Liebe Pulita,
ja es ist in der Tat kurios, wie sich die Schmacht manchmal zurückziehen und uns in Sicherheit wiegen kann, um uns dann unerwartet wieder von der Seite anzufallen und fast umzunieten. Das ist aber leider das Wesen des Entzuges: daß er in Wellen verläuft. Wir hatten es ja erst dabvon. Aber nutze so eine "softe" Phase, um erstens Kraft zu tanken, und zweitens ganz bewußt den Vorgeschmack auf die Freiheit zu kosten, die am Ende der Entwöhnung auf Dich wartet. Und diesen Vorgeschmack kannst Du Dir dann wiederum bei Schmachtern zurück ins Gedächtnis rufen - denn diese Freiheit willst Du ja letztendlich erreichen, richtig?
Ferner bringt Dich jetzt ausgestandene Verlangensattacke, jede gesurfte Welle, weiter von der Sucht weg. Deshalb nimm die Attacken an, sei Dir bewußt, daß jede ausgehaltene Attacke die Sucht in Dir schwächt, und Dich Deinem Ziel näher bringt.
Ich denke, es läßt sich gar nicht pauschal sagen, bis wann der Stoffwechsel sich normalisiert, es hängt sehr stark davon ab, wie der Aufhörer individuell körperlich aufgestellt ist. Es ist auch nicht allein der Stoffwechsel, der eine eventuelle Gewichtszunahme bedingt, sondern viel auch Ersatzhandlungen. Was würdest Du denn davon halten, auf Möhren- und Paprikasticks auszuweichen? Man kann sie ungefähr in Zigarettenformat zurechtschneiden, so kann man sich bzw. die Sucht auch nochmal zusätzlich etwas "überlisten", wenn man etwas in der Hand und im Mund hat, was auch noch ungefähr dieses Format hat. Und man kann sie völlig gefahrlos genießen.
Und schau mal, hier findest Du auch ein paar Infos zur Gewichtszunahme, vielleicht ist das was für Dich interessantes dabei:
http://www.rauchfrei-info.de/informieren/rauchstopp/haeufige-fragen-zum-rauchstopp/
In jedem Fall möchte ich Dich bitten, Dir erstmal nicht allzuviel Gedanken um das Gewicht zu machen. Natürlich kannst Du ein wenig mit Köpfchen versuchen, die Gewichtszunahme ein wenig in Grenzen zu halten, aber bitte tu Dir jetzt nicht noch eine Baustelle auf. Hier im Forum sagen wir ganz oft: Erst rauchfrei, dann bauchfrei. Das heißt, erst der Rauchausstieg. Und wenn man dann stabiler Nichtmehrraucher ist, kann man, sofern es dann noch nötig ist, an den Pfunden nachbessern. Aber geh es doch locker an. Der Rauchausstieg bringt Dir soviel mehr an Lebensqualität und auch Gesundheit, das machen Dir ein paar Pfündchen nicht kaputt.
Dann: Keine Sorge, das was Du jetzt im Moment durchlebst, ist definitiv! kein Dauerzustand. Es ist der Entzug, die Entwöhnung, aber das geht vorbei. Und wenn das ausgestanden ist, kämpfst Du nicht mehr, schmachtest Du nicht mehr! Und dazu brauchst Du nicht sechshundert und ein paar Tage warten. Weißt Du, ja, Allen Carr definiert diese drei Monate als dritte Entzugsphase, und ja, viele Aufhörer verspüren um diese Zeit nochmal ein verstärktes Aufkommen von Schmacht. Bei manchen etwas weniger als drei Monate, bei einigen (wie mir) etwas mehr (da waren es vier), aber so um den Dreh herum bäumt sie sich nochmal auf - und flacht dann wirklich ab. Bei manchen langsam, bei anderen (so wie mir) wie ein Kippschalter, den jemand umlegt, und es ist vorbei. Aber ja, diese drei Monate (plus-minus) markieren für ganz viele Aufhörer wirklich einen Wendepunkt. Der Zeitpunkt ist nicht in Stein gemeiselt, und jeder Entzug ist anders, aber doch, ja, vielfach kommen die Aufhörer so um den Dreh rum aus dem Gröbsten raus.
Und wenn Du aus dem Gröbsten raus bist, ist es kein Kampf mehr, dann ist es Freiheit. Dir muß klar sein, daß die Sucht immer mal noch vorbeischauen kann und sich Dir anbiedern will. Aber daß es für Dich keinen einzigen Zug mehr geben kann. Doch das liebe Pulita, ist ein simples Nein und kein Kampf mehr. Und bis es so weit ist, mußt Du nicht bis zu einem Zählerstand wie meinem kämpfen, das hast Du vorher erreicht. Eine Faustregel ist es nicht, gibt es auch da nicht. Aber Du wirst es merken.
Geh den Weg weiter, Pulita, Du machst das sehr gut und es lohnt sich so sehr. Viel Erfolg dabei wünscht Dir
Lydia