Guten Tag Ralf,
zu Deinen "gefühlten Aggressionen" fällt mir glaub ich was ein.
Seit ich hier bin, hat immer mal wieder ein Aufhörer den Effekt artikuliert, daß ihn Emotionen, und zwar alle, sei es Frust, Ärger, Aggression, auch Freude, Glück, stärker beeindrucken als vorher. Was soll ich sagen - ich habe es genauso empfunden. Ich habe auch in meiner frühen Nichtmehrraucherkarriere mal einen Streit vom Zaun gebrochen, der sich sehen lassen konnte - vorher hätte ich meinen Ärger vernebelt, hinterher bereue ich dieses Gewitter keinen Moment lang, weil es meine Position gestärkt hat.
Und da sind wir schon beim Stichwort: vernebeln. Früher haben wir unsere Aufwallungen unter einer Schicht Nebel versteckt - sieh es gerne bildlich oder auch biochemisch, inzwischen wissen wir ja, daß Rauchen ein massiver Eingriff in die Körperchemie ist. Nun aber regeneriert sich auch langsam unsere Biochemie, ferner haben wir diese mißverstandene "Bewältigungskrücke" nicht mehr, anfangs kommt auch noch die Entwöhnung dazu - und schon müssen wir uns mit unvernebelten Gemütszuständen auseinandersetzen. Und zwar allen. Bei manchen steht Trauer im Vordergrund, bei anderen Agression - das ist im Rahmen normaler Parameter.
Die gute Nachricht ist, daß sich das nivellieren wird. Du wirst lernen, mit unvernebelten Emotionen umzugehen (Nichtraucher per se können das schließlich auch, und wir können es nacht kurzem auch wieder), und die noch entzugsbedingten Befindlichkeiten werden sich verflüchtigen.
Was die Mitmenschen angeht - nun, mein Kopp ist auch noch auf. Menschen vergessen. Wenn es Dir ein Bedürfnis ist, geh offen mit Deiner Entwöhnung um und bitte um einen Verständnisvorschuß. Kannst auch mal Gummibärchen oder Schokolade rumreichen, das entspannt schon manchmal ziemlich.
Und was Dich selber angeht, mach Dir klar, daß Du keinerlei Gründe hast, Dir gegenüber Aggressionen zu hegen. Im Gegenteil, Du kannst stolz auf Dich sein, was Du alles schaffst, allem voran gegenwärtig den Rauchausstieg. Und belohne Dich wie gesagt selber dafür. Frage Dich jeden Tag, was Du gutes für Dich tun kannst!
Und schließlich, vertraue auf die Zeit. Der Entzug geht mit all seinen Befindlichkeiten vorüber. Du gewinnst.
Viele Grüße und einen guten Tag von
Lydia