehr so schwer wie ehedem, was viel mit Art meiner Mutter zu tun hat, die die Situation angenommen hat und das Beste daraus macht.
Sie hatte die letzten Jahre zu Hause mit ihren letzten Kräften (und der Hilfe des Pflegedienstes und mir) die Pflege meines Vaters übernommen. Sie hatte faktisch viel zu viel Belastung, und, wie ich manchmal denke, diese als Diabetikerin mit der Sorge für die große Familie auch ihr Leben lang gehabt. Denke ich oft, wenn ich sehe, wie verträglich sie inzwischen ist. Früher lagen wir sehr oft verquer.
Jetzt genießt sie es, selbst versorgt zu werden und nimmt an Angeboten alles an, was so geboten wird.
Gott sei Dank ist der Umgangston im Heim mit den alten Menschen ein freundlicher, respektvoller.
Was ich am allerwichtigsten finde. Sie hat ein ausgefülltes Leben gehabt, an das sie sich auch mit ihren Fotoalben gern erinnert.
Mir selbst musste ich immer wieder klarmachen, dass es nicht hilft, wenn ich mitleide, wenn sie mal über Einsamkeit und Alleinsein klagt. Ich habe gesehen, wie wichtig es ist, das Hier und Jetzt selbst so gut es geht zu leben und zu genießen und nichts auf die Zukunft zu schieben. Weiß doch niemand, was auf ihn zukommt. Und es ist am Ende so wenig, was bleibt - Materielles ist soooo unwichtig...
So besuche ich sie 2x die Woche (für 1 1/2 bis 2 Stunden) und kniffele mit ihr, das liebt sie, groß Konversation machen fällt ihr auch schwer; mein Bruder meint, 1x würde auch reichen, was ich nicht finde, übernehme die Sorge für ihre Angelegenheiten, was mir nun in Rente zeitmäßig viel leichter fällt - und muntere sie auf, wenn ich da bin, rufe schon mal an, erzähle ihr von meinem Leben...ich weiß, ich habe Glück, dass sie nur altersvergesslich und nicht dement ist.
Wenn du sie besuchst und sie freut sich in irgendeiner Form, hast du viel getan. Wir können unseren Angehörigen weder das Altern noch das Sterben abnehmen. Nur einzelne Lichtpunkte setzten. Und uns wird das Altern auch keiner abnehmen, ich habe auch keine Kinder, ich denke gar nicht darüber nach, was werden wird...Grübeln darüber verbessert nichts.
Du bist sehr reflektiert, wahrscheinlich hast du dir das alles schon selbst gesagt. Aber daran erinnern kann nicht schaden!
Natürlich brauchst du hier nicht öffentlich zu antworten: das Beste, was wir für die Alten und Kranken (und die Gesellschaft) tun können, ist, so gut wie möglich für uns selbst zu sorgen, denn dann und nur dann können wir auch abgeben.
Meint eine, der alles auch nicht immer leicht fällt.
Mit lieben Grüßen an dich von :butterfly:Claudia:butterfly: