Liebe Nadine,
diese Achterbahnfahrt der Gefühle ist leider vollkommen normal, momentan ist bei Dir auch der körperliche Entzug noch nicht abgeschlossen. Der Nikotinpegel ist auf Null, klar, aber der Selbstreinigungsprozess mit seinen ganzen Abfallprodukten setzt ein und das kann manchmal auch nervig sein. Ich habe nach über 40 Jahren als Kettenraucherin (ca. 40 Ziggies pro Tag) von heute auf morgen aufgehört, weil mich mein Husten, durch den ich morgens sogar schon im Halbschlaf erwachte, schlichtweg kirre gemacht hat. Und in den ersten drei Wochen wurde der sogar noch schlimmer, weil mein Körper mit der "Ent-Teerung" durch Abhusten begonnen hatte. In solchen Momenten bist Du manchmal auch kurz vorm Verzweifeln, weil Du befürchtest, dass Deine Entscheidung viel zu spät gekommen ist...
Dein Körper leistet im Moment Schwerstarbeit - so eine Art Frühjahrsputz, aber einer der seit zig Jahren überfällig ist! :roll: Dass einem dann nicht unbedingt zum Lachen zumute ist, ist doch logisch. Und die zweite Komponente, die Verhaltensänderung, kommt noch dazu. Jeder Raucher ist es gewohnt, 1001 Situationen in Kombination mit einer Zigarette zu denken. Hörst Du auf, fehlt etwas. Du musst einfach schrittweise wieder lernen, diese Situationen ohne Zigarette völlig neu zu erleben. Und wenn Du das tatsächlich angehst, hast Du AHA!-Momente ohne Ende. Du nimmst Dinge wahr, auf die Du vorher nie geachtet hast, weil Du sie teilweise gar nicht erkennen konntest: Gerüche und Geschmack sind nur zwei von vielen zurückgewonnenen Erfahrungsbereichen, weil sich Deine gesamte Sensitivität wieder verstärkt. Was natürlich auch zu diesem - angeblich unerklärlichen - "Heulsusen-Syndrom" führen kann. Du nimmst plötzlich mit voller Intensität wahr, hast aber verlernt, diese Eindrücke sukzessive zu verarbeiten.
Mir hat in dieser sicherlich nicht einfachen Phase sowohl mein unerschütterlicher Optimismus als auch meine lebenslange Neugier geholfen: Ich bin in jeden Tag mit bewussten positiven Gedanken hinein gestartet; ich habe genau wahrgenommen, denn auch über Kleinigkeiten kann man sich so freuen, dass sie für Stunden Auftrieb geben; und wenn´s wirklich gerumpelt hat, hilft nur noch ein entschiedenes "S... happens, life goes on!"! Und vor allen Dingen solltest Du nicht vergessen, Dich selbst zu belohnen - denk doch einfach mal für Dich persönlich nach, was Du Dir am Ende Deiner ersten Woche wiedergewonnener Freiheit gönnen möchtest: Einen Stadtbummel? Ein Buch? Einen Wellnesstag? Was es auch immer sein mag - Du hast eine super Leistung hingelegt, die muss belohnt werden!!!
Wenn Du etwas genauer schilderst, was Dir so durch den Kopf geht, kann ich Dir vielleicht auch etwas besser helfen. Ich gehöre hier in unserem Forum zur "Gute-Laune-Fraktion", weil mir selbst Fröhlichkeit und Lachen immer sehr geholfen hat, also wünsche ich uns allen jetzt erst einmal eine völlig entspannte, ruhige Nacht, damit wir morgen wieder in einen turbo rauchfreien Tag starten können!
Erst gut schlafen, :sleep:,
dann fröhlich aufstehen :sun:
und den ganzen tollen Tag über in der rauchfreien Spur bleiben! :locotoy:
Liebe Grüße, Brigitte