Hallo Fischi,
also erstmal, Du laberst uns nicht zu. Ich glaube, ganz viele hier haben ganz ähnliche Gedankengänge gewälzt. Ich habe erst jüngst auf anderen Threads geschrieben (bei Aufhörern, deren Gedanken genauso um das Nichtmehrrauchen kreisen wie die Deinen, die wie Du die Tür nach draußen noch nicht gefunden haben), daß ich diese Erfahrung, dieses, ich nenne es immer ganz gern "Herumgeeiere" absolut teile. Ich habe dieselben Gedanken gehabt wie Du, fand es widerlich zu rauchen, habe alles mögliche versucht, reduzieren, mir in die Tasche lügen, habe abends die letzte geraucht und morgens wieder weitergemacht, habe morgens aufgehört und abends wieder angefangen. Ich war auch total genervt von mir selber und meinem Unvermögen, es einfach zu lassen. Ich glaube, man muß sich erstmal so lange in seinem Kopf mit dem Nichtmehrrauchen beschäftigen, bis es einfach nervt. Bis man begreift, daß man diesem nur durch Aufhören entrinnen kann. Kapiert, daß es vielleicht nicht so ganz einfach werden wird - aber sich damit abfindet und trotzdem aufhört. Die ganzen Gedanken, die Dich da verfolgen, die Du Dir machst, sind normal und notwendig. Deshalb ist es gut, daß Du Deine Gedanken hier artikuliert hast. Du laberst doch niemanden zu damit.
Was genau hält Dich davon ab, rauchfrei zu bleiben? Schmachtest Du stark? Lenke Dich doch gut ab. Oder versuche eine Atemübung. Jede Schmacht flaut nach einigen Minuten ab. Oder schiebe die Schmacht auf: Sage Dir doch: Nein danke, ich möchte jetzt nicht rauchen. Teile den Entzug in überschaubarere Häppchen ein. Nur das Aussitzen dieses Moments zählt. Das ist nicht so beängstigend und riesengroß wie die Vorstellung, aufzuhören und nie mehr zu rauchen. Würde Dir das vielleicht helfen?
Ist Dein Rauchverlangen an bestimmte Situationen gebunden? Dann versuche doch, diese Situationen etwas abzuändern. Wenn Du zum Beispiel sagst, jeden Morgen steckst Du Dir eine Fluppe an: Ist das immer mit demselben Ritual verbunden? Kaffee oder so? Dann ändere das Ritual. Trink einen Tee. Oder den Kaffee in der Sofaecke statt am Küchentisch. Und nimm Dir einen Keks und die Tageszeitung dazu vor. Und ähnliches gilt für alle anderen Rituale auch: ändere sie ab.
Versuch mal eine Analyse Deines Rauchverhaltens, schau mal in welchen Situationen oder Gefühlslagen Du rauchst, und überlege Dir dann, welche Alternativen Du in diesen zum Rauchen hättest. Das kann das Knabbern von Rohkost sein, eine Ersatzhandlung wie das Rauchen von Luft durch einen auf Zigarettenlänge abgeschnittenen Trinkhalm, das können Liegestützen sein oder Handarbeit.
Und manchmal hilft es auch dabei, den Ausstieg zu finden, indem man der Sucht buchstäblich good bye sagt. Schreib ihr z. B. einen Brief: Schreib alles rein, was Dich an ihr ankotzt. Verabschiede sie, sag ihr, daß Du sie nicht mehr willst, nicht brauchst, daß Du frei sein willst. Vielleicht fällt Dir dann der Absprung leichter.
Und sei Dir sicher: Du kannst das. Hast Du doch schon bewiesen: Du hast es schon mal geschafft! Keine Angst vor den Finten der Sucht, den Gemeinheiten, der Schmacht und den Suggestionen (der Genuß wäre größer/der Streß kleiner/die Entspannung besser mit Zigarette/Du rauchst zu gern/es ist zu schwer zu schaffen - etc. pp: alles gelogen!): ja, das kann schon ganz schön stark sein - aber Du bist stärker.
Viele Grüße sendet Dir
Lydia