Lieber Andre,
zunächst möchte ich mich bei dir entschuldigen, dich mit meiner Antwort so lange warten gelassen zu haben. Das liegt schlichtweg an dem Umstand, dass ich mich seit drei Wochen in stationärer Krankenhausbehandlung befinde. Daran wird sich aller Voraussicht nach in den nächsten Wochen auch nichts ändern. Mein Dämon heißt 'Depressionen' deren Behandlung eines langen Zeitraums bedarf.
Nun aber zu deiner Frage:
Du hast recht. Der Stoff, von dem wir Raucher abhängig sind, ist das Nikotin. Deshalb mag es auch auf den 2. Blick widersinnig scheinen, mit dem Rauchen aufzuhören und dennoch regelmäßig Nikotin zu konsumieren. Aber:
1. Seien es Nikotin-Sticks, Nikotin-Kaugummis, Nikotin-Pflaster, die Dosis ist vergleichsweise sehr gering.
2. Nach dem Rauchstopp ersparst du deinem Organismus die mehr als 70 nachgewiesenermaßen krebserregenden Inhaltsstoffe der Zigarette, sowie mehr als 2.000 weitere Giftstoffe.
3. Die reine (körperliche) Entgiftung ist nach wenigen Tagen abgeschlossen, und, ja, die Zeit der Entgiftung vom Suchtstoff Nikotin verlängert sich durch die Nutzung eines Nikotinersatz-Präparates.
4. Auch das Hilfsmittel deiner Wahl wird nach einer gewissen Zeit ausgeschlichen. Dabei ist es äußerst wichtig, sich an die Vorgaben zur Einnahme aus dem jeweiligen Beipackzettel zu halten. Der größte, immer wieder vorkommende Fehler, der leider immer wieder gemacht wird und den Weg direkt zurück zum Zigarettenkonsum führen KANN,ist, die Einnahme-Empfehlung nicht zu beachten.
5. Sinn und Zweck eines Nikotinersatz-Präparates ist es, den "psychischen Entzug", der in der Regel sehr viel länger dauert, durchzuführen. Die Kopplungen zwischen einer Zigarette und einer Situation zu entkoppeln und neu zu besetzen. Dabei hat jeder Nichtmehrraucher seine ganz individuellen Zusammenhänge.
Beispielsweise morgens: Kaffee und Kippe. Mittagessen? Natürlich eine Zigarette danach. Undsoweiter undsofort...
Ich habe morgens die Kopplung dahingehend verändert, einen Kaffee und einen Butterkeks zu knabbern. Mittags bin ich direkt nach dem Essen-noch am letzten Bissen kauend-aufgestanden, um im Schlafzimmer am geöffneten Fenster 10x tiief und langsam einzuatmen und doppelt so langsam durch die leicht geschlossenen Lippen auszuatmen (wichtig: im Stillen mitzählen). Erst dann bin ich zurück an den Tisch gegangen. So lässt sich der Suchtteufel leichter austricksen. Schließlich arbeitet der auch mit allen Mitteln daran, dich zurück auf seine Seite zu ziehen.
Selbstverständlich ist und bleibt es deine Entscheidung, ob du mit, oder ohne Hilfsmittel aussteigst aus der Abhängigkeit. Im Ziel, nämlich dauerhaft rauchfrei leben zu wollen, sind wir alle gleich. Der Weg dorthin ist sehr oft sehr unterschiedlich. Überlege dir für deine kritische Zeit zwischen 11 und 14 Uhr Dinge, mit denen du dich ablenken kannst. Schreibe dir alles auf, was dir dazu einfällt. Sei kreativ! Denn im entscheidenden Moment ist das Hirn wie benebelt und der Zugriff auf das Überlegte erschwert.
Du merkst schon: es ist tatsächlich echte Arbeit. Aber ich kann dir eines jetzt schon versprechen: es lohnt sich so sehr. Es ist ein hervorragendes Lebensgefühl, nicht mehr der Sklave dieser Giftrollen zu sein.
Wenn du der Ansicht bist, jetzt ist für dich der Zeitpunkt zum Rauchstopp gekommen, setze dir ein Datum in der nahen Zukunft-irgendwo in 5-10 Tagen und rauche am letzten Abend deine letzte Zigarette, um am nächsten Morgen mit dieser Nullpunkt-Methode deinen ersten Tag in der Rauchfreiheit zu beginnen. Das ist mein Tipp, den ich dir mitgeben möchte. Schreie, tobe, weine, wenn dir danach ist. Oder schreib hier im Forum. Vielleicht schreibst du auch-ganz für dich-einen "Abschiedsbrief an einen falschen Freund", der nur ein Ziel verfolgt hat: dich krank zu machen und dich sterben sehen zu wollen. DAS tut ein wahrer Freund nicht!
Ich drücke dir alle Daumen, bitte lasse weiter von dir lesen. Hier sind viele, auch ich, die immer für dich da sind.
Lieben Gruß
Dein Meikel